Leben lernen mit der Bibel

 

 

D I E   A P O K A L Y P S E

 

  eine Partitur für den Weg der menschlichen Transformation

 

 

 

 

 

 


I n h a l t s v e r z e i c h n i s

 

 

 

 1...    1, 1-3:          Vorwort                                                                           4

 2...    1, 4-8:          Friedenswünsche an die Adressaten                                 4

 3...    1, 9:             Wer ist der, der die Vision empfängt?                               5

 4...    1, 10-11:      Der Beginn der Vision                                                      6

 5...    1, 12-16:      Das erste Bild: Der Menschensohn                                   7

 6...    1, 17-20:      Die Reaktion des Menschen Johannes

auf die Begegnung mit dem Menschensohn

und dessen Auftrag an ihn                                               8

 7...    2, 1-7:          Dem Engel der Gemeinde in Ephesos schreibe                 10

 8...    2, 8-11:        Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe                  11

 9...    2, 12-17:      Dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe              12

10...   2, 18-29:      Dem Engel der Gemeinde in Thyateira schreibe                13

11...   3, 1-6:          Dem Engel der Gemeinde in Sardeis schreibe                   16

12...   3, 7-13:        Dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe           17

13...   3, 14-22:      Dem Engel der Gemeinde in Laodikeia schreibe               18

14...   4, 1-1:          Die Vision vom Thron Gottes                                           21

15...   5, 1-14:        Das Buch mit den sieben Siegeln                                      24

16...   6, 1-8:          Das Lamm öffnet die ersten vier Siegel                            28

17...   6, 9-17:        Das fünfte und das sechste Siegel                                     31

18...   7, 1-17:        Die Knechte Gottes werden besiegelt                                33

19...   8, 1-5:          Das Lamm öffnet das siebente Siegel                                36

20...   8, 6-13:        Die Trompeten der ersten vier Engel                                36

21...   9, 1-12:        Der fünfte Engel trompetet                                               39

22...   9, 13-21:      Der sechste Engel trompetet                                              40

23...   10, 1-11:      Der Engel und das kleine Buch                                         43

24...   11, 1-2:        Die Vermessung des Tempels                                           46

25...   11, 3-14:      Zwei Propheten

in der den Heiden überlassenen heiligen Stadt                  46

26...   11, 15-19:    Der siebte Engel trompetet                                                49

27...   12, 1-6:        Die Frau und der Drache                                                  51

28...   12, 7-12:      Der Sturz des Drachen                                                      53

29...   12, 13-18:    Der Drache beginnt den Kampf gegen die Frau                55

30...   13, 1-10:      Das Tier aus dem Meer                                                     58

31...   13, 11-18:    Das Tier aus der Erde                                                       60

32...   14, 1-5:        Das Lamm und sein Gefolge                                             62

33...   14, 6-13:      Die Ankündigung des Gerichts                                         63

34...   14, 14-20:    Die Stunde der Ernte                                                        64

35...   15, 1-8:        Sieben Engel mit sieben Plagen                                        66

36...   16, 1-21:      Die sieben Schalen der Leidenschaft Gottes                      68

37...   17, 1-18:      Die Vision von der Hure Babylon                                     72

38...   18, 1-8:        Der Sturz Babylons                                                           76

39...   18, 9-24:      Die Klage über den Untergang Babylons                           77

40...   19, 1-10:      Der Jubel im Himmel                                                        79

41...   19, 11-16:    Der Richter erscheint auf einem weißen Pferd                  80

42...   19, 17-21:    Der Sieg über das Tier und seinen Propheten                   83

43...   20, 1-6:        Das Tausendjährige Reich                                                85

44...   20, 7-10:      Der endgültige Sieg über den Satan                                  86

45...   20, 11-15:    Das Gericht über die Toten                                               87

46...   21, 1-8:        Der neue Himmel und die neue Erde                                90

47...   21, 9-21:      Das neue Jerusalem                                                          92

48...   21,22 - 22,5: Das Leben in der heiligen Stadt                              96

49...   22, 6-21:      Sieh, ich komme schnell                                                   98

 

 

 

 

 


Strukturbeschreibung

in der Sprache der heutigen Zeit

 

 

 

1 - 6:            Der Mensch, der sehen kann,

was es mit dem menschlichen Leben auf sich hat

7 - 13:          Die Menschen, an die er sich wenden kann,

bei denen eine Aussicht besteht, dass sie die Botschaft hören.

14:               Gewisse Menschen haben eine vollkommene Einsicht

in das Wesen des Lebens

15:               Die meisten Menschen begreifen das Leben nicht; sie finden nur falsche Antworten

16 - 17:        Die ersten sechs Geheimnisse des Lebens:

Die unschuldige Kraft

Gestaute Energie

Berechnung

Angst vor dem Tod

Das vergewaltigte Kind in uns

Weltuntergang

18:               Die Besiegelung derer, die sich besinnen

19:               Das siebte Siegel: Zunächst Stille, die Ruhe vor dem Sturm

20 - 22:        Die ersten sechs "Trompeten" (Warnrufe):

Misserfolg, Unglück Katastrophen

Unbewusste Gewalten überwältigen das Geplante

Eine Ideologie blockiert den Energiefluss

Die Maßstäbe für die Einsicht werden unklar

Die blockierten Menschen produzieren Horrorgestalten

Die angestauten Aggressionen entladen sich

23 - 25:        Himmlische Botschaften

werden an die gepeinigte Menschheit gesandt:

Die Botschaft des Lammes: wahllos zu werden

Die himmlischen Maßstäbe als Orientierung

Zwei Propheten, die getötet werden, aber auferstehen

26:               Die siebte Trompete: Gottes Herrschaft ist wiederhergestellt

Von hier aus erscheint noch eine zweite Sicht

des Ablaufs der Dinge:

27 - 29:        Die Frau und der Drache

Mutter Natur bringt ständig unter Schmerzen neues Leben hervor, unschuldig

Das Ego will selbst etwas tun, etwas beweisen, etwas sein, ist eifersüchtig auf die Natur, kämpft gegen sie, sucht sie zu zerstören

30 - 31:        Die spektakulären, aber illusionären Phänomene des Ego verführen die meisten

32:                         Die sich nicht verführen lassen

33 - 35:        Die Wahrheit zeigt sich

36:                         Sieben biologische Reaktionen auf die Blockade der Energie

37-40:                    Das Ende der Ersatzbefriedigung

41:                         Der eigentliche Herr des Lebens zeigt sich

42:                         Das Ego wird vernichtet

43 - 44:        Eine Zeit der Harmonie,

Die Wiederkehr des Ego und seine erneute Zerstörung

45:               Angesichts des Todes zeigt sich die Wirklichkeit

46 - 48:        Das Leben nach der Vernichtung des Ego

Himmel und Erde sind ganz neu

Das Wunder des Lebens ist allgegenwärtig und sichtbar

Es braucht keine äußerlichen Wegweiser

49:     Das eben Beschriebene wird in Kürze uns selbst geschehen

Zugang zur neuen Welt finden wir,

indem wir uns reinigen von allen Programmen

Alles in uns sehnt sich danach

 

 

 

 


Vorwort

 

 

 

Dem, der anklopft, wird aufgetan.

Das gilt auch für die Geheime Offenbarung des Johannes.

Ich habe ihre Symbolik lange nicht verstanden und mich auch nicht sehr darum bemüht, bis ich gebeten worden bin, sie zu erklären. Dann kam zu meiner Überraschung das Folgende als Ergebnis.

 

 

Die psychiatrischen Anstalten sind voll mit Leuten, die, bevor sie irgend etwas vollbracht haben im Leben, Halluzinationen mit religiösen Inhalten produzieren und dann glauben, sie stünden auf einer Stufe mit Jesus oder Mose oder mit dem Seher der Geheimen Offenbarung. Und sogar Fachleute auf dem Gebiet der Schizophrenie meinen, sie hätten es bei den Visionen der Propheten mit dem gleichen Phänomen zu tun wie bei den Halluzinationen ihrer Patienten. Doch die Situation ist eine völlig andere:

Der Seher Johannes ist kein Jugendlicher mit einem religiösen Wahn. Er hat sich durch sein lebenslanges Eintreten für das Wort Gottes eine unumstößliche Basis in dieser Welt geschaffen - und da empfängt er eine symbolhafte Schau des menschlichen Lebensweges, seiner Abgründe und Verirrungen und auch seines Ziels.

 

Er sieht:

 

Das Buch mit den sieben Siegeln,

es offenbart sein Geheimnis

dem Lamm

 

für uns Menschen, damit wir rechtzeitig die (sieben Reihen von) Warnzeichen erkennen,

durch die der Herr unseres Lebens die Abgründe und Abzweigungen unseres Lebensweges markiert hat

 

und als Anleitung für den Autor des Drehbuchs zu unserem eigenen archetypischen Lebensfilm

 

 

Die Apokalypse ist kein Buch für alle. Es geht darin nicht um die Bekehrung der Heiden. Die Apokalypse ist eine wahrhaft esoterische Schrift. Sie wendet sich nur an Initiierte, nur an solche Menschen, die die Wahrheit bereits gesehen und am eigenen Leib erfahren haben. Sie sind nämlich in Gefahr, nach ihrem Umkehrerlebnis wieder eingefangen zu werden von den alten Lebensvorstellungen und mustern. Die Enthüllungen (= Apokalypse) dieses Buches sollen sie wachhalten, damit sie auf dem Weg bleiben zu der Erneuerung, die bleibt, zu ihrer endgültigen Erleuchtung. Darum hält das Buch seine Leser in der ständigen Spannung zwischen den Abgründen des ewigen Verderbens und der glorreichen Verheißung.

Wenn Sie also noch kein Erleuchtungserlebnis gehabt haben, wenn Sie die Wahrheit in ihrer erschütternden Tiefe noch nicht erlebt haben, machen Sie dieses Buch jetzt bitte wieder zu und stellen Sie es zurück ins Regal. Es ist nicht für Sie - obwohl natürlich auch Sie eines Tages nach der Wahrheit gefragt werden werden.

 


1...   1,1-3: Vorwort

 

(1) Offenbarung des Jesus Christus, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. Er hat sie durch seinen Engel geschickt und seinem Knecht Johannes gezeigt, (2) der das Wort Gottes bezeugt hat und ebenso das Zeugnis des Jesus Christus, soviel er davon geschaut hat.

(3) Selig, der die Worte der Prophezeiung liest und hört und der das in ihr Geschriebene bewahrt, denn die Zeit ist nahe.

 

Durch sein lebenslanges Zeugnis für das Wort Gottes hat der Seher Johannes ein ganz besonderes Bewusstsein entwickelt für den Prozess der menschlichen Transformation. Und jetzt, gegen Ende seines Lebens, spürt er in sich den Ruf, den gläubig Gewordenen in einem großen Bilderbogen vor Augen zu führen, welcher Art das Gericht ist, das den Prozess der Menschwerdung steuert, und ihnen zu zeigen, dass es keine Möglichkeit gibt, der Auseinandersetzung auszuweichen, denn nach der Verdunkelung des menschlichen Wesens im Sündenfall kann nur eines dem Leben Sinn verleihen, nämlich dass das ursprünglich Menschliche wieder erscheint, das Ebenbild Gottes. Und Johannes sieht das Ringen darum und die Kräfte, die dabei am Werk sind, und im Geist verwebt sich vor ihm alles in die Form eines großen symbolischen Endzeitdramas.

Und Johannes sieht dieses Drama als eine Offenbarung des "Jesus Christus". Und er meint damit nicht einfach nur Jesus, sondern in ihm eben das in jedem Menschen bereits gegenwärtige Ebenbild Gottes, den "Menschensohn", der in jedem von uns ständig mit dem von ihm durch den Sündenfall losgelösten eigenwilligen "Ich" zu kommunizieren versucht, ohne Worte, nur über den Organismus, wie ein neugeborenes Kind mit seiner Mutter kommuniziert, und durch die Bildersprache der Träume. Die Fähigkeit zu dieser bildlichen Form der Mitteilung ist uns von Anfang an gegeben, und damit existiert von Anfang ein Tor zur Erlösung. Und diejenigen, die sich danach sehnen, ihren Ursprung wiederzuentdecken, finden in diesen Bildern den Schlüssel zu den für das gewöhnliche Bewusstsein oft unbegreiflichen, schmerzlichen und auch glücklichen Erfahrungen des Lebens.

Und in den Bildern, die Johannes uns vorstellt, kann jeder Hörer und jeder Leser seinen eigenen inneren Kampf wiedererkennen und seine momentane Position darin. Wir alle können uns selbst darin finden und sehen, was demnächst auf uns zukommen wird, "was in Kürze geschehen muss". "Jesus Christus", "der Menschensohn" vermittelt uns die Botschaft durch den Seher Johannes, damit wir die Bedeutung dieses Kampfes für unser Leben erkennen und damit es uns leichter wird, uns eindeutig auf die Seite des Erlösers zu stellen. Es ist keine Zeit zu verlieren. Die Entscheidung ist bereits im Gange. (3)

 

 

 

 

2...   1, 4-8: Friedenswünsche an die Adressaten

 

(4) Johannes den sieben Gemeinden in Asien.

Gnade euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt,

und von den sieben Geistern vor seinem Thron,

(5) und von Jesus Christus, dem Zeugen, dem Treuen, dem Erstgeborenen der Toten und dem Beherrscher der Könige der Erde.

Dem, der uns liebt und der uns erlöste von unseren Sünden in seinem Blut,

(6) und der uns zu einem Königtum machte, zu Priestern für seinen Gott und Vater, ihm sei der Ruhm und die Macht in die Äonen. Amen.

(7) Sieh, er kommt mit den Wolken, und sehen wird ihn jedes Auge,

auch die, welche ihn durchbohrten,

und trauern werden über ihn alle Stämme der Erde. Ja, Amen.

(8) Ich bin das Alpha und das Omega,

sagt der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der Allherrscher.

 

Johannes richtet seine Botschaft an sieben exemplarische Gemeinden in Kleinasien. (1)

Er wünscht ihnen Frieden. Aber wie kann einer Frieden haben, der sich abgespalten hat von seinem Ursprung? Er wünscht ihnen daher Frieden "von Ihm, der ist und der war und der kommt", von ihrem Urheber, zu dem sie wieder zurückkehren werden.

Und dieser Friede kommt auch von den "sieben Geistern vor seinem Thron".

Sieben, das ist ein vollständiger Zyklus, so wie die sieben Tage der Schöpfung und wie die Zahl des Männlichen (drei) und die des Weiblichen (vier) zusammen sieben ergeben. Die volle Zahl der Lebensgeister steht um den Thron Gottes. Und dieser Thron, wo steht er? In diesem Augenblick stehen wir vor ihm. Und mitsamt den sieben Geistern ist er in uns. Und auch da ist Frieden. (4)

Und Frieden kommt von dem exemplarischen Menschensohn Jesus, der den Tod überwunden hat und dessen Kraft die aller Könige der Erde übersteigt. In Jesus hat der Menschensohn uns ein für allemal ein Beispiel der Erlösung gegeben, denn er hat sich vollkommen gelöst von dem Eigensinn, durch den die gefallen Menschen sich von Gott getrennt haben. Indem er sein Leben hingab, hat er gezeigt, dass kein Gut, auch nicht das des Lebens, diese Abspaltung rechtfertigt. (5)

Indem er sich der Macht des Todes nicht gebeugt hat, ist er zum König des Lebens geworden. Und indem wir uns von ihm aus unseren Verstrickungen lösen lassen, werden auch wir wie er, "eins mit dem Vater" und Beherrscher des Lebens. Und unser Leben wird zu einem heiligen Ritual, das wir vor Gott, unserem Vater zelebrieren. Und dann ist für uns niemand mehr groß oder mächtig, nur Gott allein. (6)

Und wie alles auf der Erde erst wachsen kann, wenn Regen kommt (Gen 2, 5), so werden auch wir heutige Menschen nur wiederbelebt durch sein Wasser des ewigen Lebens, das er über uns ausgießen wird, wenn er kommt. Und alle werden diese Notwendigkeit sehen, auch die, die den hingerichtet haben, in dem das Ebenbild Gottes bereits klar erschienen war. Und die Menschen aller Völker werden klagen, weil sie so hartnäckig festgehalten haben an ihrem eigensinnigen Machtanspruch. (7)

Das sagt Gott, unser Ursprung und unser Ziel, der letztlich alles beherrscht, auch wenn es oft nicht so zu sein scheint. (8)

 

 

 

 

3...   1, 9: Wer ist der, der die Vision empfängt?

 

(9) Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und dem Königtum und der Ausdauer in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, wegen des Wortes Gottes und des Zeugnisses von Jesus.

 

Johannes, der diese Vision empfängt, ist keiner von den Unsterblichen Göttern des Olymp, er ist einer wie wir, bedrängt wie wir. Und wie wir hat auch er teil an der Herrschaft des einen Herrn, und mit uns harrt er aus in dem Bewusstsein, das Jesus uns vermittelt hat.

Auf der Insel Patmos hat Johannes dieses gesehen, weil Gott ihn da hingestellt hat als Zeuge für Jesus. (9)

 

 

 

 

4...   1, 10-11: Der Beginn der Vision

 

(10) Ich war im Geist am Herrentag

und hörte hinter mir eine Stimme wie von einer Trompete,

(11) die sagte: Was du siehst, schreibe in ein Buch

und schicke es den sieben Gemeinden,

nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyateira und nach Sardeis und nach Philadelphia und nach Laodikeia!

 

 

Johannes "war im Geist am Herrentag". Was das heißt, können wir nur verstehen, wenn wir verstehen, wer dieser Mensch ist. Er nennt sich "Johannes", so wie der Evangelist, so wie der Lieblingsjünger Jesu. Ob er es wirklich ist oder vielleicht ein Schüler wissen wir nicht. Moderne Bibelwissenschaftler meinen, es wäre nicht der Apostel, sondern ein anderer, und sie begründen das mit Unterschieden in der Wortwahl zwischen dem Evangelium und der Geheimen Offenbarung. So plausibel das auch klingt, es beweist doch nichts, denn wenn Menschen als Medien sprechen, verändert sich auch ihre Wortwahl. Aber wir brauchen uns gar nicht einmischen in den Streit der Wissenschaftler, denn wir etwas haben vor uns, das für sich spricht: eine Botschaft aus einer anderen Welt, eine Art Traum, einen tiefen Einblick in das Leben. Und den Kampf, den Johannes sieht, können wir in diesem Augenblick in uns selbst wahrnehmen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten: Es ist der Kampf zwischen unserem eigensinnigen "Ich" und unserer Sehnsucht nach Menschlichkeit und Frieden.

Johannes sieht diesen Kampf in vielen Varianten und Details. Und das zeigt, dass er selbst diesen Kampf sein ganzes Leben lang geführt und beobachtet hat. Und von da her weiß Johannes auch, dass dieser Kampf niemand erspart bleibt.

"Im Geist" ist er. Seine Aufmerksamkeit verweilt also nicht bei den Dingen des Alltags, sondern beim Wesentlichen. Und das kann ja nie direkt, sondern nur in symbolischen Bildern beschrieben werden.

Johannes erlebt in diesem Augenblick also weder eine psychotische Episode noch sieht er etwas für ihn völlig Neues; er sieht vielmehr etwas, das er sehr gut kennt aus seiner täglichen Praxis des Ausharrens. Und jetzt, gegen Ende seines Lebens, übermittelt er seine Erfahrung in diesem großen Bilderbogen des Lebens. Und aus seiner tiefen Verbundenheit mit dem Menschlichen weiß er, dass sein Vermächtnis nichts Subjektives ist, sondern eine für alle gültige Offenbarung aus dem göttlichen Licht.

Johannes hört hinter sich "eine laute Stimme wie von einer Trompete". Nocheinmal: Die Vision des Johannes ist nicht die psychotische Halluzination eines grünen Jünglings. Die Stimme, die er hört, kommt aus seiner überaus reichen Lebenserfahrung. Sie ist eine bewusste Projektion. Der Seher weiß, wovon er spricht. Er hat etwas Entscheidendes mitzuteilen. Deshalb beginnt seine Schau mit dem Ruf des göttlichen Herolds. Und dessen "Stimme" befiehlt ihm, alles Folgende niederzuschreiben und als Buch auszusenden an sieben exemplarische christliche Gemeinden in Kleinasien auszusenden: Ephesos, Smyrna, Pergamon, Thyateira, Sardeis, Philadelphia und Laodikeia.

 

 

 

5...   1,12-16: Das erste Bild: Der Menschensohn

 

(12) Und ich wandte mich um, um die Stimme zu sehen,

welche mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, (13) und inmitten der Leuchter einen gleich dem Sohn eines Menschen, bekleidet mit einem fußlangen Gewand und um die Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel. (14) Sein Kopf aber und die Haare waren weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, (15) und seine Füße wie Golderz in einem feurigen Ofen, und seine Stimme wie die Stimme vieler Wasser, (16) und in seiner rechten Hand hatte er sieben Sterne und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert und sein Gesicht war so, wie die Sonne scheint in ihrer Kraft.

 

Und als Johannes sich umwendet, sieht er, inmitten von sieben goldenen Leuchtern, einen, wie den Sohn eines Menschen.

Ist das Jesus? Es ist mehr als Jesus. Es ist die göttliche Idee vom Menschen, aus der wir alle hervorgegangen sind; es ist unser eigener göttlicher Kern, das Ebenbild Gottes, das in allen von uns wartet, um zu erscheinen, sobald wir es zulassen - das wir aber gewöhnlich nur als eine unbestimmte Sehnsucht wahrnehmen können, weil wir es mit unseren eigenen Vorstellungen und Wünschen vollkommen zugedeckt haben. In Jesus aber, der ein Mensch war wie wir, ist es in seiner ganzen Herrlichkeit erschienen und die Menschen haben seine Ausstrahlung gesehen, eine Ausstrahlung, wie sie nur einer haben kann, der "allein aus dem Vater geboren" ist (Joh 1,14). Aber dieses strahlende Wesen ist nicht nur in ihm, es ist genauso in uns, auch jetzt, in diesem Augenblick. Und jetzt erblickt es Johannes. Und was er sieht, ist die unbeschreibliche, unvergleichliche, göttliche Natur des Menschen.

Die Einzelheiten der folgenden Beschreibung sind gar nicht so wichtig, wie der Gesamteindruck des eben unbeschreiblich Gewaltigen und Schönen: Inmitten von sieben goldenen Leuchtern steht die Gestalt des Menschen. Die drei Seiten des Männlichen und die vier Seiten des Weiblichen beleuchten sie, denn männlich und weiblich ist jeder Mensch von Anfang an.

Und der Menschensohn ist bekleidet mit dem fußlangen Gewand, das Gott den Menschen im Paradies gegeben hat nach dem Sündenfall. Das Gewand unterscheidet den Erlösten von dem noch unschuldigen ersten Menschen. Der Menschensohn hier ist schon hindurchgegangen durch den Prozess der Bewusstwerdung, der mit dem Sündenfall beginnt und der mit dem Absterben des eigenwilligen und die göttliche Natur verdunkelnden "Ich" an den Punkt führt, wo das Ebenbild das Urbild  sieht, wo Gott sich durch seine Schöpfung selbst erkennt. (12f.)

Aus diesem Grund auch ist das Haupt und das Haar der menschlichen Gestalt strahlend weiß, wie Schnee; und die Augen sind wie Feuer, denn in ihnen lodert die reine Bewusstheit. Und die Füße sind gediegen wie Gold, aber nicht wie das erstarrte Gold einer Statue, sondern sie sind lebendig, feurig, in stetigem Fluss.

Und seine Stimme enthält alle Stimmen und sie ist belebend wie das Wasser. (14f.)

Und in der Hand hält er sieben Sterne - sieben himmlische Leuchten, stellvertretend für alle Himmelslichter, die den Menschen den Weg weisen. Und aus seinem Mund kommt ein scharfes, zweischneidiges Schwert, das Schwert der Unterscheidung, mit dem er - nicht "das Böse", sondern - das abschneidet, was der Welt des Sündenfalls angehört. Es ist das Schwert des Erzengels Michael. Es kommt aus dem Mund des Menschensohnes. An seinem Wort erweist sich, wer sich noch einbildet wie Gott zu sein und wer bereits würdig ist, zurückzukehren ins Paradies. Sein Wort schneidet alles ab, was nicht zur lauteren Natur gehört.

Und sein Gesicht strahlt wie die Sonne, ja die Sonne ist nur ein Abglanz seines Strahlens, denn er ist Gottes Ebenbild. (16)

 

 

 

 

6...   1, 17-20: Die Reaktion des Menschen Johannes auf die Begegnung mit dem Menschensohn und der Auftrag an ihn

 

(17) Und als ich ihn sah, fiel ich vor seine Füße wie ein Toter, und er legte seine Rechte auf mich und sagte: 'Fürchte dich nicht; ich bin der Erste und der Letzte (18) und der Lebendige; ich war ein Toter, und sieh, lebendig bin ich in die Äonen der Äonen, und ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

(19) Schreibe nun, was du sahst und was ist und was danach geschehen wird! (20) Das Geheimnis der sieben Sterne, die du sahst auf meiner Rechten, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.'

 

Wenn der Sterbliche dem Unsterblichen begegnet, fällt er hin wie tot. Genauso sind die drei Lieblingsjünger Jesu hingefallen auf dem Berg Tabor, als er sie seine andere Seite wahrnehmen ließ, seine, und zugleich ihre eigene Teilhabe an der Ewigkeit. Solange ein Mensch sich mit seiner sterblichen Seite identifiziert kann er dieser Begegnung nicht standhalten. Doch während für die Jünger auf dem Berg Tabor die Erscheinung nach dem Schock verschwand, bleibt der Menschensohn hier in seinem göttlichen Glanz gegenwärtig. Johannes kann sich lösen. Der Menschensohn kann ihn beruhigen. Jetzt versteht Johannes, denn der Menschensohn ist jetzt auch in ihm auferstanden. Er weiß, dass der Erste und der Letzte und der Lebende auch in ihm da ist, ja dass er sogar eins mit ihm ist.

Der Menschensohn ist der Erste, denn er ist das Ebenbild Gottes. In ihm sieht Gott zum ersten Mal sich selbst, wie in einem Spiegel. Und er ist der Letzte, denn nach seiner Wiederkehr gibt es keine Trennung mehr. Und er ist der Lebendige. Denn er ist das Leben selbst, der veräußerte Gott, er verkörpert die ganze Schöpfung, in der sich durch die Menschwerdung der Prozess der Selbsterkenntnis Gottes vollzieht. (17)

Und doch war er tot - denn dieser Prozess ist undenkbar ohne die zeitweilige Trennung von Gott, von der Quelle des Lebens. Das ist der Tod. Und gleichzeitig ist der Tod die Kehrseite des Lebens. Alles was lebt, muss sterben - so lange, bis es in dem Prozess des Lebens das ewige Wesen erkennt und erlebt und erlöst. Das Ebenbild Gottes ist dieses Wesen, das lebt von Äon zu Äon. Und das ist der Menschensohn. Er hat den Schlüssel des Todes und des Hades. Nur durch ihn können wir uns von unseren Identifikationen mit dem Vergänglichen lösen. Nur durch ihn erkennen wir unsere Natur im Ewigen. Und nur das holt uns heraus aus dem ewigen Verderben. (18)

 

Dieser Menschensohn nun lässt Johannes den Prozess der Verstrickung und der Befreiung bildhaft sehen und er befiehlt ihm den ganzen Bilderbogen für uns aufzuzeichnen. Und der Menschensohn hilft uns auch gleich, die verschlüsselte Botschaft zu verstehen: (19)

Die sieben Sterne in seiner Rechten sind die Engel der sieben Gemeinden. So wie die ganze Welt in der Hand Gottes liegt, so ist das, woran die Gemeinden sich orientieren in der Hand des Menschensohnes. Die Geister, die die Gemeinden beherrschen, sind, wie wir gleich sehen werden, nicht vollkommen, aber sie stehen - noch - in Kommunikation mit ihrem Meister und die Gemeinden selbst sind - noch - ausgerichtet auf ihn. Sie beleuchten Ihn. Sie sind es, durch die auch andere Ihn sehen können. Sie sind daher wichtig für die ganze Welt und es ist wichtig, dass sie die Botschaft dieses Buches verstehen und weitergeben. Und dazu müssen zuerst sie selbst den Prozess erfahren, in dem der Menschensohn erscheint. (20)

 

 

 

 

7...   2,1-7: Dem Engel der Gemeinde in Ephesos schreibe:

 

(1) Dem Engel der Gemeinde in Ephesos schreibe: Dies sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der umhergeht inmitten der sieben goldenen Leuchter: (2) Ich kenne deine Werke und die Mühe und deine Ausdauer, und dass du Schlechte nicht ertragen kannst, und dass du die prüfst, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und dass du sie als Lügner erkanntest, (3) und dass du Ausdauer hast und vieles ertrugst wegen meines Namens und dass du nicht ermüdet bist.

(4) Doch ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe gelassen hast. (5) Bedenke also, von wo du gefallen bist, und kehre um, und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, dann komme ich zu dir, und ich werde deinen Leuchter von seinem Platz bewegen, wenn du nicht umkehrst.

(6) Doch dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse.

(7) Der ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Dem der siegt, werde ich vom Baum des Lebens zu essen geben, der im Paradies Gottes ist.

 

"Der Engel der Gemeinde" ist der Geist, der in dieser Gemeinde herrscht. Und der Geist der Gemeinde von Ephesos ist für die Christen besonders wichtig, deshalb spricht der Menschensohn zuerst zu ihm. Die Gemeinde ist ja schon von Paulus adressiert worden. Und hier liegt auch das Grab der Mutter Jesu. Aber noch wichtiger als die äußerliche Bedeutung ist der Archetyp des Verhaltens, für den diese Gemeinde steht. Anhand der Gemeinde von Ephesos erstellt der Menschensohn eine exemplarische Diagnose, die auch für andere Gemeinden und Individuen gilt, bei denen ein ähnliches Verhalten auftritt.

Wie die sieben Sterne in diesem Bild hat "der Menschensohn" den Geist jeder Gemeinde zu jeder Zeit in der Hand; er ist anwesend in jedem Mitglied jeder Gemeinde und er weiß daher wie kein anderer, was wirklich der Fall ist. (1)

In Ephesos anerkennt er die Werke und die Mühe und die Ausdauer. Er sieht wie sein "Schwert der Unterscheidung" dort die Schlechten ausscheidet, wie es die prüft, die sich Apostel nennen, wie es die Lügner erkennt. Nocheinmal lobt er an Ephesos die Ausdauer und das unermüdliche Ertragen des Schweren "um seines Namens willen", um dessentwillen, wofür er steht, ihrer eigenen menschlichen Originalität wegen. (2f.)

Und doch gibt es etwas anzumahnen: Die Begeisterung der ersten Liebe ist entschwunden. An sie sollen sich die Epheser erinnern und zu ihr zurückkehren, denn im Vergleich damit sind sie tief gefallen, trotz aller verbliebenen Verdienste. (4)

Falls sie aber nicht zurückkehren zu den Taten, zu denen ihre erste Liebe sie befähigt hat, wird ihr Leuchter von seinem Platz weggerückt werden, dann werden sie ihren gegenwärtigen Platz im Himmel räumen müssen - falls sie nicht umkehren. (5)

Aber es gibt etwas, das ihnen bei ihrer Umkehr helfen wird: Sie hassen die Werke der Nikolaiten, die auch der Menschensohn hasst. Die heutigen Exegeten nehmen an, die Nikolaiten hätten dafür plädiert, dass sich die Christen in ihrem Denk- und Lebensstil ihrer Umwelt anpassen, dass sie die heidnischen Lebensgewohnheiten und auch den Kaiserkult als "nur äußerlich" ansahen und meinten, das Wesentliche am Christsein werde davon nicht berührt. Der Menschensohn aber sieht das anders. Für ihn gibt es nur eine Wahrheit. (6)

Wer ein Ohr hat für das, was der Geist den Gemeinden sagt, wird begreifen, was der Menschensohn meint, wenn er sagt, dass er dem, der siegt, vom Baum des Lebens zu essen geben wird, dass er im Paradies sein wird.

Dieser Sieger, von dem der Menschensohn spricht, wird uns später

nocheinmal begegnen, als das in jedem Menschen, das von Anfang an gekommen ist, um zu siegen (6,2). Sieger ist der, dem es gelingt, dem Menschensohn alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, der in seiner Suche nach der Wahrheit durchhält, bis er sie gefunden hat, bis sein eigenes Wesen erscheint, seine eigene Originalität, denn nur darin zeigt sich "der Menschensohn".

 

 

 

 

 

8...   2,8-11: Dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe:

 

(8) Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe:

Dies sagt der Erste und der Letzte, der ein Toter war und lebte:

(9) Ich kenne deine Bedrängnis und die Armut - doch reich bist du -

und die Lästerung von Seiten derer, die sagen, sie seien Juden und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans.

(10) Fürchte nichts, was du leiden wirst! Sieh, der Teufel wird einige von euch in ein Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet Bedrängnis haben zehn Tage lang. Werde treu bis zum Tod, und ich werde dir den Kranz des Lebens geben!

(11) Der ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

Der siegt, wird vom zweiten Tod kein Unrecht erleiden.

 

Der hier zum Geist der Gemeinde spricht, ist nicht einfach ein anderer, höher zu bewertender Geist. Er ist auch nicht die höchste Autorität unter anderen Autoritäten. Er ist die einzig wirkliche Autorität, "der Erste und der Letzte", das Ebenbild des Einen, aus dem alles hervorgegangen ist. Und er ist er auch nicht "höher" als die, zu denen er spricht, er hat nur - in der Gestalt Jesu - den ganzen Zyklus vollendet, in dem wir noch stecken.

Er ist, wie wir auch, zunächst als Gottes Ebenbild erschienen. Und, wie wir, ist er auch in die äußerste Entfernung von Gott hineingegangen, in die äußerste Entfernung vom Leben, in den seelischen Tod - "in die Hölle", wie es im Credo heißt. Und am Tiefpunkt seiner selbst ist ihm seine wahre Natur wieder bewusst geworden. Und in diesem Bewusstsein hat er gelebt ein ganzes Erdenleben lang und durch sein grausames Ende hindurch und darüber hinaus, so dass er sich nach seinem physischen Tod als lebendig zeigen konnte. Weil er den ganzen Zyklus vollendet hat, in dem Gott zum Bewusstsein seiner selbst gelangt, spricht er unmittelbar zu unserem Wesen, das ebenso seiner Vollendung entgegengeht. Er ist der zum Bewusstsein seiner selbst gelangte Gott. Deshalb ist er der Erste und der Letzte und deshalb werden durch ihn, mit ihm und in ihm dereinst auch wir wieder eins mit dem Vater. (8)

Dieser zu sich selbst Gekommene spricht zum Geist der Gemeinden. Er kennt den ganzen Zyklus der Entfernung und der Rückkehr und jede mögliche Situation darin. Er kennt die Bedrängnis und die Armut, in der sich die Christen in Smyrna befinden. Und er sagt ihnen etwas, das sie über der äußeren Bedrängnis aus den Augen verlieren könnten: Dass sie in seiner Wirklichkeit, also im Hinblick auf die Vollendung, nicht arm sind, sondern reich.

Es gibt da welche, die sich auf ihre Abstammung aus dem auserwählten Volk berufen, die ihren persönlichen Anteil an dieser Auserwählung aber verloren haben, und die in Wirklichkeit zur Gemeinde des ganz anderen Geists geworden sind, des Geists, wegführt aus der Einheit. Dieser Geist wird einige auf die Probe stellen, indem er ihnen die physische Vernichtung androht, indem er sie ins Gefängnis wirft. (9) Die Getreuen in Smyrna sollen aber keine Angst haben, denn die Bedrängnis wird zeitlich beschränkt sein, selbst wenn sie bis zum physischen Tod andauert. Sie brauchen sich nicht fürchten, denn wenn sie sich als standhaft erweisen bis in den Tod, wird ER ihnen den Kranz des Lebens geben. Und dann werden auch sie, wie jetzt er, den Zyklus vollendet haben. Dann wird Gott auch in ihnen zum Bewusstsein seiner selbst gekommen sein. Dann werden auch sie wieder eins sein mit der Quelle des Lebens. (10)

Der ein Ohr dafür hat, soll hören, was der göttliche Geist den Gemeinden sagt: Für den, der siegt, ist der zweite Tod, der physische Tod, kein Unrecht - so unrecht dieser Tod auch ist für die, die ihn herbeiführen. Den Getreuen wird kein Leben weggenommen. Sie kehren zurück zur Quelle des Lebens. Sie werden das Leben in Fülle haben. Der, der siegt, ist "der Menschensohn". Und er wird immer siegen, in jedem Menschen, wie lange es auch dauern mag, und wie unüberwindlich die Entfernung von der Quelle auch zu sein scheint. Er ist immer in ihr und er ist immer in uns. Er, das Ebenbild Gottes, ist unsere wahre Natur, woimmer wir auch sein mögen. In ihm werden wir siegen und den Tod überwinden. (11)

 

 

 

 

 

9...   2,12-17: Dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe:

 

(12) Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe: Dies sagt, der das Schwert hat, das zweischneidige, das scharfe: (13) Ich weiß, wo du wohnst, nämlich dort, wo der Thron des Satans ist. Und du hältst meinen Namen fest und du leugnetest den Glauben an mich nicht, auch nicht in den Tagen, als mein Zeuge Antipas, mein treuer, getötet wurde bei euch, wo der Satan wohnt.

(14) Doch ein Weniges habe ich gegen dich, nämlich dass du auch solche dort hast, die an der Lehre Balaams festhalten, der den Balak lehrte, um einen Fallstrick vor die Söhne Israels zu werfen, damit sie Götzenopferfleisch essen und huren. (15)

Außerdem hast du auch solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten.

(16) Kehre also um! Wenn aber nicht, dann komme ich zu dir schnell, und Krieg werde ich mit ihnen führen mit dem Schwert meines Mundes.

(17) Der ein Ohr dafür hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

Dem, der siegt, werde ich von dem verborgenen Manna geben, und ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein ist ein neuer Name geschrieben, den keiner kennt, außer dem, der ihn empfängt.

 

Der das Schwert hat, das zweischneidige, scharfe, steht nicht irgendwo außerhalb; es ist auch nicht irgendein anderer, es ist der Menschensohn - in dir und in jedem Menschen. Er kennt die Situation genau. Er weiß daher, welch harten Stand die Gemeinde von Pergamon hat: Sie befindet sich im Zentrum verderblicher Einflüsse, direkt "am Thron des Satans". Und trotzdem bleibt sie fest im Vertrauen auf das Göttliche im Menschen, von dem sie durch Jesus erfahren hat. Und obwohl einer aus der Gemeinde aus diesem Grund bereits getötet wurde, leugnen sie ihren Glauben nicht. (12f.)

Und doch bleibt ein Weniges auszusetzen: Es gibt da noch einige, die an besonderen Lehren festhalten. Da ist einmal die Lehre Bileams: Als die Israeliten unmittelbar vor ihrem Einzug ins Gelobte Land standen, hätte sie der Prophet der Midianiter Bileam fast noch zu Fall gebracht durch den Kult des Baal Peor (Num 31, 16). Dieser Kult äußerte sich unter anderem in einem ungezügelten sexuellen Leben, letztlich in der Verführung durch das Äußerliche, durch die Vielheit, im Gegensatz zur Führung durch das Eine. In ähnlicher Weise wie damals viele der Israeliten, hätten sich nun einige in der Gemeinde Pergamon erlaubt "Götzenopferfleisch zu essen" und "zu huren". Und das sind immer noch Fallstricke für die Söhne Israels. Das "Götzenopferfleisch" ist bis heute nicht von der Speisekarte verschwunden, auch wenn es  inzwischen  offiziell  weder  Vielgötterei  noch  Opferungen  gibt. Das "Götzenopferfleisch" ist nämlich genau das Fleisch, nach dem sich die Israeliten nach ihrer Flucht aus Ägypten zurückgesehnt haben. Es ist das, was wir alle essen, solange wir noch im Stress leben aus Angst nicht überleben zu können, solange wir noch nicht darauf vertrauen gelernt haben, dass das Manna dann schon kommt, wenn wir es brauchen. (14)

Außerdem gibt es in Pergamon einige, die an der Lehre der Nikolaiten festhalten, die der Menschensohn verabscheut und genauso die Gemeinde von Ephesos. (15)

Der Menschensohn fordert diese Leute auf, umzukehren, denn sonst wird er Krieg mit ihnen führen mit dem Schwert seines Mundes, das scharf unterscheidet zwischen echt und unecht und das alle Unechten ausscheidet. Davon wie das geschieht, wird später noch die Rede sein. (16)

Der ein Ohr hat für den Geist, wird begreifen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, denn jeder, der durchhält, wird seinen Anteil erhalten an dem verborgenen Manna. Wie damals die Israeliten in der Wüste immer das Nötige fanden, werden diejenigen, die vertrauen, auch heute noch alles Nötige finden, ohne dass sie ihre Lebensenergie irgendwelchen Götzen opfern müssten.

Und jeder, der in dieser Weise (sich selbst be)siegt, nämlich indem er sich den Götzen dieser Welt nicht unterwirft, wird einen weißen Stein erhalten, den Stein der Weisen. Und auf diesem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den keiner kennt außer dem, der ihn empfängt. Der irdische Name ist jetzt nicht mehr wichtig. Das neue Leben schon begonnen. Die Auferstehung ist bereits erfolgt. Und da zählt nur noch das eine, die Wahrheit vor dem Ewigen, das Echte. Und das ist für jeden zu jeder Zeit anders und für die anderen nicht begreifbar. Der Auferstandene kopiert nicht mehr das Alte, er ist in jedem Moment neu, in jedem Augenblick ein Original. Und das kommt daher, dass der Sieger sich nicht ablenken lässt, sondern eins wird mit der Quelle des ewigen Lebens.

 

 

 

 

 

10... 2,18-29: Dem Engel der Gemeinde in Thyateira schreibe:

 

(18) Und dem Engel der Gemeinde in Thyateira schreibe:

Dies sagt der Sohn Gottes, dessen Augen wie Feuerflammen sind und seine Füße gleich Golderz:

(19) Ich kenne deine Werke und die Liebe und den Glauben und den Dienst und die Ausdauer von dir; und deine letzten Werke sind mehr als die ersten.

(20) Doch ich habe gegen dich, dass du das Weib Jezabel gewähren lässt; sie nennt sich Prophetin und sie lehrt und führt meine Knechte irre, zu huren und Götzenopferfleisch zu essen. (21) Und ich gab ihr Zeit, umzukehren, aber sie will nicht ablassen von ihrer Hurerei. (22) Sieh, ich werfe sie in ein Bett, und die mit ihr ehebrechen in große Bedrängnis, wenn sie sich nicht abwenden von ihren Werken;

(23) und ihre Kinder werde ich töten durch Tod. Und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht, und ich werde euch geben, jedem nach seinen Werken.

(24) Euch aber, den übrigen in Thyateira, die nicht diese Lehre haben, welche nicht die Tiefen des Satans erkannten, wie sie sagen - auf euch werfe ich keine zusätzliche Last, (25) jedoch, haltet fest, was ihr habt, bis dass ich kommen werde!

(26) Und dem, der siegt und der meine Werke bis zu Enden bewahrt, werde ich Macht geben über die Völker, wie auch ich sie von meinem Vater empfangen habe.

(27) Und er wird sie weiden mit eisernem Hirtenstab, wie die irdenen Gefäße zerschlagen werden; (28) und geben werde ich ihm den Morgenstern.

(29) Der ein Ohr dafür hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

 

Für den, der Augen hat, zu sehen, zeigt sich als Kern eines jeden Menschen der Menschensohn, das Ebenbild Gottes, der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und Füße wie Golderz (s. 1, 14f.). (18)

Als das Wesen des Menschlichen kennt er die Gemeinde in Thyateira, die Werke, die Liebe und die Ausdauer ihrer Mitglieder und er weiß, dass sie ihre Anstrengungen in letzter Zeit vermehrt haben. (19)

Der Sohn Gottes kennt aber auch den Schwachpunkt der Gemeinde: Sie macht keinen Gebrauch von dem scharfen, zweischneidigen Schwert der Unterscheidung. Sie scheidet die Verführerin nicht aus - so wie ehedem der israelitische König Ahab seine Frau Jetzebel nicht ausgeschieden, sondern ihr erlaubt hat, einen Teil seines Volkes zur Verehrung des Baal zu verführen (1 Kön 16, 31). Wie immer ist Baal auch hier der Gott der tierischen Kraft, der Gott der Macht und des Erfolgs und der Lebensgenüsse, durch die das Echte zugedeckt wird. Die Verehrung des Baal ist ein menschheitsaltes Phänomen, in unserer Zeit wird es "Ko-Abhängigkeit" genannt, nämlich die Unfähigkeit/Unwilligkeit, sich aus der Welt des "Gut" und "Schlecht" zu verabschieden und zurückzukehren zum Baum des Lebens, unter dem die Entscheidung über gut und schlecht Gott überlassen bleibt und unter dem allein das Vertrauen herrscht, das das Offensein für die anderen erst möglich macht.

Jetzabel nennt sich eine "Prophetin", so wie sich auch die paradiesische Schlange sich als Prophetin ausgab. Am Ende, unmittelbar vor der Rückkehr ins Paradies ist die Schlange wieder da und prüft die Menschen erneut, ob sie wirklich bereit sind für die Herrschaft des Menschensohns. (20)

Und der Menschensohn gibt jedem Menschen Zeit, umzukehren, sich abzukehren von den Verblendungen, von den Verführungen oberflächlicher Befriedigung, hin zum Wesentlichen, zur inneren Wahrheit. (21)

Wenn sie sich in dieser Zeit aber nicht abkehren, dann reagiert ihre Umwelt und zuletzt sogar ihr eigener Organismus gegen sie. Sie werden aufs Krankenbett geworfen oder in andere Formen von Not geraten (s. auch V. 26). (22)

Und schließlich werden sie sehen, wie die eigenen Kinder hinweggerafft werden durch die Todesangst, die daher kommt, dass sie von der Quelle des Lebens getrennt sind. Sie selbst sind es letztlich, die ihre Kinder dem Gott Moloch opfern. Und an diesem Schicksal werden die Gemeinden erkennen, dass der Menschensohn Herz und Nieren kennt und dass er letzten Endes jedem nach seinen Werken gibt. (23)

Diejenigen aber, die sich auf "die Tiefen des Satans" nicht eingelassen haben, wie jene selbst es nennen, sie brauchen sonst nichts beachten als nur das Eine, das sie durch die Kunde von Jesus bereits gefunden haben. Daran sollen sie festhalten, bis der Menschensohn in voller Klarheit erscheint. (24f.)

Und die bis ans Ende in seinem Sinn handeln, werden siegen. Ihnen wird der Menschensohn Macht geben über die Völker. Indem sie dem Menschensohn folgen, werden sie allen anderen überlegen sein - so wie die Israeliten, sobald sie ihre Verbindung zu JAHWE wiedergefunden hatten, allen Völkern, die sie bedrängten, letztlich überlegen waren trotz deren materieller Übermacht. Denn der Vater, also die schöpferische Kraft, weidet alle Völker mit dem eisernen Stab: So wie der Töpfer die unbrauchbaren irdenen Gefäße, so wird er alle zerbrechen, die ihn in sich nicht anerkennen wollen. Denen aber, die siegen, wird er das geben, was er selbst von seinem Vater empfangen hat. (26f.)

Und er wird ihnen den Morgenstern geben. Wie wahnsinnig so eine Aussage interpretiert werden kann, zeigt das mittelalterliche Mordwerkzeug, die Zackenkeule, die auf diese Weise zu ihrem Namen "Morgenstern" gekommen ist.

Der Morgenstern, den der Menschensohn den Getreuen gibt, die sich von ihrer Ko-Abhängigkeit gelöst haben, ist natürlich ein anderer: Es ist das unfehlbare Zeichen, das den neuen Tag ankündigt, das neue Leben, die Auferstehung. Sie werden erkennen, dass sie keine Angst mehr haben brauchen, weil der Erlöser schon da ist, in ihnen selbst. (28)

Der ein Ohr dafür hat, versteht, was der Geist den Gemeinden damit sagt. (29)

 

 

 

 

 

11... 3,1-6: Dem Engel der Gemeinde in Sardeis schreibe:

 

(1) Und dem Engel der Gemeinde in Sardeis schreibe: Dies sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast einen Namen, du lebst, bist aber ein Toter. (2) Werde ein Wachender, und stärke das Übrige, das sterben wollte, denn deine Werke habe ich nicht erfüllt gefunden vor meinem Gott! (3) Denke also daran, wie du empfangen und gehört hast, bewahre es und kehre um! Denn wenn du nicht wachst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.

(4) Doch du hast einige wenige Namen in Sardeis, die ihre Gewänder nicht befleckt haben; und sie werden mit mir umhergehen in Weiß, weil sie würdig sind. (5) So wird der, der siegt, umworfen werden mit weißen Gewändern, und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens, und seinen Namen werde ich vor meinem Vater bekennen und vor seinen Engeln.

(6) Der ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

 

Der zum Engel von Sardeis spricht, hat diesen Engel in der Hand und die Engel der anderen Gemeinden und die sieben Geister Gottes. Es ist nicht einer unter vielen, es ist der ins Eine zurückgekehrte Mensch, in dem Gott sich selbst erkennt. Ihm kann keiner was vormachen. Er sieht durch die Fassade hindurch und noch weiter hindurch auf den innersten Kern. (1a)

Er weiß, dass die Gemeinde von Sardeis nur dem Namen nach lebt, in Wirklichkeit aber tot ist. Der Menschensohn ermahnt die Menschen dort - und uns! - aufzuwachen und wach zu bleiben und das zu stärken, was sterben wollte.

Von Gott getrennt, sind wir innerlich tot. Und ohne die Verbindung zu unserem inneren Wesen, möchte auch das Übrige sterben. Von Gott getrennt, leben wir nämlich nicht bis wir "alt und lebenssatt" sind, wie die biblischen Patriarchen, sondern wir ziehen den Tod an wie ein Magnet. Ohne die Verbindung zur Quelle ist das Leben zu anstrengend, und all die unvermeidlichen Leiden haben keinen Sinn. Aufzuwachen würde für uns bedeuten, dass wir diesen Zustand als solchen erkennen und dass wir uns von unserer Sehnsucht nach der Einheit leiten lassen. (2)

Der Menschensohn sieht, dass den Werken in dieser Gemeinde das Wesentliche fehlt. Sie sind nicht erfüllt vom göttlichen Geist und vor diesem daher nichtig. Der Engel, d.h. der Geist, der in Sardeis herrscht, soll sich daher erinnern und bedenken, was er empfangen und gehört hat, das soll er bewahren und umkehren.

Hat dieser Geist, der in Sardeis herrscht einen eigenen Willen, so dass er den Wunsch des Menschensohnes ausführen kann?

Die Mitglieder der Gemeinde hören die Botschaft und das Wort der Wahrheit erschüttert die Mauer der Entfremdung und es dringt durch zu dem Menschensohn in jedem einzelnen und weckt die Sehnsucht nach Befreiung. Und wenn die einzelnen sich an ihre erste Erkenntnis des Weges erinnern, macht ihr Leben plötzlich wieder Sinn und ihr Geist erhebt sich aus der Verblendung, vielleicht für lange genug, um die Umkehr der ganzen Gemeinde zu bewirken.

Falls aber nicht, dann wird der Menschensohn kommen wie Dieb in der Nacht. Ohne dass sie es merken, werden sie selbst Unglück und Tod einladen, weil ihr Wesenskern an dieser Art Leben, fern von der Quelle, kein Interesse hat. Und eines Tages werden sie überrascht feststellen, dass sie selbst das Gericht eingeladen haben. (3)

Einige jedoch sind noch nicht erfasst von der Seuche des selbst-wer-sein-Wollens. Sie haben ihr Gewänder, ihre Seelen, nicht befleckt und sie werden strahlen, weil sie würdig sind, weil sie dem Menschensohn Platz gemacht haben. (4)

Alle, die siegen, werden derartige strahlende Gewänder angelegt bekommen. Ihr Sieg wird für alle sichtbar werden und ihre Namen werden aufscheinen im Buch des Lebens. Sie werden im Ewigen für alle da sein, die mit ihnen in Kontakt treten wollen, so wie Jesus auf dem Berg Tabor zusammen mit Mose und Elija für seine Schüler im Ewigen da war. Und sie werden stets verbunden sein mit dem Vater und seinen Boten. (5)

Wer Ohren dafür hat, wird sich angesprochen fühlen. (7)

 

 

 

 

12... 3,7-13: Dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe:

 

(7) Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Dies sagt der Heilige, der Wahre, der den Schlüssel Davids hat, der, der öffnet, und keiner wird schließen, und schließt, und keiner öffnet: (8) Ich kenne deine Werke: Sieh ich habe eine geöffnete Tür vor dich hingestellt, die keiner schließen kann, denn du hast geringe Kraft und du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht geleugnet. (9) Sieh, ich werde dir aus der Synagoge des Satans einige von denen geben, die sagen, sie seien Juden, es aber nicht sind, sondern die lügen. Sieh, ich werde machen, dass sie kommen werden und vor deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich liebte. (10) Weil du mein Wort von der Ausdauer bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die Bewohner der Erde zu versuchen. (11) Ich komme schnell; halte fest, was du hast, damit keiner deinen Kranz nimmt!

(12) Der siegt, ihn werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen, und nie mehr soll er herausgehen, und den Namen meines Gottes werde ich auf ihn schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabsteigt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.

(13) Der ein Ohr hat, soll hören, was der Geist den Gemeinden sagt.

 

Vor dem Engel der Gemeinde in Philadelphia nennt sich der Menschensohn "der Heilige, der Wahre, der den Schlüssel Davids hat, der so öffnet, dass keiner mehr schließt, und der so schließt, dass keiner mehr öffnet". Wir sind es gewohnt, hier sofort an Jesus zu denken und nur an ihn - und nicht an unser eigenes innerstes Wesen. Dabei aber kann etwas Entscheidendes verloren gehen: die unmittelbare Betroffenheit, denn der Menschensohn ist uns näher als unser Hemd. "Der Heilige, der Wahre" ist in uns! Wir alle kennen doch die Sehnsucht und das Wissen, dass wir selbst es zutiefst sein wollen. Und wenn uns diese Sehnsucht gegenwärtig ist, dann wissen wir auch, dass dieser Menschensohn in uns den Schlüssel hat zu jedem Geheimnis und dass einzig dieser Schlüssel uns den Weg zu unserem Glück öffnen kann und dass er uns letzten Endes alle Wege verschließt, wenn wir uns ihm verschließen.

Was versuchen Menschen nicht alles, um ihr Leben zu retten. Wenn ihr innerster Kern das Ende beschlossen hat, dann kann die höchste Kunst der Medizin den Prozess nur verlangsamen, aber nicht umkehren. Die Heilung kommt nicht von der Medizin, sondern von dem Heiligen. Und der Heilige ist nicht irgendwoanders; er ist unsere eigene Natur. Die Heiligtümer der Menschen dienen nur dazu, uns zu erinnern - nicht an irgendetwas außerhalb, etwas Fremdes (das wären die "fremden Götter", vor denen das erste Gebot warnt - und viele "religiöse" Menschen verstehen "Gott" ja tatsächlich als etwas Fremdes), sondern an unser eigenes Wesen, das Ebenbild Gottes. Dieses Wesen spricht nun zum Engel der Christen in Philadelphia (7):

Der Menschensohn kennt die Werke eines jeden Menschen und er gibt jedem, was er braucht, um zur Wahrheit zu finden. Die Christen in Philadelphia brauchen keine Angst haben. Sie haben zwar nur geringe Kraft, aber sie haben gezeigt, dass sie diese geringe Kraft für ihren Weg einsetzen: Sie bewahren das Wort und sie leugnen seinen Namen nicht. Deshalb wird der Menschensohn ihnen die Tür öffnen und keiner wird sie schließen können. (8)

Und außerdem werden sie ein überraschendes Geschenk erhalten von einer Seite, die sich bisher nur als feindlich gezeigt hat: Schon Jesus hatte ja festgestellt, dass gerade solche, die sich auf ihre Abstammung von Abraham berufen, in Wirklichkeit "den Teufel zum Vater" haben (Joh 8, 44), weil sie - im Gegensatz zu Abraham - den Menschensohn nicht anerkennen wollen. Und auch in Philadelphia finden sich solche, "die sich Judäer nennen, es aber nicht sind." Und gerade von ihnen werden welche kommen und vor den Füßen der Christen dieser Gemeinde niederfallen, weil sie erkennen, wie der Menschensohn sie liebt. (9)

Sie haben das Wort Jesu von der Ausdauer ernst genommen und deshalb wird der Menschensohn sie ernst nehmen in der Stunde der Versuchung, die über alle Menschen auf der ganzen Erde kommt. Der Menschensohn wird schnell kommen, aber die Christen - nicht nur in Philadelphia - müssen das sichern, was sie haben, damit ihnen keiner den Sieg noch nimmt. (10f.)

Der siegt, wird zu einer Säule werden, zu einer Stütze des Tempels Gottes, die für immer da bleibt. Und auf ihn wird der Menschensohn den Namen Gottes schreiben und den Namen der Stadt Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel von Gott herabsteigt, und - den eigenen neuen Namen. Der Menschensohn selbst wird es ja sein, der in Gestalt dieses Siegers neu erscheint. (12)

Und der ein Ohr dafür hat, wird die Botschaft verstehen, die der Geist an die Gemeinden weitergibt. (13)

 

 

 

 

 

13... 3,14-22: Dem Engel der Gemeinde in Laodikeia schreibe:

 

(14) Und dem Engel der Gemeinde in Laodikeia schreibe: Dies sagt der Amen, der treue und wahre Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: (15) Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt bist noch heiß. O dass du doch kalt wärst oder heiß! (16)

So aber, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, will ich dich ausspeien aus meinem Mund. (17) Weil du sagst: Ich bin reich, und ich bin reich geworden und ich habe kein Bedürfnis, und weil du nicht weisst, dass du der Elende und Bemitleidenswerte bist, der Arme und Blinde und Nackte (18), deshalb rate ich dir, bei mir Gold zu kaufen, im Feuer gebrannt, damit du reich wirst, und weiße Gewänder, damit du sie dir umwirfst, damit die Schande deiner Nacktheit nicht offenbar wird, und Augensalbe, um deinen Augen zu salben, damit du siehst. (19) Die, welche ich liebe, überführe ich und erziehe ich; eifere also und kehre um!

(20) Sieh, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich zu ihm hineingehen, und ich werde mit ihm Mahl halten und er mit mir. (21) Der siegt, ihm werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich gesiegt und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.

(22) Der ein Ohr hat, soll hören, was der Geist den Gemeinden sagt.

 

"Dies sagt der Amen". Der "so ist es" teilt dem Engel das Folgende mit. Der Menschensohn ist "der treue und wahre Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes". Er ist es, der als Gegenüber, als Ebenbild, als Erstes aus Gott hervorgegangen ist. Er war da von Anfang an. Er ist der wahre Zeuge, denn in ihm kommt Gott zum Bewusstsein seiner selbst. Er ist das Ziel der Schöpfung. Und die Menschwerdung Gottes gipfelt daher im Bewusstwerden der Göttlichkeit - nicht in einem Menschen, sondern in jedem Menschen.

Ein Science-Fiction Autor würde an dieser Stelle schreiben: Gott hat diesen gigantischen Prozess der Evolution vom Urknall an ins Dasein gerufen, damit am Ende diese Schöpfung in allen ihren Gliedern zum Bewusstsein ihrer Natur und ihres Ursprungs gelange, damit das Gegenüber Gottes in einem furiosen, bis in die tiefsten Tiefen des Universums reichenden Augenblick der Umarmung sich mit seinem Urbild vereinige - in absoluter Stille. Und davon ist der Menschensohn Zeuge von Anfang an.

Dieser Prozess der Bewusstwerdung vollzieht sich ständig in einzelnen Individuen. Der Menschensohn regt ihn von Anfang an an und jetzt erinnert er den Engel der Gemeinde in Laodikeia. Und damit versetzt er ihm einen Schock (14):

"O dass du doch kalt wärest oder heiß! So aber, weil du lauwarm bist und weder heiß noch kalt, will ich dich ausspeien aus meinem Mund." Ein vernichtendes Urteil, so scheint es, aber es ist ein letzter Versuch, den Geist der Gemeinde wachzurütteln. (15)

Die Laodikaier halten sich für reich und sie glauben, dass sie nichts brauchen, aber der Menschensohn muss ihnen sagen, dass sie elend sind und bemitleidenswert und arm und blind und nackt. (16)

Das Gold, das sie haben, ist vor ihm wertlos, denn sein Glanz ist getrennt vom Glanz des Ursprungs. Wenn sie wirklich reich sein möchten, müssen sie ihr Gold bei ihm kaufen. Sie müssen ihr Kreuz auf sich nehmen, damit sie im Feuer der Prüfungen wie Gold geläutert werden können. Und bei ihm müssen sie sich auch weiße Gewänder kaufen, um ihre Schande und ihre Nacktheit zu verbergen.

Der Prozess der Transformation, in dem das "Ich" stirbt, das seinen eigenen Willen tun will, und in dem der Menschensohn erscheint, der den Willen des Vaters tut, ist ein sehr schmerzvoller Prozess. Alle Menschen sind in Versuchung, diesem Prozess auszuweichen, weil Todesangst ihn begleitet, auch wenn äußerlich keine Lebensgefahr droht. Deshalb gilt das "stirb, bevor du stirbst" als höchste Weisheit in allen Religionen und Kulturen. Und überall wissen die Weisen, dass nur die ein weißes Gewand erhalten, die dem Menschensohn trotz dieser Todesangst treu bleiben.

Die Laodikaier können das nicht sehen. Sie brauchen eine Augensalbe gegen ihre Blindheit und nur der Menschensohn kann sie ihnen geben. Und da sie ihn in sich selbst noch nicht wahrnehmen können, sollen sie auf den in Raum und Zeit allen sichtbar erschienenen Menschensohn Jesus schauen, der den äußerlichen Tod auf sich nehmen konnte, weil er den inneren Tod überwunden hatte. (17f.)

Bei denen, die der Menschensohn liebt, überführt er das eigenwillige "Ich", so wie er es in diesem Augenblick mit den Laodikaiern macht, und er erzieht sie. Der Geist der Laodikaier soll also neuen Eifer entwickeln und umkehren, denn der Menschensohn steht schon an der Tür und er klopft an. Und der, der seine Stimme hört, wird ihm aufmachen und er wird bei ihm einkehren und mit ihm "essen", d.h. er wird mit ihm leben, er wird von da an eins mit ihm sein. (19f.)

Und der, der siegt, wird mit Jesus auf dessen Thron sitzen, wie auch er, als er siegte, sich mit seinem Vater auf dessen Thron gesetzt hat.

Von Anfang an sitzt der Menschensohn mit dem Vater auf dem himmlischen Thron. Er ist ja das Ebenbild, die andere, die nach außen erscheinende Seite des Vaters. Und in jedem Menschen ist es dieser ewige Menschensohn, der erscheinen möchte und der deshalb anklopft, immer wieder anklopft, weil er doch den Menschen liebt und weiß, dass ihn letztlich nichts befriedigen wird, als durch ihn heimzukehren und wieder vereint zu werden mit dem Vater. Doch der Menschensohn weiß auch, wie schwer es für das "Ich" ist, seinen Eigenwillen aufzugeben und sich ganz dem Vater hinzugeben, wie Jesus es getan hat. Er weiß, wie trickreich und widerstandsfähig die Verhärtungen sein können, in denen die Menschen gefangen sind und wie bemitleidenswert dieser Zustand ist, besonders dann, wenn die Betroffenen noch nichts davon merken, wie im Fall der Laodikeier. (21 + 19)

Aber die ein Ohr dafür haben, werden verstehen, was der Geist der Gemeinde sagt. (22)

 

 

 

 

 

Gewisse Menschen haben eine vollkommene Einsicht in das Wesen des Lebens

 

 

 

14... 4, 1-11: Die Vision vom Thron Gottes:

 

(1) Danach sah ich, und sieh, eine geöffnete Tür im Himmel, und die erste Stimme, die ich wie eine Trompete hörte, redet mit mir und sagt: Steige hier herauf, und ich werde dir zeigen, was danach geschehen muss!

(2) Sogleich war ich im Geist, und sieh, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron sitzt einer, (3) und der da sitzt, sieht aus wie Jaspisstein und Karneol, und rings um den Thron ein Strahlenkranz, gleich einem Smaragd.

(4) Und rings um den Thron vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen vierundzwanzig Älteste, die da sitzen, umworfen mit weißen Gewändern und mit goldenen Kränzen auf ihren Köpfen.

(5) Und aus dem Thron kommen Blitze hervor und Stimmen und Donner, und sieben Fackeln von Feuer brennen vor dem Thron, und das sind die sieben Geister Gottes,

(6) und vor dem Thron wie ein gläsernes Meer gleich Kristall.

Und inmitten des Thrones und rings um den Thron vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten. (7) Und das erste Lebewesen gleicht einem Löwen, und das zweite Lebewesen gleicht einem Jungstier, und das dritte Lebewesen hat ein Gesicht wie von einem Menschen, und das vierte Lebewesen gleicht einem fliegenden Adler. (8) Und die vier Lebewesen, eines ums andere von ihnen haben je sechs Flügel, ringsum und innen voller Augen, und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht und sie sagen: Heilig, heilig, heilig, Gott, der Allherrscher, der war und der ist und der kommt.

(9) Und wenn die vier Lebewesen dem Ruhm und Ehre und Dank geben werden, der auf dem Thron sitzt, der lebt in die Äonen der Äonen, (10) werden die vierundzwanzig Ältesten niederfallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, und sie werden dem huldigen, der in die Äonen der Äonen lebt, und sie werden ihre Kränze vor den Thron werfen und sagen: (11) Würdig bist du, unser Herr und Gott, den Ruhm und die Ehre und die Kraft zu nehmen, denn du hast das All erschaffen und durch deinen Willen war es und wurde es begründet.

 

Erinnern wir uns: Johannes war "im Geist", also in Meditation - und nicht in einer psychotischen Halluzination. Er ist nicht hingerissen von einer unerklärlichen und als äußerlich erscheinenden Schau und er sieht auch nicht etwas Neues, sondern aus seiner inneren Ruhe heraus sieht er das, was er kennt, womit er sich sein ganzes Leben lang auseinandergesetzt hat und was in Worten so schwer auszudrücken ist. Und er sieht es in einem großen, symbolischen Bilderbogen, in einem Wachtraum gewissermaßen. Wir alle kennen diese Bilderwelt aus unseren eigenen Träumen. Auf einer gewissen Ebene verstehen wir also alle, auch wenn wir vielleicht nichts zu verstehen meinen.

Auf dieser Traumebene, auf der der Menschensohn auch sonst zu uns allen spricht, spricht er hier zunächst sieben typisch menschliche Reaktionen auf das Gewahrwerden des Erscheinens des Menschensohnes (in einer Art Bekehrungserlebnis) an. Der Menschensohn in Johannes adressiert "die Engel" von "sieben Gemeinden", also sieben typische Geisteshaltungen, er spricht zu dem Geist, der sich in diesen Reaktionen zeigt. Er möchte zunächst eine Reaktion des sich selbst Erkennens auslösen. Er möchte, dass die Leser seines Briefs sich angesprochen fühlen, dass sie sagen, "das hier, das bin ich", genau wie moderne Hypnotherapeuten "Pacing" einsetzen und versuchen ein "Yes-Set" zu erzeugen, weil sie wollen, dass ihr Patient sich verstanden fühlt, denn dann haben sie für alles Folgende seine ungeteilte Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft.

Die Leser, die sich in der Adresse wiedergefunden haben, befinden sich gleichzeitig auch schon auf einer anderen Ebene des Bewusstseins - weg von dem alltäglichen Bewusstsein, das sie dazu veranlasst, den Menschensohn zu vergessen, zurück auf der Ebene, auf der sie ihn immer schon kannten, da wo auch der Seher Johannes jetzt ist und von wo aus der Prozess der Menschwerdung als ein Ringen personifizierter kosmischer Mächte erscheint - und zunächst auch so als ob Gott wirkliche Gegenspieler hätte. Und so beginnt der große Bilderbogen des Johannes mit der Vision vom "Thron Gottes":

 

Johannes sieht eine Tür im Himmel, die geöffnet wurde, und er hört die erste Stimme wieder, "wie eine Trompete". Und die Stimme fordert ihn majestätisch auf, in den Himmel hinaufzusteigen und durch die geöffnete Tür einzutreten.

"Die erste Stimme" ist hier wie auch in unserem Leben die des

Menschensohns. Und der wird Johannes zeigen, wie der Prozess der Menschwerdung geschieht - "was hernach geschehen muss". Die Stimme redet mit ihm "wie eine Trompete", wie ein Herold eine bedeutende Botschaft des Königs ankündigt. Johannes nimmt ihre Bedeutung wahr. Und durch ihn erinnert der Menschensohn auch uns an die Bedeutung dieser Stimme, die jeder von uns genauso kennt.

Und er führt Johannes "in den Himmel", d.h. er lässt ihn die Dinge so sehen, wie sie vom Standpunkt der Vollendung aus erscheinen, denn nur von da aus ist verständlich, "was danach geschehen muss". Das "Danach" bezieht sich auf die Ausgangsposition, in der sich der Leser in diesem Moment befindet und die der Menschensohn in seiner Adresse an die Engel der Gemeinden beschrieben hat. (1)

Johannes braucht nun keine Himmelsleiter, um hinaufzusteigen. "Sogleich war ich im Geist", sagt er und er zeigt uns damit erneut, dass er während seiner Vision gleichzeitig auf zwei Ebenen bewusst da ist. Für einen Moment war er auf der Ebene der Reflexion und nun geht er wieder auf die Ebene der Schau. Und schon ist er da, "im Geist".

Und da sieht er einen Thron im Himmel und auf diesem Thron sitzt einer, dessen Aussehen unbeschreiblich ist. Gleichsam stammelnd sucht Johannes nach Worten, "wie Jaspisstein und Karneol und der Strahlenkranz rings um den Thron wie ein Smaragd". Der da sitzt, leuchtet und funkelt wie ein Kristall. Er ist durchsichtig wie Jaspis, der farbige Quarzkristall, irgendwie menschlich, wie der fleischfarbene Karneol und er strahlt in der Farbe der Hoffnung, wie ein Smaragd. Worte können den nicht fassen, der da sitzt. Es gibt keinen adäquaten Ausdruck für das Numinose. Es lässt sich nur in Symbolen andeuten und doch ist es ein Bild, das zu uns spricht und wir verstehen auf einer ganz tiefen Ebene, während wir mit Johannes schauen (2f.):

"Vierundzwanzig Throne rings um den Thron und auf den Thronen vierundzwanzig Älteste, umworfen mit weißen Gewändern und auf ihren Köpfen goldene Kränze." Es sind vierundzwanzig "Sieger", vierundzwanzig, die im Prozess der Menschwerdung geläutert worden sind, vierundzwanzig, in denen Gott zum Bewusstsein seiner selbst gelangt ist, vierundzwanzig wahre Könige. Zwölf und zwölf, wie die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel, der Alte und der Neue Bund vereint. (4)

"Und aus dem Thron heraus gehen Blitze und Stimmen und Donner." Der auf dem Thron ist die Kraft, die Energie des Universums. Der Thron kann diese Energie nicht fassen. Auf dem Thron ist das Brauen und Glosen des Alleinen vor dem Urknall, und doch droht keine Gefahr - ein Bild der Zurückhaltung.

In Ruhe "brennen vor dem Thron sieben Fackeln von Feuer und das sind die sieben Geister Gottes." Sie erleuchten den Raum und die Zeit. Es sind die Erzengel, die Urkräfte, die aus dem Wesen der Dinge heraus alles bewegen. (5)

"Und vor dem Thron wie ein gläsernes Meer, wie Kristall" - eine unendliche Klarheit und Durchsichtigkeit geht von dem Thron aus.

Die islamische Legende illustriert die Weisheit des Königs Salomo so, dass er in einem gläsernen Palast wohnt, vor dessen Toren sich ein gläserner See ergießt; und als die Königin von Saba Salomo besucht, hält sie das kristallklare Glas für Wasser und meint, Schuhe und Beinkleider ausziehen zu müssen, um zum Eingang zu gelangen. (6)

"Und inmitten des Throns und rings um den Thron vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten."

Die vier Lebewesen sind voller Augen. Wo du auch bist, du wirst gesehen. Vor dem auf dem Thron kannst du dich nicht verstecken, er sieht alles, überall. Und du siehst sein Gesicht aus allen Richtungen und aus jeder Richtung sieht es anders aus, wie alles, was wir sehen können, mehrere Ansichten hat. (6)

Es sind vier Lebewesen, denn der Eine auf dem Thron ist für uns noch nicht wahrnehmbar, auch die erste Zweiheit ist noch unsichtbar und ebenso die Dreieinigkeit. Das erste, was wir sehen können ist die Viel-Zahl in der Vier.

Vier Elemente, vier Ströme im Paradies, vier Lebewesen. Und die Christen haben diese Bilder auf die Evangelisten übertragen, denn in vier Gestalten erscheint auch die frohe Botschaft.

Der auf dem Thron ist die frohe Botschaft. Und er erscheint als Beherrscher der Tiere, als Löwe (Markus), als Symbol der Kraft, als Jungstier (Lukas), als Hüterin der Geheimnisse, als Sphinx ("mit einem menschlichen Gesicht", Matthäus) und als Herr der Lüfte, als Adler (Johannes). (7)

Und die vier Lebewesen auf dem Thron haben je sechs Flügel und Augen ringsum. Sie sind nicht erdgebunden, sie können überall sein und nichts bleibt ihnen verborgen.

Und diese vier Lebewesen, diese Symbole von Kraft und Herrschaft, bilden sich nichts ein auf ihre Kraft. Sie wissen, diese Kraft kommt nicht von ihnen selbst. Und das drücken sie auch aus: Tag und Nacht strömt es aus ihnen hervor: "Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, der Allherrscher, der war und der ist und der kommt." (8)

Und während die Lebewesen dem auf dem Thron "Ruhm und Ehre und Dank" zusprechen, fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem auf dem Thron. Sie, die Hochgeehrten, nehmen ihre Siegeskränze ab und sie werfen sie vor den Thron, um zu zeigen, dass ihr Sieg nicht aus ihnen selbst kommt, sondern von ihm, der lebt von einer Ewigkeit zur nächsten. Ihm allein gebührt aller, Ruhm, alle Ehre und sein ist die Kraft, denn allein aus seinem Willen ist und kommt das All. (9-11)

Wir haben alle diese Worte schon so oft gehört, dass ihre Bedeutung kaum noch zu unserem Bewusstsein durchdringt, genauso wie die unendlichen Tiefen des Sternenhimmels durch den Licht- und Dunstschleier unserer Städte kaum noch durchdringen. Das starre Erstaunen vor der unvorstellbaren Macht und Kraft hinter dem All befällt uns nicht leicht, aber wir dürfen es uns erlauben, es in unser Bewusstsein eintreten zu lassen und dann wird der Thron Gottes, auch vor unserem geistigen Auge erscheinen und wir werden verstehen, was Johannes weiter sieht.

 

 

 

 

 

Die meisten Menschen begreifen das Leben nicht; sie finden nur falsche Antworten

 

 

 

15... 5,1-14: Das Buch mit den sieben Siegeln

 

(1) Und in der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt, sah ich ein Buch, beschrieben innen und hinten und versiegelt mit sieben Siegeln.

(2) Und ich sah einen starken Engel mit lauter Stimme verkünden: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen? (3) Und keiner im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde konnte das Buch öffnen, noch in es hineinsehen. (4) Und ich weinte sehr, dass keiner würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen, noch in es hineinzusehen. (5) Doch einer der Ältesten sagt mir: Weine nicht! Sieh, es siegte der Löwe, der aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, vermochte das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.

(6) Und inmitten des Thrones und der vier Lebewesen und inmitten der Ältesten sah ich ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hat sieben Hörner und sieben Augen, welche die sieben Geister Gottes sind, ausgesandt auf die ganze Erde. (7) Und es kam und empfing das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Thron sitzt.

(8) Und als es das Buch empfing, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; und jeder hat eine Kithara und goldene Schalen voller Räucherwerk, welche die Gebete der Heiligen sind; (9) und sie singen ein neues Lied, das heißt: Würdig bist du, das Buch zu empfangen und seine Siegel zu öffnen, weil du geschlachtet worden bist und weil du durch dein Blut Menschen aus jedem Stamm und jeder Zunge und jedem Volk und jeder Völkerschaft für Gott gekauft (10) und sie für unseren Gott zu einem Königtum gemacht hast und zu Priestern; und sie werden auf der Erde herrschen.

(11) Und ich sah und ich hörte eine Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und die Lebewesen und die Ältesten, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend; (12) und sie sagen mit lauter Stimme: Würdig ist das geschlachtete Lamm, die Kraft zu empfangen und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Segen. (13) Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer und alles in ihnen, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm der Segen und die Ehre und der Ruhm und die Macht in die Äonen der Äonen. (14) Und die vier Lebewesen sagten: Amen. Und die Ältesten fielen nieder und huldigten.

 

Wie oft sind wir wie Johannes traurig darüber, dass wir das Buch des Lebens nicht öffnen können, dass wir für unser Problem keine Lösung finden. Himmel und Erde suchen wir ab, dieses oder jenes, dieser oder jene, glauben wir, könnte uns retten, doch alles erweist sich letztlich als vergeblich, die letzte Antwort bleibt verborgen. Und so sind wir traurig, und nach der langen Suche vielleicht sogar verzweifelt und wir wollen schon aufgeben, als plötzlich die Antwort kommt: "Weine nicht!" Es stimmt zwar, dass niemand im Himmel oder auf der Erde oder unter der Erde das Buch öffnen kann - und doch ist da einer, der es öffnen kann. Und dieser Eine ist nichteinmal weit weg, er ist nicht irgendwo außerhalb. Es ist etwas an deinem eigenen innersten Wesen, das alle Aufgaben löst und das alle Siegel zu öffnen vermag.

Das Buch mit den sieben Siegeln ist das Buch des Lebens. Das Geheimnis der menschlichen Existenz ist verborgen für alle, außer einem, dem Lamm. (1-5)

 

Aber warum sollte niemand im Himmel würdig sein, das Buch zu öffnen?

Das erinnert an die buddhistische Aussage, dass die Erlösten nicht im Himmel zu finden sind, denn in den Himmel kommt ein Mensch aufgrund seiner guten Taten, also wegen seines guten Karma, aber die Erlösung liegt in einem Bereich jenseits des Karma, im Nirvana. Sogar die Götter, sagen die Hindus, müssen erst als Menschen wiedergeboren werden, um erlöst werden zu können. Und der Himmel sei nicht etwas Endgültiges, sondern etwas Vergängliches.

In unseren Kulturkreis übersetzt ist Karma etwas, das mit dem Sündenfall ins Leben der Menschen gekommen ist. Der Sündenfall besteht darin, dass die Menschen dem göttlichen Willen ihren eigenen entgegenstellen. Sie nehmen nicht mehr an, was kommt, sondern sie wollen selber bestimmen. Und damit lösen sie sich auch von der zielsicheren göttlichen Führung. Sie haben ihre eigenen gut-schlecht-Kriterien - die letzten Endes allerdings nicht zum Glück führen, sondern ins Unglück. Und von da an suchen die Menschen nach einer Lösung, nach Erlösung. Und sie lernen schließlich, das Unglück als Folge ihres Tuns zu begreifen. Und sie sehen, dass manche Taten in der langen Sicht gute und andere ungute Folgen haben. Sie entdecken das Gesetz des Karma. Und mit ihm entdecken sie so etwas wie das göttliche Gesetz, das sie in moralischen Kategorien formulieren, in Geboten. Indem die Menschen diesen Geboten folgen, lösen sie sich von ihrer Eigenmächtigkeit und sie werden wieder fähig, sich ganz dem göttlichen Willen anzuvertrauen; und nun werden sie auch von den Geboten erlöst, weil sie den göttlichen Willen unmittelbar wahrnehmen können. Und von da an gibt es kein Karma mehr für sie. Sie leben im Nirvana, wie Jesus, wie Buddha.

Die Phase, in der ein Mensch Karma erzeugt ist die Phase zwischen

Sündenfall und Erlösung. In dieser Phase regiert der menschliche Wille, d.h. die Absicht. Jede absichtliche Tat erzeugt Karma, d.h. sie greift ein in den natürlichen Fluss der Dinge, sie hat künstliche Folgen und, je nach der Art der Tat, angenehme oder unangenehme Folgen. Wenn ein Mensch viele guten Taten aufweisen kann, dann haben diese Taten viele gute Folgen; der Himmel ist der Lohn für gute Taten. Der Himmel ist der Ort der Menschen guter Taten.

Aber niemand im Himmel ist würdig, das Buch des Lebens zu öffnen, nur das Lamm würdig.

Die Menschen im Himmel folgen immer noch ihrem eigenen Willen, auch wenn dieser Wille schon geläutert ist. Es ist wie wenn ein künstlicher Vorgang dem natürlichen schon sehr stark angenähert ist, es bleibt ein Rest des Festhaltens am Eigenen, ein Rest Misstrauen. Das Lamm dagegen ist Symbol für völliges Vertrauen. Es lässt sich ohne Widerspruch sogar zur Schlachtbank führen.

In jedem Menschen gibt es die Sehnsucht nach dieser völligen Unschuld und nach totalem Vertrauen, in jedem Menschen wartet das Lamm darauf, dass es hervortreten darf.

Das Lamm unterscheidet nicht mehr zwischen gut und schlecht, es nimmt, was kommt. Im Lamm ist der Sündenfall überwunden. Aus diesem Grund ist niemand im Himmel, auf der Erde, noch unter der Erde würdig, das Buch zu öffnen, nur das Lamm.

Und deshalb erscheint das Lamm inmitten des Thrones und der vier Lebewesen und inmitten der Ältesten, "wie geschlachtet". Jeder weiß, dass Johannes auf Jesus anspielt und doch spricht er es nicht aus. Er vermeidet die Einengung auf eine historische Person, er hält das Bild offen für alle, er weckt die Sehnsucht nach dem Lamm in uns, unsere Sehnsucht nach Hingabe. (6a)

Das Lamm hat "sieben Hörner und sieben Augen, und das sind die Geister Gottes, die ausgesandt sind auf die ganze Erde".

Das Lamm ist nicht allein und es ist nicht wehrlos. Die Geister Gottes sind mit ihm, "geschickt auf die ganze Erde", also zu allen Menschen, weil das Lamm ja in allen Menschen erscheinen soll. Durch die Geister Gottes sieht das Lamm alles, was für es von Bedeutung ist. Und wenn es notwendig ist, kämpfen die Geister Gottes für das Lamm - wie die zwölf Legionen Engel, von denen Jesus bei seiner Verhaftung gesprochen hat, und die ihm der Vater zur Verfügung gestellt hätte, wenn es notwendig gewesen wäre. Weil das Lamm sich so vollkommen beschützt und aufgehoben weiß, kann es sich auch ganz hingeben. Es weiß, dass es keine Angst zu haben braucht, weil immer nur das Beste geschieht. Und sogar wenn es geschlachtet wird, ist das Lamm nicht verloren, sondern aufgehoben, ja hinaufgehoben auf den Thron des Vaters, seines Schöpfers. Und da sieht es Johannes in diesem Augenblick, wie es das Buch empfängt, dessen Siegel niemand lösen kann, als nur das Lamm. (7)

Und als das Lamm die Buchrolle empfängt, fallen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm und sie verehren es, weil das Göttliche jetzt in seiner Gestalt erscheint, weil das Lamm zum Symbol des Einsseins geworden ist. Und sie tragen goldene Schalen in ihren Händen, aus denen die Gebete der Heiligen aufsteigen wie Weihrauch. (8)

Und ein jeder von ihnen spielt ein Instrument, sein Originalinstrument. Jeder spielt seine authentische Rolle in der göttlichen Sinfonie der Schöpfung. Und weil das Authentische nie auch nur geprobt, sondern vollkommen spontan ist, singen sie alle ein ganz neues Lied. Und aus dem tiefsten Grund ihrer Seele kommt ein Lied für das Lamm (9a):

"Würdig bist du, das Buch zu empfangen und seine Siegel zu öffnen, denn du wurdest geschlachtet und durch dein Blut hast du für Gott Menschen gekauft aus jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Rasse und du hast sie für unseren Gott zu einem Reich und zu Priestern gemacht und sie werden Könige sein über die Erde."

Das Vertrauen des Lammes geht über die Grenze des Todes hinaus, weil das Buch des Lebens für es kein Geheimnis mehr ist. Der Schleier, der sich durch den Sündenfall über die Bewusstheit der Menschen gelegt hat, existiert für es nicht. Für das Lamm ist das Nichtwissen aufgehoben. Es versteht das Schicksal der Menschen und den Prozess des Gerichts, der notwendig ist, damit sie sich lösen können von dem "Ich", das sie sich aufgebaut haben, Gott zum Trotz, und deshalb kann es den Menschen ein Beispiel geben:

Und indem es sein Leben hingibt, bewegt es Menschen aus allen Völkern dazu, sich ebenso hinzugeben. Und durch sie alle ersteht Gottes Reich auf Erden und sie alle sind Priester, weil sie unmittelbar mit Gott verbunden sind und sie werden Könige sein, denn es gibt niemand über ihnen, und sie werden auf der Erde herrschen, weil sie alles und alle verstehen und weil sie durch ihr Wissen auch in den Unwissenden den göttlichen Kern berühren und zur Entfaltung bringen können. (9f.)

Und Johannes hört die Stimme von vielen Engeln und auch die Lebewesen und die Ältesten und tausende und abertausende um den Thron rufen:

"Würdig ist das geschlachtete Lamm, zu empfangen die Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Segen." (11f.)

Dem, der sich hingibt, wird alles andere hinzugegeben, und da ist keiner, der anderer Meinung wäre. Jedes Geschöpf, ohne Ausnahme, stimmt ein in den Chor derer um den Thron und sie alle sagen:

"Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm der Segen und die Ehre und der Ruhm und die Macht in alle Ewigkeit."

Ganz gleich wie weit ein Mensch von Gott entfernt zu sein scheint, ein jeder spürt die Wahrheit, ein jeder wird bewegt durch die sich selbst verströmende Liebe dessen, der auf dem Thron sitzt und des Lammes. Bewusst oder unbewusst wissen alle: Das Lamm ist das menschliche Ebenbild Gottes, in ihm hat Gott, nach dem langen Abstieg in die völlige Entäußerung, wieder zu sich selbst zurückgefunden, in ihm ist er wirklich zum Bewusstsein seiner selbst gelangt. Im Lamm sieht Er selbst sich "von Angesicht zu Angesicht". Und das wird so sein in alle Ewigkeit. Und alle wissen das und die vier Lebewesen sagen: "Amen."

Und die Ältesten fallen nieder und erweisen ihm die Ehre. Die Ältesten haben den ganzen Prozess von Sündenfall, Gericht und Auferstehung an sich selbst erfahren. Sie machen sich nichts mehr vor, sie wissen, was Sache ist. Und deshalb beanspruchen sie die Ehre nicht mehr für sich selbst, sondern sie erweisen sie dem, dem allein sie zukommt. (13f.)

 

 

 

 

Die ersten sechs Geheimnisse des Lebens

 

 

Die unschuldige Kraft

Gestaute Energie

Berechnung

Angst vor dem Tod

Das vergewaltigte Kind in uns

Weltuntergang

 

 

 

 

16... 6,1-8: Das Lamm öffnet die ersten vier Siegel

 

(1) Und ich sah, wie das Lamm eines der sieben Siegeln öffnete, und ich hörte eines der vier Lebewesen wie die Stimme eines Donners sagen: Komm! (2) Und ich sah, und sieh, ein weißes Pferd. Und der auf ihm sitzt hat einen Bogen, und ein Kranz wurde ihm gegeben. Und siegend kam er heraus und um zu siegen.

(3) Und als es das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite Lebewesen sagen: Komm! (4) Und ein anderes Pferd kam heraus, ein feuerrotes. Und dem, der auf ihm sitzt, wurde die Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, damit sie einander schlachten. Und ein großes Schwert wurde ihm gegeben.

(5) Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen sagen: Komm! Und ich sah und sieh, ein schwarzes Pferd. Und der auf ihm sitzt hat einen Waagebalken in der Hand. (6) Und ich hörte gleichsam eine Stimme inmitten der vier Lebewesen sagen: Ein Liter Weizen um einen Denar, und drei Liter Gerste um einen Denar, und das Öl und den Wein schädige nicht!

(7) Und als es das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten

Lebewesens sagen: Komm! (8) Und ich sah und sieh, ein fahles Pferd. Und der auf ihm sitzt, sein Name ist 'Tod'. Und der Hades folgte mit ihm. Und Vollmacht wurde ihm gegeben über ein Viertel der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hungersnot und mit Tod und durch die Tiere der Erde.

 

Die ersten vier Siegel bilden eine Einheit, denn nach der Öffnung eines jeden dieser vier ruft eines der vier Lebewesen am Thron Gottes "komm!" und es erscheint ein Pferd mit einem Reiter.

 

Das Pferd ist ein Transportmittel, eine Kraft, die einen trägt. Und als erstes kommt die Kraft, die den Menschen in diese Welt trägt: Jeder Mensch kommt als Sieger, um zu siegen. Er ist schon ein Sieger, wenn er in die Welt kommt. Unter Millionen von Spermien hat er sich durchgesetzt, allen Widerständen zum Trotz. Er kommt auf einem weißen Pferd, in Unschuld, ohne Absicht, aber siegesgewiß. Er kommt, um zu siegen.

Unser ganzes Leben lang ist der Sieger da in uns. Seine Missdeutung führt zu den kleinen und großen Anwandlungen von Größenwahn und zur Manie. Und das liegt daran, dass ein Mensch, der bereits seine Unschuld verloren hat, weil er sich ein "Ich" aufgebaut hat, durch das er sich vom Einen abgrenzt, sich mit dem Sieger identifiziert. Das kann nicht gut gehen, denn Sieger kann der Sieger nur in der Einheit sein, nur aus der Einheit heraus. Das abgelöste "Ich" hat immer eine gewisse Starre und Unbeweglichkeit, weil es aus einem Gebäude von Vor-Stellungen besteht und an diesen auch in Situationen festhält, in denen diese Vorstellungen Hindernisse sind. Und so muss jeder eingebildete Sieger auch den niederschmetternden Absturz erleben. Am deutlichsten wird das in der Depression, die auf die Manie folgt. Da kehrt sich der Sieger um in den Verlierer - und immer noch ist da die missglückte Identifikation mit dem unter diesen Umständen erfolglosen Sieger.

Die Identifikation mit dem Sieger ist es auch, der uns guten Rat von anderen zurückweisen lässt. So schlecht es einem Menschen auch gehen mag. Es gibt kaum einen, der nicht glaubt, dass er es nicht immer noch besser weiß als alle anderen.

Nur die Demut kann einen Menschen von dieser Identifikation befreien. Dann wird das Pferd wieder weiß, und der darauf sitzt, verliert seine eigenwillige Absicht und er wird wieder eins mit seinem Ursprung. Und von da an erscheint der ursprüngliche Sieger wieder und er erscheint, um zu siegen, d.h. um das menschliche Leben zu seinem Ziel zu führen, zum Erscheinen des Menschensohnes.

Und es ist die Sehnsucht nach dem Wiedererscheinen des ursprünglichen Siegers, die die gefallenen Menschen drängt, nach der verlorenen Unschuld zu suchen. Die Kraft des weißen Pferdes ist daher die erste Kraft des Gerichts, also des Reinigungsprozesses, durch den der Mensch am Ende wieder ein wahres Ebenbild Gottes wird. (1f.)

 

Als das Lamm das zweite Siegel öffnet, ruft das zweite Lebewesen: "Komm!" Und nun kommt "ein anderes Pferd, ein feuerrotes, und der auf ihm sitzt, hat Macht, den Frieden wegzunehmen von der Erde."

Wieder geht es nicht um ein entferntes zukünftiges Ereignis, sondern wir alle kennen auch das rote Pferd und seinen Reiter. Auch wir reiten auch auf dieser Energieform und sie ist nicht "schlecht", sie ist Teil der Lebensenergie und sie ist lebensnotwendig. Oft wird diese Energie moralisch bewertet und verurteilt, aber ohne sie würde das Leben zum Stillstand kommen. Es ist gut, die feuerrote Energie zu kennen. Dann kann auch sie uns helfen, aus den Verstrickungen unseres Schicksals herauszufinden.

Aber auch diese Energie missbrauchen wir, solange wir den Menschensohn in uns zugunsten unserer Vorstellungswelt verdrängen. Wenn wir das Göttliche in uns nicht mehr spüren, werden wir leicht an der falschen Stelle oder zum falschen Zeitpunkt aggressiv, entweder weil wir beherrscht sind von der Gier nach all dem Guten, das wir mit allen Mitteln erreichen wollen, oder/und weil wir Angst haben und in unserer Angst auf alles treten, was sich unter uns befindet. Auch wenn wir in keinen großen Kampf verwickelt sind, wer kennt nicht die täglichen kleinen Sticheleien, mit denen wir uns gegenseitig das Leben schwer machen und die wir zu brauchen scheinen, solange wir uns als zu kurz gekommen betrachten.

Einen, dem sein göttliches Wesen zum Bewusstsein gekommen ist, trägt das rote Pferd aus der Gefahrenzone hinaus. Er setzt sein Schwert ein, wie die Israeliten es eingesetzt haben auf ihrem Weg ins Gelobte Land und behält es in der Hand, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Auch Jesus hat es eingesetzt, nicht um irgendwelche Vorstellungen durchzusetzen, sondern für das Ziel des menschlichen Lebens, das Einssein.

Weil die Menschen nicht eins sind, benützen sie diese Energie, um sich gegenseitig abzuschlachten. Und indem sie den Frieden gegeneinander aufheben zeigen sie, dass sie keinen Frieden haben. Und so steigert das Feuer dieser Kraft auch die Sehnsucht nach dem wirklichen Frieden, so wirkt auch diese Kraft als eine Kraft des Gerichts. (3f.)

 

Und als das Lamm das dritte Siegel öffnet, ruft das dritte Lebewesen: "Komm!" Und da kommt "ein schwarzes Pferd, und der auf ihm sitzt, hält eine Waage in seiner Hand."

Die schwarze Energie ist die des Abwägens, des Schätzens, des Messens, des Einteilens, des Vergleichens, der Berechnung. Auf dem schwarzen Pferd sitzen wir, wenn wir uns auf dem Markt bewegen, in der Welt der Arbeit und des Lebensunterhalts.

Was wir zum Leben brauchen, kostet etwas. Wenn wir uns Teurere nicht leisten können, bekommen wir das, was wir brauchen, auch für weniger. Das gilt es abzuwägen. Doch im Abwägen sollte sich unser Leben nicht erschöpfen.

Im Abwägen und Berechnen tritt jene Seite unserer Existenz hervor, die zum Sündenfall geführt hat. Diese Seite hat zwar ihre Berechtigung, ja sie ist notwendig für unser Leben, doch darf sie nicht alles beherrschen: "Das Öl und den Wein schädige nicht!", heißt es daher. Bei aller nötigen Kalkulation muss es möglich bleiben, die guten Dinge zu genießen. Die schwarze Energie des Rechenstifts darf uns die Lebensfreude nicht nehmen.

Die Kraft des Einteilens und der Berechnung hat unsere Form der Zivilisation ermöglicht, Wissenschaft und Technik. Wir reden von Fortschritt, doch was ist dieser Fortschritt im Hinblick auf unser Lebensziel? Und können wir die guten Dinge des Lebens überhaupt noch genießen oder ersticken wir im Stress?

Die schwarze Energie ist nicht nur schwarz wegen der Tinte, in die das Berechnen fließt, sondern vor allem wegen der heillosen Lebensunlust, in die ein Leben der Berechnung mündet. Die Berechnung beruht ja auf Vor-Stellungen, auf Erfahrungen, auf der Wiederholung bekannter Abläufe und führt leicht zur Illusion der Machbarkeit. Und umsomehr ein Mensch sein Leben von da her lebt, aus der Kraft seiner Berechnung, "aus eigener Kraft", umso langweiliger, dunkler und sinnloser wird seine Existenz.

Mit der ersten Unterscheidung von gut und schlecht begannen die Menschen ihre Vorstellungswelt aufzubauen und ihr Leben zu berechnen. Sie verzichteten auf Spontaneität und handelten nach Berechnung, weil sie das Unangenehme vermeiden wollten, doch ihre Kriterien trafen die Wirklichkeit nie ganz und so blieb der Erfolg letztlich aus. Statt das nur-Gute zu erreichen, wurde ihr Leben schwer und hart und dunkel.

Und doch geht es im Leben nicht ohne Berechnung, es geht nur um den richtigen Ort und darauf macht uns dieses Bild aufmerksam. (5f.)

 

Und als das Lamm das vierte Siegel öffnet, ruft das vierte Lebewesen: "Komm!" Und da kommt "ein chlorfarbenes Pferd. Und der auf ihm sitzt, heißt 'Tod'."

Die vierte Kraft, die die Menschen bewegt, ist der Tod. Was tun Menschen nicht alles und was unterlassen sie nicht alles aus Angst vor dem Tod.

Der Tod, von dem hier die Rede ist, ist nicht der normale Tod am Ende eines erfüllten Lebens oder ein anderer unschuldiger Tod, es ist der Tod als Folge der Sünde. Die Menschen wollten ja durch ihre Unterscheidung von gut und schlecht das Unangenehme vermeiden und umsomehr sie es schafften, umso erschreckender wurde die Tatsache, dass sie das letzte "Übel", den Tod, nicht vermeiden konnten. Hatten sie zuvor, im Paradies, ein Leben der Hingabe gelebt, in dem sie akzeptierten, was kam, also auch den physischen Tod, so sahen sie nach dem Sündenfall das Schreckgespenst "Tod" hinter jeden Ecke. Sie hatten kein Vertrauen mehr, sie lebten in ständiger Angst vor Schwert, Hungersnot, Krankheit und wilden Tieren. Und gerade dadurch ziehen sie diesen Tod magisch an, wie die Ägypter die Plagen. Ein Viertel der Menschheit ist wie hypnotisiert vom Tod und von dessen gespenstischen Gefährten und sie fällt ihm zum Opfer.

Doch der Tod kann einen Menschen auch zur Umkehr bringen, zur Besinnung auf das Wesentliche, denn angesichts des Todes werden - für die, die von ihm nicht hypnotisiert sind - viele Dinge unwichtig. Stattdessen wird die Sehnsucht nach echter Menschlichkeit spürbarer, nach dem Erscheinen, nach der Wiederkehr des Menschensohnes - nicht irgendwo draußen auf einer Regenwolke, sondern hier. Das Bewusstsein des Todes kondensiert die Wolke des Nichtwissens und aus ihr erscheint schließlich der Menschensohn in uns. Und so ist der Tod eine ganz besonders starke Kraft des Gerichts, die uns entweder vernichten oder zur Besinnung bringen kann. (7f.)

 

 

 

 

 

Die Besiegelung derer, die sich besinnen

 

 

 

 

17... 6,9-17: Das fünfte und das sechste Siegel

 

(9) Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes geschlachtet worden waren und wegen des Zeugnisses, das sie festhielten. (10) Und sie schrieen mit lauter Stimme: Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Gebieter, richtest du nicht und rächst unser Blut an den Bewohnern der Erde? (11) Und einem jeden von ihnen wurde ein weißes Gewand gegeben und es wurde ihnen gesagt, sie sollten sich noch kurze Zeit beruhigen, bis auch ihre Mitknechte vollzählig seien und ihre Brüder, die noch getötet werden sollten wie sie auch.

(12) Und ich sah wie es das sechste Siegel öffnete; und ein großes Erdbeben entstand und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, (13) und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Spätlinge abwirft, erschüttert von einem großen Wind; (14) Und der Himmel verschwand wie ein zusammengerolltes Buch, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Plätzen weggerückt. (15) Und die Könige der Erde und die Großen und die Heerführer und die Reichen und die Starken und jeder Sklave und jeder Freie verbargen sich in den Höhlen und in den Felsen der Berge; (16) und sie sagen den Bergen und den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes, (17) denn der große Tag ihres Zornes ist gekommen, und wer kann da bestehen?

 

Von den Menschen, die von ihrer Todesangst hinweggerafft werden, geht die Vision des Johannes zu denen, die wegen ihrer Treue zum Wort Gottes getötet werden.

Als das Lamm das fünfte Siegel öffnet, sieht er "unter dem Altar die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes geschlachtet wurden." Und sie schreien nach Rache.

Solange kein Ausgleich geschaffen ist, sind die Seelen der Märtyrer nicht erlöst. Deshalb verharren sie unter dem "Altar", auf dem sie geopfert wurden.

Die Hinschlachtung derer, die Menschlichkeit in die Welt bringen wollen, darf nicht unbestraft bleiben! Das sagt uns unser gesunder Menschenverstand. Und doch erschreckt das der Feindliebe verpflichtete christliche Gewissen bei dem Gedanken, dass die, die Jesus nachgefolgt sind, Rache fordern.

Das Blut der Gerechten schreit zum Himmel. Und der Himmel antwortet. Er schickt das Gericht, er schickt Erlösung. So ist das seit je her und überall. So war das, als die Israeliten Sklaven in Ägypten waren und ebenso in der Babylonischen Gefangenschaft. Das Gericht kommt, ja es ist schon da, aber das Maß muss erst noch voll werden, erst dann kann seine Wirkung sichtbar werden.

Jeder Revolution geht eine lange Zeit der Unterdrückung voraus und viele müssen im Aufruhr sterben, bevor die Unterdrückten schließlich selbst zur bestimmenden Macht werden.

Und so sieht Johannes, wie "jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben wird."

Sie haben bereits gesiegt, sie sind im Prozess des Gerichts bereits geläutert worden. Aber für den irdischen Ausgleich für ihre Hingabe braucht es noch mehr Opfer. Das ist immer so. Aber der Ausgleich kommt und die, die sich eingesetzt haben, können sich beruhigen. (9-11)

 

Und als das Lamm "das sechste Siegel öffnete, entstand ein großes

Erdbeben ...".

Mit der Öffnung des sechsten Siegels beginnen die Ereignisse, die der Wiederkehr des Menschensohnes unmittelbar vorangehen, wie wir aus der Rede Jesu über das Ende dieser Welt wissen.

In einem bestimmten Stadium des Gerichts wird das Zusammenspiel der Kräfte, die das Leben bestimmen, so sehr erschüttert, dass jede Orientierung versagt, dass nichts mehr läuft wie gewohnt. Denken wir nur an eine schwere Krankheit oder ein Ereignis von ähnlicher Wirkung. Es ist immer ein Gericht, ein Appell des Menschensohns an uns, unser Leben zu überdenken, eine warnende Botschaft von unserem armen, von unseren Vorstellungen geknechteten Organismus, der immer ein Sklave JAHWEs ist und der nicht zögert, sich zu opfern, wenn wir seinen Hilferuf nicht beachten.

Der Sündenfall besteht ja immer darin, dass die Perspektive des Ganzen verlorengeht, weil sich ein Teilaspekt auf Kosten der anderen aufbläht. Und so gerät das Ganze aus dem Gleichgewicht und wir erfahren die Nachteile dieser Unordnung, bis wir wieder zur Besinnung kommen. (12f.)

Wenn unsere Schwerhörigkeit aber schon sehr tief geht, dann reagieren möglicherweise auch wir wie die Menschen bei der Öffnung des sechsten Siegels in der Vision des Johannes. Schuldbewusst verbergen sie sich, wie Adam und Eva sich nach dem Sündenfall vor Gott verborgen haben. Sie suchen Schutz in der Höhle, sie wollen zurück in den Schoß der Mutter Erde.

Sie haben Angst vor dem Zorn des Lammes! Doch ist es wirklich der Zorn des Lammes, vor dem sie fliehen? Der Zorn des Lammes ist nur eine Projektion. Auch Gott war ja nicht zornig, als er die Menschen nach dem Sündenfall im Paradies suchte, im Gegenteil, als liebender Vater ist er ihnen nachgegangen. Aber sie wenden ihre Maßstäbe auf Gott an und deshalb fürchten sie seinen Zorn. Doch es ist nicht Gott, der sie straft, sondern sie selbst haben das Unglück durch ihre eigenen Maßstäbe insgeheim herbeigerufen. Aber sie stehen nicht zu ihrem Tun, sie verstecken sich und tun damit so, als ob das Chaos von außen käme.

Und doch gibt es so etwas wie den Zorn des Lammes. Unser Organismus ist ja ein Bild des Lammes, das sich hingibt und immer wieder hingibt. Wie lange er doch die Misshandlungen erträgt, denen wir ihn aussetzen! Doch eines Tages ist seine Kraft erschöpft und da erweist er uns seinen letzten Dienst, indem er uns unmissverständlich klar macht, dass wir ein Chaos erzeugt haben. (14-17)

Es ist erst die sechste Posaune, noch gibt es die Möglichkeit umzukehren, aber nur noch kurze Zeit, denn gleich werden die Knechte Gottes besiegelt:

 

 

 

 

 

 

18... 7, 1-17: Die Knechte Gottes werden besiegelt

 

(1) Danach sah ich vier Engel an den vier Ecken der Erde stehen, die die vier Winde der Erde festhielten, damit kein Wind über die Erde wehe noch über das Meer noch über irgendeinen Baum. (2) Und vom Aufgang der Sonne sah ich einen anderen Engel aufsteigen. Er hatte ein Siegel des lebendigen Gottes (3) und er schrie mit lauter Stimme den vier Engeln zu, die die Macht hatten, die Erde und das Meer zu schädigen: Schädigt die Erde nicht noch das Meer noch die Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes auf ihren Stirnen besiegeln.

(4) Und ich hörte die Zahl der Besiegelten: hundertvierundvierzigtausend Besiegelte aus jedem Stamm der Söhne Israels. (5) Aus dem Stamm Juda zwölftausend Besiegelte, aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem Stamm Gad zwölftausend, (6) aus dem Stamm Aser zwölftausend, aus dem Stamm Nephtalim zwölftausend, aus dem Stamm Manasse zwölftausend, (7) aus dem Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm Levi zwölftausend, aus dem Stamm Issachar zwölftausend, (8) aus dem Stamm Zabulon zwölftausend, aus dem Stamm Joseph zwölftausend, aus dem Stamm Benjamin zwölftausend Besiegelte.

(9) Danach sah ich und sieh: eine große Volksmenge, die keiner zählen konnte, aus jeder Völkerschaft und aus allen Stämmen und Völkern und Zungen. Sie stehen vor dem Thron und vor dem Lamm, umworfen mit weißen Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen. (10) Und sie rufen mit lauter Stimme: Das Heil unserem Gott, dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm! (11) Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier Lebewesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Gesichter und huldigten Gott. (12) Sie sagen: Amen! Der Segen und der Ruhm und die Weisheit und der Dank und die Ehre und die Kraft und die Stärke unserem Gott in die Äonen der Äonen! Amen.

(13) Und einer der Ältesten antwortete und sagte mir: Diese, die mit weißen Gewändern umworfen sind, wer sind sie, und woher sind sie gekommen? (14) Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weisst es. Und er sprach zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie im Blut des Lammes weiß gemacht. (15) Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. (16) Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut, (17) denn das Lamm mitten vor dem Thron wird sie weiden und sie zu den Quellen des Wassers des Lebens weisen, und Gott wird jede Träne aus ihren Augen abwischen.

 

Ein Engel erzeugt nun absolute Windstille, die Ruhe vor dem Sturm. Und ein anderer Engel, der ein Siegel des lebendigen Gottes hält, ruft den vier Engeln, denen aufgetragen ist, Erde und Meer zu schädigen, zu, stillzuhalten bis die Knechte Gottes besiegelt sind.

Wie das Blut des Lammes an den Türpfosten der Israeliten in Ägypten den Würgeengel vorübergehen ließ und ihr Haus verschonte, so wird das Siegel Gottes seine Auserwählten jetzt vor der Vernichtung durch das kommende Gericht bewahren.

Aber was ist das für ein Siegel und wie kann es seine Träger schützen? Wie wir am Beispiel der Märtyrer sehen, bewahrt es sie ja nicht vor einem grausamen Tod. Das Siegel betrifft also nicht das äußere Schicksal, es ist eine Sache der Bewusstheit. Es stellt sicher, dass der/die Besiegelte auf die höchste Wahrheit ausgerichtet bleibt und sich mit nichts zufrieden geben wird, als mit dem bewussten Einssein mit der Kraft, aus der er/sie jetzt und immer kommt.

Der Engel mit dem Siegel kommt vom Aufgang der Sonne her. Das "Siegel des lebenden Gottes" ist also ein Ausdruck der Erleuchtung. Die Träger des Siegels haben verstanden, dass es im Leben nur darum geht, dass der Menschensohn erscheint, denn nur in ihm wird Gott für uns lebendig, nur durch ihn können wir ihn unmittelbar erfahren. (1-3)

Und wie viele so Erleuchtete gibt es?

Die Zahl der Besiegelten ist "hundertvierundvierzigtausend", je zwölftausend aus jedem der zwölf Stämme Israels und darüberhinaus Unzählige aus allen Völkern und Kulturen. Jeder von ihnen ist geläutert im Feuer des Lebens. Und ihre Erleuchtung zeigt sich schließlich darin, dass sie nicht sich die Ehre geben, sondern allein Gott und dem Lamm.

Zwölftausend aus jedem Stamm Israels: So wie es zwölf Stämme gibt und zwölf Apostel, so deuten auch die zwölfmal tausend für jeden der zwölf völkischen Grundmuster auf weitere Kategorien von Menschentypen oder Charakteren hin. Unter den Erleuchteten werden also Menschen aller Art zu finden sein. Jeder hat also wirklich eine faire Chance dazuzugehören, denn "tausend" von jeder der 12 x 12 Arten, das sind einfach sehr viele, besonders wenn wir bedenken, dass sich die Zahlen hier doch - in archetypischer Weise - auf das kleine Volk Israel beziehen, wie der nächste Absatz zeigt: (4-8)

Außerdem steht da noch "eine große Volksmenge, die keiner zählen konnte". Und sie kommen aus allen Völkern und Sprachen. Niemand ist also seiner Herkunft wegen ausgeschlossen. Die "kleine Herde", von der Jesus gesprochen hat (Lk 12, 32), ist am Ende also gar nicht so klein - und doch ist es ein großes Privileg, eine große Gnade für jeden Einzelnen, dazugehören zu dürfen. Und die Besiegelten wissen das und deshalb verehren sie Gott und das Lamm unablässig. (9-12)

Und nun kommt die Frage nach den Aufnahmebedingungen. Was sind das für Leute, "die mit den weißen Gewändern und woher sind sie gekommen?" "Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen."

Wenn ein Mensch die Dunkelheit und Verlassenheit der Gottferne nicht kennengelernt hat, kann er die Wahrheit nicht schätzen. Deshalb mussten die Besiegelten durch das Gericht hindurchgehen und darin sind sie zurechtgerichtet worden. In dem außerordentlich schmerzhaften Prozess ihrer menschlichen Entwicklung haben sie gelernt, sich von ihren Vorstellungen zu lösen und ohne jede Sicherheit dem Leben zu trauen, wie das Lamm. Und vom Lamm haben sie auch gelernt, sich nicht zurückzuhalten, sondern sich ganz hinzugeben, in welcher Lage sie sich auch befinden. Und indem sie begriffen und erfahren haben, dass es nichts Größeres gibt als das sich Verschenken, ist das göttliche Prinzip selbst in ihnen erwacht.

"'Deswegen sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht." Und natürlich stehen sie nicht in alle Ewigkeit an einer Stelle und wedeln mit dem Palmzweig! Der Ort, wo die Erleuchteten Gott dienen, "der Tempel Gottes" ist ja ihr eigener Körper. Da wohnt Gott. Und auch das Lamm ist da. Und sobald wir seinen Geist annehmen, führt es uns durch unseren Körper, durch die Realität unserer menschlichen Existenz, zu den Quellen des Wassers des Lebens. Und alles Leid, das wir auf dem Weg unserer Suche ertragen mussten, wird vergessen sein. Was wir dann erfahren, wird jede Träne abwischen aus unseren Augen.

Und natürlich sind die hundertvierundvierzigtausend und die Volksmenge vor dem Thron, die keiner zählen konnte, nicht die Verstorbenen, die nach dem Ende der Welt auferweckt werden, weil sie so brav gewesen sind, sondern es sind die Menschen aus allen Zeiten, die aus den Erschütterungen des Gerichts als neue Menschen hervorgegangen sind. Es sind Lebende. Wir sind gemeint, alle, die das hier hören und ernst nehmen. Jeden von uns will das Lamm zu den Quellen des ewigen Lebens führen. Und wenn wir unser Leben aus seiner Perspektive sehen können, dann sind wir bereits an den Quellen. Und sogleich wird unser Selbstmitleid verschwinden und Dankbarkeit wird kommen sogar für alles Leiden auf dem Weg, weil es uns schließlich zu ihm geführt hat, in dem wir unsere Ruhe finden. Und da sind die Schmerzen vergessen und es bleibt nur noch die Trauer über die in der Welt verbliebene Hartherzigkeit. - Und die zu erweichen wird nun unsere Aufgabe sein. (13-17)

 

 

 

 

 

Das siebte Siegel:

Zunächst Stille, die Ruhe vor dem Sturm

 

 

 

19... 8,1-5: Das Lamm öffnet das siebente Siegel

 

    (1) Und als es das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang. (2) Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott standen, und sieben Trompeten wurden ihnen gegeben. (3) Und ein anderer Engel kam, und er wurde an den Altar gestellt. Er hatte eine goldene Räucherpfanne, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, damit er es zu den Gebeten aller Heiligen auf den goldenen Altar gebe, dem vor dem Thron. (4) Und der Rauch des Rauchwerkes stieg aus der Hand des Engels mit den Gebeten der Heiligen hinauf vor Gott. (5) Und der Engel nahm die Räucherpfanne und er füllte sie aus dem Feuer des Altars und er warf sie auf die Erde, und Donner und Stimmen entstanden und Blitze und ein Erdbeben.

 

Und als das Lamm "das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang."

Mit dem siebten Siegel des Buches wird das letzte Geheimnis des Lebens gelüftet. Das letzte Stadium beginnt: das Gericht. Und da tritt Stille ein im Himmel, nicht für eine Gedenkminute, sondern ein halbe Stunde lang. (1)

Wenn sie die Zeit des Gerichts kommen sehen, dann nehmen sich die, die sich mit dem Himmel noch verbunden wissen, Zeit. Sie stellen alles Getriebe ab. Sie "halten die Welt an", wie Carlos Castaneda sagen würde. Sie schauen auf ihr Leben, und sie lassen sich dabei von dem Kind Gottes in ihnen führen. Und sie lassen ihr stilles Gebet zu Gott aufsteigen wie Weihrauch. Und sie lassen sich erschüttern von dem "Feuer vom Altar vor dem Thron", das der Engel des Gerichts in sie hineingeworfen hat. (1 und 5)

Der Altar vor dem Thron bedeutet, dass alles in der Welt Gott dargebracht wird. Das ganze Spiel von Werden und Vergehen ist das unaufhörliche Opfer auf diesem Altar. Die Gebete der Heiligen werden an diesem Altar mit Räucherwerk gewürzt, weil sie sich im Bewusstsein dieses unaufhörlichen Opfers freiwillig Gott darbringen. (3)

Und der Engel wirft das Feuer von dem Altar auf die Erde, um dort dieses Bewusstsein zu wecken durch den Schock, den es da auslöst: Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben. Das Feuer und die Stimmen hier gleichen denen zu Pfingsten und in jedem Pfingstereignis. Es ist immer ein Schock, wenn einem Menschen die Realität zum Bewusstsein kommt. Und dieser Schock sprengt die Mauern, hinter denen so viele spontane Bewegungen festgehalten worden sind. Und dann sprudelt all das Steckengebliebene und Zurückgehaltene plötzlich hervor wie ein aufgestauter Sturzbach. (5)

Jeder Mensch spürt den Schock von dem Feuer, das der Engel auf die Erde wirft, aber nicht jeder kommt durch den Schock zur Besinnung. Und so erscheinen nun für diejenigen, die bis jetzt nicht aufgewacht sind, sieben Engel mit Trompeten, um die weiteren "Maßnahmen" des Gerichts anzukündigen, damit auch die Hartnäckigen in den Prozess der Bewusstwerdung eintreten können: (6)

 

 

 

Die ersten sechs "Trompeten" (Warnsignale)

 

 

Misserfolg, Unglück, Katastrophen

Unbewusste Gewalten überwältigen das Geplante

Eine Ideologie blockiert den Energiefluss

Die Maßstäbe für die Einsicht werden unklar

Die blockierten Menschen produzieren Horrorgestalten

Die angestauten Aggressionen entladen sich

 

 

 

20... 8,6-13: Die Trompeten der ersten vier Engel

 

(6) Und die sieben Engel, die die sieben Trompeten hatten, machten sich bereit, zu trompeten.

(7) Und der Erste trompetete. Und Hagel entstand und Feuer, gemischt mit Blut, und wurde auf die Erde geworfen. Und ein Drittel der Erde wurde verbrannt, und ein Drittel der Bäume wurde verbrannt, und alles grüne Gras wurde verbrannt.

(8) Und der zweite Engel trompetete. Und etwas wie ein großer Berg von Feuer brennend, wurde ins Meer geworfen. Und ein Drittel des Meeres wurde Blut. (9) Und ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer leben, starb. Und ein Drittel der Schiffe wurde vernichtet.

(10) Und der dritte Engel trompetete. Und aus dem Himmel fiel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel. Und er fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen der Wasser. (11) Und der Name des Sterns heißt "der Wermut". Und ein Drittel der Wasser wurde zu Wermut. Und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter gemacht waren.

(12) Und der vierte Engel trompetete. Und ein Drittel der Sonne wurde zerschlagen und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne, um ein Drittel von ihnen zu verfinstern, damit der Tag nicht scheine, das Drittel von ihm, und in gleicher Weise die Nacht.

(13) Und ich sah und hörte einen Adler, der in der Himmelsmitte flog, mit lauter Stimme sagend: Wehe, wehe, wehe den Bewohnern der Erde wegen der übrigen Stimmen der Trompeten der drei Engel, die noch trompeten sollen.

 

Als der erste Engel trompetete, "entstand Hagel und Feuer, gemischt mit Blut, und wurde auf die Erde geworfen, und ein Drittel der Erde wurde verbrannt und ein Drittel der Bäume wurde verbrannt, und alles grüne Gras wurde verbrannt."

Wer denkt da nicht an einen Atomkrieg oder eine andere Umweltkatastrophe oder an die Weissagung der Cree-Indianer: "Erst wenn der letzte Fisch gefangen und der letzte Baum gefällt ist, werden sie merken, dass man Geld nicht essen kann."

"Hagel und Feuer, gemischt mit Blut", ist auch in der damaligen Zeit ein Bild aus einem Krieg. Damals wurden ja schon Brandbomben in Städte katapultiert, wie bei der Eroberung Jerusalems durch die Römer.

Immer wenn die Menschen nicht dem Lamm folgen, sondern ihrer Gier, führt das zur Katastrophe. Die erste Plage. (7)

 

Und als der zweite Engel trompetete, "wurde etwas wie ein großer Berg von Feuer brennend ins Meer geworfen und ein Drittel des Meeres wurde Blut. Und eine Drittel aller Geschöpfe, die im Meer leben, starb und ein Drittel aller Schiffe wurden vernichtet."

Auch das Bild von der zweiten Plage erinnert an eine Atomexplosion - der Berg von Feuer könnte ein Atompilz sein - und doch sind es einfach archetypische Bilder der Zerstörung, wie sie auch in unseren Träumen vorkommen. Die Bilder sind variabel. Es kommt nicht auf den genauen Inhalt an, sondern auf die Wirkung. Und genauso wie es in Ägypten viele Plagen gebraucht hat, bis der Pharao schließlich die Israeliten ziehen ließ, so braucht es auch zum Gericht viele Plagen bis die hartherzigen Menschen einsichtig werden. (8f.)

Wie wenig es auf das buchstäbliche Verständnis ankommt zeigt auch das nächste Bild, das wörtlich gar nicht zu verstehen ist:

 

Als nämlich der dritten Engel trompetete, "fiel aus dem Himmel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel, und er fiel auf ein Drittel aller Flüsse ...".

Auch hier denken die Menschen unserer Zeit sogleich an eine Umweltkatastrophe ungeheuren Ausmaßes und seit Tschernobyl ist das denkbar geworden. Und doch ist der Stern, den Johannes sieht, nicht ein materieller Himmelskörper, sondern eher ein 'Star", nämlich die jeweils moderne Spielart des gefallenen Engels, der die Menschen zur Abwendung von Gott verführt. Und die vergifteten Wasserquellen sind eben die Quellen, aus denen die gefallen Menschen ihre eigensinnige Vorstellungswelt weiter speisen. Und 'Wermut' heißt der Stern, weil die Arbeit, die dieser Vorstellungswelt entspricht, immer ein bitter ist, ein Stress, der das Leben vergiftet. Die alttestamentliche Zeit hatte dafür auch das Bild vom Gott "Moloch", der die Kinder frisst, und heute noch meint das deutsche Wort 'molochen' die Art von Arbeit, die die Lebensfreude abtötet. (10f.)

 

Und als der vierte Engel trompetet, wird "ein Drittel der Sonne und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne zerschlagen"

Nocheinmal werden die heutigen Menschen an die Auswirkungen eines Atomkrieges denken, der eine Staubwolke von solchen Ausmaßen aufwirbeln könnte, dass sich wirklich die Sonne, der Mond und die Sterne um ein Drittel verfinstern, sodass auf der Erde das eintritt, was man 'atomaren Winter' nennt. Es ist zwar durchaus denkbar, dass sich das, was Johannes hier sieht, auch materialisiert, wenn die Menschen die Welt des Wissens in Selbstherrlichkeit weiterkultivieren, und doch führt diese Sicht in die Irre: Die Geheime Offenbarung des Johannes ist nicht eine Vorhersage der Zukunft des Planeten oder der Menschheit, sonst würde dieses Buch ja nur für eine bestimmte Zeit der Weltgeschichte gelten und in allen anderen Zeiten für die Menschen belanglos sein. Die Vision des Johannes gilt aber allen Menschen zu allen Zeiten - wie die Adresse zeigt. Und sie ist ganz offensichtlich keine materielle Zukunftsvision, sondern eine symbolische Komposition, wie ein Traum. Und im Traum sind Sonne, Mond und Sterne nicht Körper des materiellen, sondern des geistigen Himmels. Es sind Symbole: die Sonne ein Symbol für die Orientierung bei Tag, der Mond und die Sterne Symbole für die Orientierung bei Nacht. Und sowohl tags als auch nachts sieht Johannes die Orientierung verdunkelt, ja 'zerschlagen'.

Die Orientierung ist zersplittert. Es gibt so viele Richtlinien oder Möglichkeiten der Orientierung, dass die Menschen verwirrt sind und sich eben kaum noch orientieren können. "Falsche Christusse und Propheten werden auftreten und sie werden Zeichen und Wunder tun, um womöglich die Auserwählten irrezuführen." (Mk 13, 22) (12)

 

Und Johannes hört "einen Adler, der in die Himmelsmitte flog"

Der Adler steht über den Dingen. Er sieht die künftigen Ereignisse schon von Ferne kommen, lange bevor die erdgebundenen Menschen sie wahrnehmen können. Er sieht schon die weiteren Plagen und er weiß, wie schrecklich sie sein werden. (13)

 

 

 

 

 

21... 9,1-12: Der fünfte Engel trompetet

 

(1) Und der fünfte Engel trompetete. Und ich sah einen Stern, aus dem Himmel auf die Erde gefallen. Und ihm wurde der Schlüssel zum Schlund des Abgrunds gegeben.

(2) Und er öffnete den Schlund des Abgrunds, und aus dem Schlund stieg Rauch auf, wie Rauch eines großen Ofens. Und die Sonne wurde verfinstert von dem Rauch des Schlunds und die Luft.

(3) Und aus dem Rauch heraus kamen Heuschrecken auf die Erde, und eine Macht wurde ihnen gegeben, eine Macht, wie die Skorpione der Erde sie haben. (4) Und ihnen wurde gesagt, sie sollten das Gras der Erde nicht schädigen noch irgendein Grün noch einen Baum, sondern nur die Menschen, die das Siegel Gottes nicht auf den Stirnen haben. (5) Und es wurde ihnen die Macht gegeben, sie nicht zu töten, sondern sie sollten gequält werden fünf Monate lang. Und ihre Qual ist wie die Qual von einem Skorpion, wenn er einen Menschen sticht. (6) Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und sie werden ihn nicht finden, und sie werden zu sterben begehren, doch der Tod flieht vor ihnen.

(7) Und die Bilder der Heuschrecken waren wie Pferde, gerüstet zum Krieg. Und auf ihren Köpfen etwas wie Kränze wie Gold. Und ihre Gesichter waren die Gesichter von Menschen. (8) Und sie hatten Haare wie Haare von Frauen, und ihre Zähne waren wie von Löwen. (9) Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer, und der Laut ihrer Flügel war wie der Laut von Wagen mit vielen Pferden, die in den Krieg laufen. (10)

Und sie haben Schwänze wie Skorpione und Stacheln, und in ihren Schwänzen ist ihre Macht, die Menschen fünf Monate lang zu schädigen.

(11) Als König über sich haben sie den Engel des Abgrunds. Sein Name ist auf Hebräisch Abaddon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyon.

(12) Das erste Wehe ging vorüber; sieh, es kommen noch zwei Wehe danach.

 

"... Und gegeben wurde ihm der Schlüssel zum Schlund des Abgrunds ...".

Erneut werden jetzt alle, die nicht auf sich selbst schauen mögen, das Bild der Vision auf die Zukunft dieses Planeten projizieren. Wie in einem modernen Science-Fiction-Horrorfilm werden sie den auf die Erde gefallen Stern als jene gigantische Atomexplosion sehen, die eine so gewaltige Rauch- und Staubwolke aufwirbelt, dass die Sonne verfinstert wird und deren radioaktive Strahlung Heuschrecken so mutieren lässt, dass sie zu Killerheuschrecken werden. (1-3)

Wenn wir jedoch von der Annahme ausgehen, dass die Botschaft der Geheimen Offenbarung nicht dazu da ist, uns zu unserem Freizeitvergnügen das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, sondern dazu, uns etwas für unser Leben Wichtiges mitzuteilen, dann bekommen diese Bilder eine ganz andere Bedeutung:

Der gefallen Stern bekommt einen Schlüssel und er schließt damit etwas auf.    Durch den Stern wird also nicht ein Loch in die Erdkruste gerissen, sondern er bekommt einen Schlüssel und mit ihm schließt er den Abgrund auf. Der Stern ist offenbar eine intelligente Kraft. Andernorts heißt er 'Luzifer', 'Lichtträger'. Es ist der gefallene Engel. Er, dieser größte aller Stars, ist der Fürst aller Kräfte, die nach unten ziehen, in den Abgrund. Der Star 'Luzifer' hat den Schlüssel zum Abgrund von Anfang an. Der Schlüssel zum Abgrund ist das sich Lösen von Gott, das sich ihm Entgegenstellen. (1f.)

Der Rauch, der aus dem Abgrund aufsteigt und das Licht der Sonne verfinstert, sind die Gedanken, die uns zum Besserwissen verführen und dazu, die unmittelbare innere Führung zugunsten der Führung durch Vorurteile aufzugeben. Diese Gedanken verdunkeln das Licht der Sonne, nämlich der inneren Führung, und sie vergiften den Atem, den Gott uns eingehaucht hat. Und deshalb kommen aus dem verdunkelnden Medium Monsterheuschrecken hervor, die ein Gift haben, das schmerzt wie das von Skorpionen. (3)

Und sie schädigen nicht das Gras und nicht die Bäume, noch irgendein Grün, sondern nur die Menschen, die nicht das Siegel Gottes aus der Stirn tragen. Das Getrenntsein von Gott erzeugt jenen großen, unheilbaren Schmerz, der lange verdeckt bleibt durch die Genüsse, die das "Ich" sich zu verschaffen versteht. Aber irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit. Dann lässt sich die Sinnlosigkeit des Daseins nicht länger verbergen. Dann sieht sich der Mensch plötzlich vor dem Abgrund, vor dem er immer schon gestanden hat; dann erfährt er die Angst, die von seiner Schutzlosigkeit kommt, von seinem Alleinsein, von seiner Getrenntheit. Nun merkt der Mensch, dass es Kräfte gibt, die er mit seinen besten Berechnungen nicht meistern kann. Und diese Kräfte sieht er nun als Bedrohung und er vergeht fast vor Angst, weil er es nicht ertragen kann, die Dinge nicht unter Kontrolle zu haben - die andere Dimension, die des Vertrauens, kennt er ja nicht. Und so sieht er sich diesen Kräften nur hilflos ausgeliefert wie einem Schwarm höllischer Insekten. (4-6)

Aber diese Insekten sind nur Phantome. Ihr Gift ist das Gift der Angst und das führt nicht unmittelbar zum Tod, es erzeugt nur eine unerträgliche Qual, die so groß ist, dass die Menschen den Tod suchen, aber nicht finden werden. (5f.)

"Und die Heuschrecken sahen aus wie Pferde, die zum Krieg gerüstet sind."

Die Truppen des dunklen Königs im "Krieg der Sterne" sind harmlos gegen diese Monster. Und doch sind sie nur ein Produkt der Phantasie, ein Produkt der Angst, eine Folge der Abwesenheit des Vertrauens. Ihr Befehlshaber ist der Engel des Abgrunds. Solange er in einem Menschen herrscht, sind sie real, aber nicht länger, deshalb können sie auch das Grün nicht schädigen und deshalb ist die Zeit ihrer Macht begrenzt. Fünf Monate lang können sie die Menschen quälen, die das Siegel Gottes nicht auf ihrer Stirn tragen. Und diese fünf Monate können fünf Monate der Läuterung sein. (7-11)

Diese Phase des Gerichts endet nicht mit dem Tod. Noch ist Zeit für die Umkehr. Und "sieh, es kommen noch zwei Wehe danach!" (12)

 

 

 

 

 

 

22... 9,13-21: Der sechste Engel trompetet

 

(13) Und der sechste Engel trompetete. Und ich hörte eine Stimme aus den vier Hörnern des goldenen Altars vor Gott. (14) Sie sagte dem sechsten Engel, der die Trompete hatte: Löse die vier Engel, die am großen Fluss Euphrat gebunden sind! (15) Und gelöst wurden die vier Engel, die bereit standen für die Stunde und den Tag und den Monat und das Jahr, damit sie ein Drittel der Menschen töten. (16) Und die Zahl der Heere der Reiterei war zwanzigtausendmal zehntausend. Ich hörte ihre Zahl. (17) Und so sah ich die Pferde in der Erscheinung: Und die auf ihnen saßen hatten feurige und hyazinthfarbene und schwefelgelbe Panzer, und die Köpfe der Pferde wie Köpfe von Löwen, und aus ihren Mäulern kommt Feuer und Rauch und Schwefel. (18) Von diesen drei Schlägen wurde ein Drittel der Menschen getötet, durch das Feuer und den Rauch und den Schwefel, die aus ihren Mäulern herauskamen. (19) Denn die Macht der Pferde ist in ihrem Maul und in ihren Schwänzen, denn ihre Schwänze sind wie Schlangen. Sie haben Köpfe und mit ihnen schädigen sie.

(20) Und die übrigen der Menschen, die durch diese Schläge nicht getötet wurden, wandten sich nicht ab von den Werken ihrer Hände, damit sie den Dämonen und Götzen nicht huldigten, den goldenen und den silbernen und den ehernen und den steinernen und den hölzernen, die weder sehen können noch hören noch umhergehen.

(21) Und sie kehrten sich nicht ab von ihren Morden noch von ihren Zaubermitteln noch von ihrer Hurerei noch von ihren Diebereien.

 

    "... Und gelöst wurden die vier Engel, bereitet für die Stunde ...

    Euphrat ist der vierte Fluss, in den sich der eine paradiesische Strom

verzweigt. Dort sind die vier Engel gebunden, die, wenn die Zeit kommt, ein Drittel der Menschheit töten sollen. Der Euphrat ist einer der beiden Ströme auf der irdischen Seite des Paradieses. Da, im irdischen Werden, sind die Todesmächte angebunden und wer in seinem Leben nur auf das irdische Werden baut, wird von dort her seinen Tod erfahren. Ein Drittel der Menschheit wird davon überrascht werden, weil sie nicht bedacht haben, dass die Kräfte des Lebens auch die Kräfte des Todes sind. Die Bibel sagt es, wie hier, sehr verschlüsselt, in der indischen Mythologie wird es direkter ausgedrückt, denn da wissen alle, dass im Gott Shiva und in der Göttin Kali beide Kräfte vereint sind. (14f.)

Und wie Shiva und Kali kommen die vier Engel jetzt mit zwanzigtausend mal zehntausend Heeren von Reitern, um die Gewordenen wieder hinwegzuraffen. Und Johannes sieht die Pferde und die auf ihnen sitzen ganz klar: "Sie haben feurige, hyazinthenfarbige und schwefelgelbe Panzer ..."

Zunächst sind die Einzelheiten hier aber nicht so wichtig, auf das Gesamtbild kommt es an, darauf, dass wir seine Stimmung auf uns wirken lassen. Dazu dürfen wir es nicht in die Zukunft projizieren. Wir müssen es in unser Leben hereinnehmen. Nur in unserer eigenen Gegenwart kann es uns helfen, uns neu auszurichten. Das Gericht findet ja nicht einmalig im Jahr 2085 statt oder 5117 und auch nicht im Jahr 523.127, sondern immer hier und jetzt. Und nur wenn wir es da sehen, kann es uns berühren. Und dann verwandelt es sich auch und wir können seine Details als Elemente unserer Lebenswelt identifizieren. So sehr uns diese Bilder auch aus Science-Fiction Filmen bekannt sind, weil die Regisseure sich hier immer wieder Anregungen holen, da finden wir den Schlüssel dazu nicht. Aber Carlos Castaneda kann uns helfen. Er beschreibt diese Wirklichkeit in seinem Bild von der "rollenden Kraft", der allgegenwärtigen Lebenskraft, die ständig über alles hinwegrollt und die, wenn sie eine Lücke im Energieschild eines Wesens findet, so lange in diese Kerbe schlägt, bis dieses Wesen seinen Lebensgeist aufgibt. (15-19)

Die "rollende Kraft" und diese himmlischen Todesschwadronen sind so allgegenwärtig, dass die Menschen sie gar nicht mehr wahrnehmen. Das sieht auch Johannes in seiner Vision: "Und die übrigen Menschen ... wandten sich nicht ab von den Machwerken ihrer Hände."

Obwohl das Leben so vergänglich ist, suchen die Menschen ihr Heil gerade im Toten. Auf die Machwerke ihrer Hände bilden sie sich etwas ein und die Größe des Schöpfers sehen sie nicht. Sie unterwerfen sich selbstgemachten Göttern und Dämonen, die nur in ihrer Einbildung Macht haben. Sie schrecken nicht davor zurück, anderen das Leben zu nehmen. Weil sie meinen, sie könnten das Glück durch Tricks erreichen, sie machen ihre Partner zu Objekten und sie nehmen sich Dinge heraus, die ihnen nicht zukommen. Obwohl der Tod ihnen so nahe ist, wachen sie nicht auf. (20f.)

 

 

 

 

 

Himmlische Botschaften

werden an die gepeinigte Menschheit gesandt:

 

 

Die Botschaft des Lammes: wahllos zu werden

Die himmlischen Maßstäbe als Orientierung

Zwei Propheten, die getötet werden, aber auferstehen

 

 

 

23...   10, 1-11: Der Engel und das kleine Buch

 

(1) Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen, umworfen mit einer Wolke, und auf seinem Kopf der Regenbogen und sein Gesicht wie die Sonne und seine Füße wie Säulen von Feuer; (2) Und in seiner Hand hatte er ein geöffnetes Büchlein. Und er stellte seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf die Erde; (3) und er schrie mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er schrie, redeten die sieben Donner mit ihren Stimmen. (4) Und als die sieben Donner redeten, wollte ich schreiben, doch ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Versiegle, was die sieben Donner redeten, und schreibe es nicht!

(5) Und der Engel, den ich auf dem Meer stehen sah und auf der Erde, erhob seine rechte Hand in den Himmel. (6) Und er schwor bei dem, der lebt in die Äonen der Äonen, der den Himmel schuf und das in ihm und die Erde und das auf ihr und das Meer und das in ihm, dass Zeit nicht mehr sein wird, (7) denn in den Tagen des siebten Engels, wenn er trompeten wird, ist auch das Geheimnis Gottes erfüllt, wie er es seinen Knechten, den Propheten, verkündet hat.

(8) Und die Stimme, die ich aus dem Himmel hörte, sprach wieder mit mir und sagte: Geh fort, nimm das geöffnete Buch in der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht! (9) Und ich ging weg zu dem Engel und sagte ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sagt mir: Nimm und es auf! Und es wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird es süß sein wie Honig. (10) Und ich empfing das Büchlein aus der Hand des Engels, und ich aß es auf. Und es war in meinem Mund süß wie Honig, und als ich es aß, wurde mein Bauch bitter gemacht.

(11) Und sie sagen mir: Du musst erneut prophezeien über Völker und Völkerschaften und Zungen und viele Könige.

 

Die siebte Trompete ist noch nicht ertönt, da sieht Johannes "einen anderen starken Engel herabsteigen".

Das Bild gleicht dem vom Erscheinen des Menschensohnes in der Rede Jesu über das Ende der Welt und es gleicht auch dem Bild vom Menschensohn am Anfang der Vision des Johannes:

Er steigt herab aus dem Himmel, er erscheint in einer Wolke, sein Gesicht ist wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen und den Regenbogen, das Symbol des neuen Lebens, trägt er auf dem Kopf. Die Feuersäulen seiner Füße erinnern an die Feuersäule, die den Israeliten bei ihrem Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten den Weg beleuchtete. Und dass er einen Fuß auf das Meer stellt und einen auf das Land zeigt ihn als den Herrn der Erde. Der "Engel", der hier erscheint, ist der Menschensohn. (1)

Und in der Hand trägt er ein kleines Büchlein, nicht das gewaltige Alte Testament, sondern die einfache frohe Botschaft Jesu, das Evangelium. Und wie Jesus am Kreuz, schreit er mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und wie beim Tod Jesu die Erde bebte, so reden jetzt die sieben Donner. Johannes hört, was sie sagen, aber er darf es nicht mitteilen. Es bleibt geheim. (2-4)

 

Und nun schwört der Engel "dass Zeit nicht mehr sein wird, denn in den Tagen des siebten Engels ... ist auch das Geheimnis Gottes erfüllt." Das hat er seinen Propheten von Anfang an mitgeteilt. Das Geheimnis ist so gewaltig, dass nur die Donner es aussprechen können. In menschlicher Sprache kann leicht die Ehrfurcht verlorengehen, deshalb darf Johannes es nicht aufschreiben. Und doch haben die Propheten das für uns Wesentliche am Geheimnis Gottes wahrgenommen und es uns mitgeteilt: "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild" (Gen 1, 27). Und: "Jetzt sehen wir durch einen Spiegel im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht" (1 Kor 13, 12).

Zuerst ist Gott allein, unerkannt, in sich ruhend und nicht mitgeteilt, und doch ist sein Wesen von Anfang an das aus sich Herausgehen, die sich verschenkende Liebe. Und so ergiesst sich aus dem Urbild ein Abbild, ein Gegenüber, das seine Liebe empfangen und seinerseits weitergeben kann. Gott zeugt seinen Sohn von Ewigkeit her. Und indem er sich mitteilt, schafft er die Zweiheit und mit ihr den Raum und die Zeit. Und darin lebt der Sohn zur einen Hälfte, mit der anderen bleibt er mit seinem Erzeuger verbunden. Raum und Zeit aber und ihn ihr die Materie bilden die Basis für den Sohn, von der aus er schließlich den Vater erkennen kann, so dass Gott nicht mehr allein ist und am Ende erkannt wird, indem dann das Abbild sein Urbild sieht - und dabei sieht, dass er selbst es ist, von dem er ausgegangen ist, und dass jetzt keine Zweiheit mehr ist, sondern nur noch eins.

Die Zeugung ist ein Prozess und der Prozess schafft die Zeit und durch die Zeit entfernt sich das Abbild vom Urbild. Die Zeit ist der Sündenfall. Gleichzeitig mit der Ablösung vom Urbild aber, mit der Selbständigkeit, beginnt der Prozess der Selbsterkenntnis Gottes. Indem die Menschen die Nabelschnur durchtrennen erst erhält Gott ein wirkliches Gegenüber. Doch sie vergessen ihre Bedingtheit und beginnen zu glauben, sie könnten sich ihr Glück unabhängig von ihrem Ursprung schaffen. Aber ohne die Verbindung mit ihrem Ursprung müssen sie sich jetzt um alles selber kümmern. Und in dem Trubel dieses Sorgens vergessen sie ihren Ursprung ganz und gar. Und sogar wenn sie Glück haben und sehr viel erreichen - letzten Endes bleibt alles hohl, solange das Wissen um das eigene Wesen fehlt. Aber von Zeit zu Zeit meldet sich eine ganz tiefe Sehnsucht und spricht zu ihnen von einer ganz anderen Welt, nämlich von der Welt, die erscheint, wenn sich ein Mensch an seine göttliche Natur erinnert. Und auch diejenigen, die diese Sehnsucht nicht zu Wort kommen lassen, erfahren, dass es da noch etwas anderes gibt, eine höhere Macht, der sie letzten Endes ausgeliefert sind und die sie töten wird, wenn sie sich nicht besinnen. Sie erfahren das Gericht. Und damit sind wir wieder in der Vision des Johannes, die dieses Gericht beschreibt.

Und an dieser Stelle heißt es, "dass Zeit nicht mehr sein wird", denn wenn der siebte Engel "trompeten wird, ist auch erfüllt das Geheimnis Gottes." Der Prozess der Selbsterkenntnis Gottes ist abgeschlossen, das Geheimnis Gottes ist erfüllt, das Abbild erkennt seine Relativität. Es erkennt sein Urbild. Und Zeit gibt es da nicht mehr. (6f.)

Und doch heißt das nicht, dass die Schöpfung nun mit einem Schlag rückgängig gemacht wird. Der Prozess des Gerichts ist ja nicht für alle gleichzeitig an einem bestimmten welthistorischen Datum abgeschlossen, sondern der Schall der siebten Posaune erreicht jeden Menschen separat zu einer gewissen Zeit, eben wenn der Prozess des Gerichts für diesen Menschen abgeschlossen ist, wenn er zur Besinnung und zum Bewusstsein seiner wahren Natur gekommen ist. Und in diesem Moment löst sich seine physische Existenz auch nicht in Luft auf, und doch hört die Zeit für diesen Menschen in diesem Moment auf. Dieser Moment ist der Moment des Erscheinens des Menschensohns, und jeder Mensch eines jeden Geschlechts erfährt diesen Moment nach Aussage Jesu im Laufes seines Lebens. (Mt 24, 34). Die Buddhisten bezeichnen diesen Moment als den Moment des Eintritts ins Nirvana. Es ist nicht der Moment des physischen Todes, aber der Moment der Verwandlung, der Wiedergeburt. In diesem Augenblick ist der neue Himmel und die neue Erde da, die Johannes später noch sehen wird. Zeit und Schicksal spielen nun keine Rolle mehr. Ein Mensch, der hier angelangt ist, weiß sich jederzeit eins mit dem göttlichen Willen. Er tut nicht mehr, was er will, er lässt sich führen wie ein Lamm. Und so wird er zum Menschensohn, zum wahren Abbild Gottes, und das bleibt er in Ewigkeit. (5-7)

 

"Und die Stimme ... sagte: Geh, nimm das geöffnete Buch in der Hand des Engels ... und iss es auf."

Beim Abschiedsmahl sagt Jesus zu seinen Jüngern: "Nehmt und esst!" und er gibt ihnen sich selbst zu essen in Gestalt von Brot und Wein, denn indem sie ihn essen, sollen sie in ihn verwandelt werden. Und nun isst Johannes das Büchlein in der Hand des Engels. Er isst die göttliche Botschaft. Er muss also selbst zur göttlichen Botschaft werden. Nur dann kann er diese Botschaft so aussenden, dass sie bei allen Menschen aller Zeiten auch ankommt.

Die Botschaft ist süß im Mund und bitter im Bauch. Für den, der sie versteht, ist es eine frohe Botschaft: "Du bist ein Ebenbild Gottes!" Doch sie zu verdauen, ist bitter, so bitter wie das Gericht, denn sie verlangt das sich Lösen von allen Illusionen, von allen Urteilen, von allen Identifikationen, von der Idee der Unabhängigkeit. Sie verlangt ein Sterben, das Sterben des alten "Ich". "Er muss wachsen, ich aber abnehmen" (Joh 3, 30). Dieser Wandel vollzieht sich im Prozess des Gerichts und er wird erleichtert durch die Süße der frohen Botschaft. (8- 1)

 

 

 

 

 

 

24... 11,1-2: Die Vermessung des Tempels

 

(1) Und ein Rohr wurde mir gegeben als Messstab und es wurde mir gesagt: 'Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die, die dort beten. (2) Aber den Hof lass weg, den außerhalb des Tempels, und miss ihn nicht, denn er wurde den Völkern überlassen. Und sie werden die heilige Stadt treten zweiundvierzig Monate lang.'

 

Innerhalb seiner Vision soll Johannes nun aktiv werden. Johannes steht hier für die Menschen, die noch auf dem Weg sind. Sie brauchen Maßstäbe, damit sie das Ziel ihres Lebens erreichen können, nämlich dass sie zum Bewusstsein ihrer göttlichen Natur erwachen und dass Gott durch sie sich selbst erkennt. Durch Johannes wird den Menschen gezeigt, von wo sie ihre Maßstäbe beziehen sollen: vom Tempel. An denen, die den Weg bereits gefunden haben, sollen sie sich orientieren und zwar nur an diesen und nicht an der äußeren Welt, auch wenn sie dem Anschein nach mit dem Tempel unmittelbar verbunden ist. (1f.)

Wenn wir hier daran denken, von wo wir unsere Maßstäbe beziehen, können wir verstehen, wozu es diese Ermahnung braucht, sind wir doch ständig in Versuchung, uns an Leuten zu messen, die nicht dem einen wahren Ich, JAHWE, die Ehre geben, sondern sich selbst, also ihrem von Gott abgesonderten "Ich". Aber die gehören zu den "Völkern", denen der äußere Hof des Tempels überlassen ist und die die heilige Stadt Jerusalem dreieinhalb Jahre lang "treten", also entweihen werden. (2)

 

 

 

 

 

 

25... 11, 3-14: Zwei Propheten in der den Heiden überlassenen heiligen Stadt

 

Die drinnen sind immer nur wenige, die draußen sind die vielen. Die drinnen haben verstanden, worum es geht, und denen draußen sind die drinnen ein Dorn im Auge. Sie sind ihnen ein stetiger Vorwurf, eine lästige Erinnerung daran, dass etwas in ihrem Leben nicht stimmt. Und immer wieder werden welche von drinnen zu denen draußen abgesandt, um sie zur Besinnung zu rufen. Aber die machen mit ihnen, was sie wollen. Die Abgesandten haben Vollmacht, die ganze Natur gehorcht ihnen. Aber alle Zeichen, durch die sie den Völkern zeigen, dass all ihre grandiosen Erfindungen und zivilisatorischen Errungenschaften nichts sind vor dem Einen, prallen von ihnen ab. Und so schickt Gott zuletzt die Creme de la Creme (3-10):

 

(3) Und ich werde meine zwei Zeugen beauftragen und sie werden weissagen in Säcken gekleidet tausendzweihundertsechzig Tage lang. (4) Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. (5) Und wenn einer ihnen schaden will, kommt Feuer aus ihrem Mund heraus und verzehrt ihre Feinde, und wenn einer ihnen schaden will, so muss er getötet werden.

(6) Diese haben die Vollmacht, den Himmel zu verschließen, damit während der Tage ihrer Prophezeiung kein Regen fällt. Und sie haben Vollmacht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit jeder Art von Plage, sooft sie wollen.

 

Zweiundvierzig Monate oder tausendzweihundertsechzig Tage lang blieb der Himmel verschlossen in den Tagen des Propheten Elias. Kein Regen fiel dreieinhalb Jahre lang, wie Elia es prophezeiht hatte, zum Beweis gegen Ahab, den König der Israeliten, und dessen ausländischer Frau Isebel, die das auserwählte Volk zum Baalskult verführt hatte (1 Kön 16, 29 - 18, 46).

Elia war es auch, aus dessen Mund Feuer kam und die Truppen verzehrte, die der König Ahab ausgesandt hatte, um ihn zu töten. Und auch die Propheten des Baal, die im Auftrag des Königs Ahab am Berg Karmel zu dem Gottesurteil gegen Elia angetreten waren, unterlagen und sie mussten sterben (1 Kön 18, 1 - 46). (5f.)

Der zweite von den beiden Propheten, die ausgesandt wurden in die heilige Stadt, war Mose. Er hat das Wasser in Blut verwandelt und er hat die zehn Plagen herbeigerufen, um den Pharao zu zwingen, die Israeliten ziehen zu lassen (Ex 4, 9; 7 - 11). (6)

Diese beiden Propheten sind die Zierde des Herrn der Erde. Sie sind die beiden Ölbäume und die beiden Leuchter, die vor seinem Thron stehen. Und der Herr der Erde ist der Menschensohn, das Ebenbild Gottes. (4)

Die heilige Stadt, die den Heiden überlassen ist, das sind wir. Zu uns werden die beiden Propheten geschickt. Sie haben die Macht uns mit allen möglichen Plagen zu schlagen. Und wie der ägyptische Pharao und der König Ahab hören auch wir nicht. Deshalb haben sie die Macht, den Himmel zu verschließen dreieinhalb Jahre lang. Und am Ende werden sie die Propheten des Baal in uns im Wettstreit besiegen. Alle Beweise sind da, aber wenn wir "das Weib Jezabel weiter gewähren lassen" (2, 20), wenn wir hartnäckig an unseren eigenen Vorstellungen festhalten, ist das bittere Ende unvermeidlich (1 Kön 18, 40).

Die beiden Propheten kommen nicht von außen zu uns, sie sind bereits in uns, sie sind ein Teil unserer Natur: Unser innerstes Wesen ist ja der Herr der Erde. Und er will nichts als unser Heil. Und so stehen vor ihm die Symbole des Heils, zwei Ölbäume, die gleichzeitig zwei Leuchter sind: Wie Ölbäume die Quelle jener Substanz sind, die alle Wunden heilt, so sind die Leuchter die Basis des Lichts. Etwas anderes in uns jedoch will nichts zu tun haben mit dem Herrn der Erde. Dieser Teil hat seine eigenen Vorstellungen darüber, was gut ist und was schlecht. Dieser Teil verehrt Güter, Macht und Erfolg und deren Symbol, den Baal. Der Herr der Erde schickt seine Propheten zu uns, um uns zu zeigen, wer hier der Herr ist, aber wir sind fest identifiziert mit unseren Vorstellungen. Und deshalb wendet sich die Macht, die zu unserem Heil da ist, symbolisiert durch Öl und Licht, nun gegen uns und sie schneidet uns ab von der Quelle des Lebens, um uns zur Besinnung zu bringen. Aber trotz der eindeutigen Zeichen hören wir immer noch nicht, im Gegenteil, wir bekämpfen die Propheten des Herrn der Erde, wir verbünden uns mit den Mächten des Abgrunds und bringen die Propheten zum Verstummen (7-10):

 

 

(7) Und wenn sie ihr Zeugnis erfüllt haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen machen und es wird sie besiegen und sie töten. (8) Und ihre Leichen bleiben liegen auf der Straße der großen Stadt - sie wird, geistlich verstanden, 'Sodom' und 'Ägypten' genannt - wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde.

(9) Und Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Erdteilen sehen ihre Leichen dreieinhalb Tage lang, und sie lassen nicht zu, dass ihre Leichen in ein Grab gelegt werden. (10) Und die Bewohner der Erde freuen sich über sie, und aus Freude schicken sie sich gegenseitig Geschenke, weil diese zwei Propheten die Bewohner der Erde gequält haben.

 

"Das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt", ist der Wille zur Trennung, zur Ablösung von Gott, zur Eigenständigkeit. Diese Wegbewegung führt zum Untergang - und doch hat sie große Macht. (7)

Seine Macht beruht im Grund auf dem göttlichen Wunsch nach Selbsterkenntnis. Aus diesem Wunsch heraus entsprang Gott sein Gegenüber, sein Ebenbild, der Mensch. Und auf dessen Weg zur Bewusstheit ist die Ablösung vom Urbild ein notwendiger Schritt. Letztlich ist es daher eine göttliche Kraft, die da aus dem Abgrund emporsteigt und mit den Propheten kämpft. Das Tier ist die Kehrseite der Hingabe, der Selbstentäußerung Gottes. Es (ver)führt den Menschen in die äußerste Entfernung, in die Gottverlassenheit, an den Ort äußerster Finsternis, an dem es nur noch Heulen und Zähneknirschen gibt.

Von der Seite des Menschen her gesehen ist das Tier der Trotz, der trotz aller Beweise gegen sein eigenes Heil kämpft und der in Todesverachtung die Zeugen des Lebendigen tötet und der über sie triumphiert, wohl wissend, dass ihr Tod ihn selbst zur Erfahrung äußerster Heillosigkeit führt. Es ist eine Art Zwang, der jede Hilfe ablehnt, eine Schuldzuweisung an Gott, der ihn in diese Lage gebracht hat - "der ihn hineingeworfen hat in die Existenz, ohne ihn zu fragen". Der Mensch ist beleidigt und er wird es Gott zeigen, dass er auf ihn nicht angewiesen ist. Er wird jeden Versuch der Heimholung entrüstet von sich weisen und beweisen, dass er Recht hat. Hämisch wird er gegen die Liebe kämpfen und für seine Vorstellung vom Guten, die reine, abstrakte Lust. Sodom ist das Symbol dafür. Und er wird seine Lust haben und jeden Hinweis darauf, dass es das nicht ist, wird er in Energie umwandeln, um seine Abwendung von Gott noch weiter zu treiben. Das ist das Tier in uns. (7.10)

Von seiner Perspektive aus ist das Heilsangebot eine Qual. Und so werden die, die es übermitteln, getötet. Und sie werden nicht begraben, sondern demonstrativ liegengelassen. Man braucht den sichtbaren Beweis des Sieges, man will den Triumph. (9f.)

Und in der Stadt dieser Menschen wird schließlich der Herr der Erde gekreuzigt. Wie es in Sodom geschehen ist und dann in Ägypten, so am Ende sogar in der heiligen Stadt, in Jerusalem. (8)

Das Tier triumphiert - aber nicht lange:

 

 

(11) Und nach den drei Tagen und einem halben ging der Geist des Lebens aus Gott in sie hinein, und sie stellten sich auf ihre Füße. Und eine große Angst fiel auf die, die sie sahen. (12) Und sie hörten eine laute Stimme aus dem Himmel zu ihnen sagen: Steigt herauf hierher! Und in der Wolke stiegen sie in den Himmel hinauf, und ihre Feinde sahen sie."

 

Elia ist in den Himmel aufgefahren ohne zu sterben, das Grab von Mose ist unbekannt und Jesus ist am dritten Tag auferstanden und sein Grab war leer. (12)

Die dreieinhalb Tage entsprechen den dreieinhalb Jahren vorher. Dreieinhalb sind die Hälfte von sieben, dem vollständigen Zyklus, dessen Urform die sieben "Tage" der Schöpfung sind. Die Propheten haben also zwei mal dreieinhalb hinter sich gebracht, also einen vollständigen Zyklus und am achten (Tag) kommt von Gott her das neue Leben, so wie auch Jesus am achten, bzw. am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Die Arithmetik der Bibel hat natürlich keine mathematische Bedeutung, sondern es geht um die Symbolik der Rhythmen. (11)

Für eine gewisse Zeit, so wird gesagt, lässt sich die Wahrheit ausschalten, dann aber meldet sie sich unwiderruflich zu Wort. Die Menschen, die glauben, sie könnten die Wahrheit vertuschen oder besiegen, werden eines Tages immer entsetzt feststellen, dass sie sich geirrt haben, so auch die korrupten Bewohner der heiligen Stadt. (11)

Nocheinmal: die heilige Stadt, von der Johannes spricht, ist nicht eine historische Stadt, das Geschichtliche ist nur ein Beispiel für uns jetzt. Die heilige Stadt, das ist letztlich unser Körper, unser Organismus, der "Tempel des Heiligen Geistes" (1 Kor 6, 19). Und auch die beiden Propheten sind in uns und sie versuchen ständig, uns Licht und Heilung zu bringen. Sie sprechen zu uns in der universellen Sprache von Glück und Unglück, Zufriedenheit oder Unzufriedenheit. Sie tun alles, um gehört zu werden - und wenn wir (oder bei Kindern die Eltern) etwas schwerhörig sind, auch durch Krankheiten oder andere Warnungen, eben durch "Plagen". (2.5f.)

Und wir glauben, wir könnten sie zum Schweigen bringen, indem wir gegen diese Plagen kämpfen - anstatt ihre Botschaft zu hören! Und vielleicht bringen wir sie wirklich zum Verstummen. Und dann beglückwünschen wir uns und zeigen unseren Erfolg herum. Aber unsere Freude ist nur kurz, denn nach einer Weile kommt neuer Lebensgeist in sie. Zum Schrecken aller, die es sehen, stellen sie sich auf ihre Füße. Und wie immer, wenn Menschen Kontakt haben mit dem Göttlichen, hören sie "eine Stimme vom Himmel". Und diese Stimme führt die Propheten zurück in den Himmel, von dem sie ursprünglich gekommen sind. Und sie steigen "hinauf" "in der Wolke". Auch Jesus ist in einer Wolke verschwunden und in einer Wolke kommt der Menschensohn wieder. Für einen Moment war auch für ihre Feinde klar, was die Propheten wirklich sind, dann verschwinden sie wieder im Unklaren. (10.12)

Aber dieser Moment genügt:

 

 

(13) Und in jener Stunde entstand ein großes Erdbeben, und ein Zehntel der Stadt fiel. Und in dem Erdbeben wurden die Namen von siebentausend Menschen ausgelöscht. Und die übrigen gerieten in Furcht und gaben dem Gott des Himmels die Ehre.

(14) Das zweite Wehe ging vorbei; sieh, das dritte Wehe kommt schnell!

 

 

In dem Moment, in dem den Menschen, die die Propheten beseitigt haben, klar wird, was sie gemacht haben, wird ihre Welt erschüttert. Ein Zehntel derer, die diesen Schock erleben, überleben ihn nicht. Die Übrigen aber erfasst die Gottesfurcht und sie geben ihrem Urheber die Ehre zurück, die sie vorher sich selbst zugeschrieben hatten. (13)

Und für diejenigen, die bis jetzt unbelehrbar geblieben sind, folgen nun weitere unüberhörbare Hinweise. (14)

 

 

 

 

 

Die siebte Trompete:

Gottes Herrschaft ist wiederhergestellt

 

 

Von hier aus erscheint noch eine zweite Sicht des Ablaufs der Dinge

 

 

 

 

 

 

26... 11,15-19: Der siebte Engel trompetet

 

(15) Und der siebte Engel trompetete. Und im Himmel entstanden laute Stimmen, die sagten: Das Königtum der Welt gehört nun unserem Herrn und seinem Gesalbten, und er wird König sein in die Äonen der Äonen.

(16) Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihre Gesichter und huldigten Gott. (17) Sie sagten: Wir danken dir, Herr, Gott, du Allherrscher, der ist und der war, dass du deine große Kraft in Anspruch genommen hast und König wurdest. (18) Und die Völker wurden zornig und es kam dein Zorn und für die Toten die Zeit, gerichtet zu werden, und deinen Knechten den Lohn zu geben, den Propheten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, die Kleinen und die Großen, und die zu verderben, die die Erde verderben.

(19) Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet. Und es erschien die Lade seines Bundes in seinem Tempel. Und es entstanden Blitze und Stimmen und Donner und ein Erdbeben und großer Hagel.

 

 

Bevor das letzte große Wehe auf Erden eintrifft, ist der Prozess im Himmel bereits abgeschlossen. Im Himmel ist ja der Prozess, in dem die Menschen zum Bewusstsein ihrer wahren Natur erwachen, immer schon abgeschlossen - und das gilt auch für die himmlische Seite eines jeden einzelnen Individuums. Nur die irdische Seite ist ja der Zeit unterworfen, nur sie braucht den Prozess, in dessen Verlauf sie "das Königtum der Welt unseres Herrn und seines Gesalbten" ohne jeden Zweifel erkennt und durch den ihr klar werden wird, was der himmlischen Seite immer schon klar ist, nämlich dass dieses Königtum Bestand hat "in die Äonen der Äonen", "von Ewigkeit zu Ewigkeit", solange die Schöpfung besteht - und darüberhinaus. (15)

Die ersten, die diesen Prozess der Bewusstwerdung durchlaufen haben, sind "die Ältesten". Sie haben längst begonnen, "dem, der ist und der war" dafür zu danken, dass "er seine große Kraft ergriffen hat und König wurde", denn sie haben erfahren: Nur weil Gott seine Schöpferkraft eingesetzt hat, gibt es uns überhaupt und nur dadurch haben wir die Gelegenheit, das größte aller Wunder zu erleben, nämlich dass wir Sterblichen eingehen in die Unsterblichkeit (1 Kor 15, 53f.).

Und wenn wir "Jüngeren" Gott dafür danken, dass er seine ganze Kraft eingesetzt hat, und wenn wir nach seinem Vorbild unsere ganze Kraft einsetzen, dann werden wir entdecken, dass seine göttliche Kraft auch in uns ist. Und dann werden wir durch unsere beschränkte Oberfläche hindurch den unendlichen Alleinen als unseren eigenen Grund erkennen. (17)

"Die Völker" waren verblendet von der Oberfläche. Sie hielten sich für beschränkt und wurden daher zornig. Und in ihrem Zorn rannten sie mit dem Kopf gegen die Wand und begegneten - dem "Zorn Gottes". Sie verstanden nicht, dass die Welt so gebaut ist, dass ein Ziel, das auf einer Illusion aufgebaut ist, nicht erreicht werden kann, sondern dass die Wahrheit an den Tag kommen muss. Damit die Wahrheit aber erscheinen kann, gibt es von Natur aus eine Korrektur, ein "Gericht", in dem das Beschränkte, das Starre und Tote ausgeschieden wird. Die für ihre beschränkten Vorstellungen kämpfen, erfahren dieses "Gericht" als einen äußerst schmerzlichen Prozess. Alle aber, die der lebendigen Kraft in ihrer Tiefe trauen, werden die Früchte, die diese Kraft ihnen bringt, genießen können. (18)

Und für die, die das begreifen, öffnet sich der Tempel Gottes im Himmel. Und da erscheint "die Lade des Bundes" zwischen Gott und den Menschen. Wie damals die Lade mit den Gesetzestafeln der ständige Beweis war für den tatsächlich vorhandenen Bund zwischen Gott und seinem Volk, so wird für jeden Betroffenen jetzt ein neuer, ganz und gar persönlicher Beweis sichtbar und die unermessliche Kraft dieses Bundes wird ihm bewusst. Und Johannes sieht diese Kraft in dem Bild von Blitzen und Stimmen und Donner und Erdbeben und Hagel. (19)

 

 

 

 

 

Die Frau und der Drache

 

 

Mutter Natur bringt ständig unter Schmerzen neues Leben hervor,

unschuldig.

Das Ego will selbst etwas tun, etwas beweisen, etwas sein,

ist eifersüchtig auf die Natur, kämpft gegen sie, sucht, sie zu zerstören

 

 

 

27... 12, 1-6: Die Frau und der Drache

 

(1) Und ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, bekleidet mit der Sonne. Und der Mond ist unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. (2) Und sie ist schwanger. Und sie schreit, weil sie Geburtswehen hat und sich beim Gebären quält.

(3) Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel, und sieh: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und auf seinen Köpfen sieben Diademe.

(4) Und sein Schwanz fegt ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde.

(5) Und der Drache hat sich vor die Frau gestellt, die daran war zu gebären, um, sobald sie gebäre, ihr Kind aufzufressen. Und sie gebar einen Sohn, ein Männliches, der alle Völker weiden wird mit eisernem Stab. Und ihr Kind wurde fortgerissen zu Gott und zu seinem Thron. (6) Und die Frau floh in die Wüste, wo sie einen Platz hat, von Gott bereitet, damit man sie dort nähre tausendzweihundertsechzig Tage

lang.

 

    Ein Zeichen erscheint: eine Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond zu Füßen und einen Kranz von Sternen um ihr Haupt. Sie ist schwanger und gebiert einen Sohn. Wir kennen das Bild. Tausendfach ist es in der sakralen Kunst dargestellt: die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu. Und damit scheint der Fall abgeschlossen. Aber ist das wirklich alles, was Johannes uns sagen will? Wieder einmal sind wir in Gefahr,

uns vom Ballast unserer Geschichte einengen zu lassen und die Gewalt des Bildes nicht zu uns durchdringen zu lassen.

Nüchtern betrachtet, ist die "Frau", die Johannes sieht, offenbar nicht ein konkreter Mensch. Welcher konkrete Mensch könnte denn die Sonne als Kleid tragen? Da sind andere Dimensionen angesprochen, universelle, kosmische Dimensionen. Die "Frau" erscheint zwar in menschlicher Gestalt, ist aber nicht ein Mensch, sondern das schöpferische Prinzip selbst, aus dem alles hervorgeht, die göttliche Mutter Kali, das Symbol des Ursprungs.

Die Sonne ist ihr Kleid. Reines Licht strahlt sie aus. Das Schöpferische ist ja die sich selbst verströmende Energie.

Bevor irgendetwas war, war Gott allein, doch sein Wesen ist von Anfang an das sich Hergeben, die Hingabe. Von Anfang an also ist in Gott der Wunsch, sich nicht für sich zu behalten, sondern sich zu verschenken. Zunächst aber ist es nur ein Verlangen, dunkel, unklar, wie die Erde vor der Erschaffung des Lichts.

Der Grund, auf dem das Schöpferische steht, ist das Licht der Nacht, das unendliche Reich der Träume, der Phantasie, der Ideen. In diesem Reich jenseits der Dinge gründet alles, was ist. Deshalb hat die Frau den Mond zu ihren Füßen.

Und ein Kranz von zwölf Sternen umrankt ihr Haupt. Die Sterne sind ihre Krone. Zwölf Himmelslichter bilden ihre Kronjuwelen. Zwölf wie die zwölf Stämme Israels, wie die zwölf Apostel, wie die zwölf Monate, wie die zwölf Tierkreiszeichen, die ja auch Sternbilder sind und die in ihrer Zwölfzahl die ganze Verschiedenheit aller Zeiten und Räume umfassen. (1)

Und die Frau ist schwanger. Von Urbeginn an ist die Frau schwanger. Sie ist das Bild für den sich selbst entäußernden Schöpfer, der schwanger ist mit dem Wunsch, ein Gegenüber zu haben, in dem er/sie sich selbst erkennen kann.

Und die Frau schreit in ihren Geburtswehen. In der Phase der physischen Ablösung ist der schöpferische Prozess immer ein schmerzhafter Prozess. Nur wenn die Schmerzgrenze überschritten wird, bildet sich etwas wirklich Neues. (2)

 

Und ein zweites Zeichen erscheint: ein Drache. In der chinesischen Kultur ist der Drache das erste Symbol der schöpferischen Kraft, hier aber erscheint er als Gegenspieler des sich selbst entäußernden Schöpfers, beinahe wie in der Gnosis der Herr der Finsternis. So scheint es zunächst. Der Drache will das "Kind" der "Frau" fressen, sobald es geboren ist. (2-4)

Dieser Drache ist offenbar identisch mit der Schlange im Paradies. Von Anfang an hat er die Menschenkinder verführt. Mit dem Diadem auf seinem Kopf hat er sie hypnotisiert. Das Funkeln seiner Brillianten hat sie wie magisch angezogen. Das Symbol seiner Macht hat ihnen imponiert. Von Anfang an schüchtert es sie entweder ein oder es verlockt sie zu glauben, sie könnten selbst göttliche Macht erlangen. Und immer noch verführt das Funkeln der Diademe die Menschen, sich den Mächtigen zu unterwerfen oder selbst nach Macht zu streben und es macht sie glauben, sie könnten im selbstgemachten Glanz erstrahlen und zugleich die Schmerzen des schöpferischen Prozesses vermeiden.

Der Drache ist groß und feuerrot. Es ist eine ungeheure und feurige Kraft, die hinter der Verführung steckt. Sie hat sieben Köpfe und zehn Hörner. Sieben wie die sieben Geister um den Thron, wie die Tage der Schöpfung und wie die Zahl des Männlichen und die Zahl des Weiblichen zusammen. Und zehn wie die zehn Plagen und die zehn Gebote. Zehn ist die Zahl der Vollendung. Mit seinen zehn Hörnern besitzt der Drache ein perfektes Waffenarsenal. Wie die Sieben ist zehn eine heilige Zahl. Der Drache ahmt das Göttliche äußerlich nach, aber seine Kraft hat die Richtung "weg von Gott", "selbst Gott sein", "ihm trotzen". (3)

Um seine Macht zu zeigen, fegt er gleich ein Drittel der Sterne vom Himmel und wirft sie auf die Erde. Im Gegensatz zu der Frau, die einen Kranz von Sternen als Kopfschmuck trägt, will der Drache das Wunder der Schöpfung vernichten. Die ungeschliffene natürliche Schönheit hält er nicht aus, sondern er stellt ihr sein selbstgemachtes und poliertes Diadem gegenüber. (4)

Und doch ist auch der Drache eine göttliche Erscheinung. Genau betrachtet ist er die Kraft der Selbstentäußerung Gottes. Durch den Wunsch Gottes nach einem Gegenüber, durch das er erkannt werde, schuf er diese Kraft. Denn bevor Gott sich in seiner Schöpfung selbst erkennen kann, muss die Schöpfung sich von ihm lösen und selbständig werden. Sie muss zunächst sich selbst behaupten und glauben, sie wäre unabhängig, bis durch die zunehmende Entfernung von Gott die Schmerzen der Entfremdung in den Prozess des Gerichts münden, in dem sich die Illusion der Selbständigkeit auflöst und in dem die Sehnsucht sie umkehren lässt, sodass sie schließlich wieder ihren Grund und Ursprung erkennt. Die von Gott wegstrebende Kraft des Drachens ist also eine für den Prozess der Selbsterkenntnis Gottes notwendige Kraft. Das Feuer des Protests, das aus seinem Rachen schlägt, und die Finsternis, die ihn umgibt, sind also die Phänomene des notwendigen Durchgangsstadiums.

Es sieht so zwar aus, als ob der Drache eine Gott entgegengesetzte Kraft wäre, doch diese Kraft hilft nur, die ursprüngliche Sehnsucht zu erfüllen. Und ohne sie könnte Gott nicht zu sich selber finden. Das gilt es bei allem Weiteren zu bedenken, um nicht in den Irrtum der Gnostiker zu verfallen, die meinen, das Böse sei ein eigenständiges Prinzip. (3f.)

Diese nach Unabhängigkeit und für-sich-Sein strebende Kraft also, der Drache, steht vor der gebärenden Frau, der sich selbst verschenkenden Kraft, und wartet darauf, ihr "Kind" zu verschlingen. Und die Frau lässt sich nicht beirren. Sie gebiert ihr Kind trotzdem. Einerseits scheint sie zwar der Macht des Bösen völlig ausgeliefert zu sein, andererseits aber sehen wir sie mit ihren kosmischen Insignien sicher stehen, in sich selbst ruhend und gelassen. Sie hat keine Angst. Sie läuft nicht weg vor dem Drachen. Sie vollbringt ihre schöpferische Tat trotz der drohenden Vernichtung.

Und sie gebiert etwas Männliches, einen Herrscher - nicht von der Art des Drachen, sondern von ihrer eigenen Art, sie gebiert den Menschensohn. Und während der Drache die Menschenkinder wegführt von ihrem Ursprung, von Gott, bringt der Menschensohn sie wieder zurück. Alle Völker weidet er mit einem unzerbrechlichen Hirtenstab. Durch sein Gericht zwingt er sie, das Abdriften zu stoppen und umzukehren.

Der Sohn also ist die andere Kraft, die die Umkehr bewirkt. Der Sohn ist ja das Ebenbild, das im Kern eines jeden Menschen da ist. Und Frieden ist nicht möglich, solange das Ebenbild nicht mit dem Urbild vereint ist. Der eiserne Hirtenstab des Sohnes ist die ewige Sehnsucht nach Heimkehr, die schließlich irgendwann die Umkehr erzwingt. (5a)

Doch zunächst ist diese Kraft noch ohnmächtig und schutzbedürftig. Und sie wird dem Drachen nicht ausgesetzt. Der Sohn wird entrückt, "fortgerissen" zu Gott und seinem Thron. (5b)

Und auch die Frau bleibt der vernichtenden Kraft des Drachens nicht ausgesetzt. Sie findet Zuflucht in der Wüste. Da hat Gott ihr einen Platz bereitet.

Immer ist der Ort des Schöpferischen die Wüste. Die Not, der Mangel, das Vakuum sind die Basis der Schöpfung. "Not macht erfinderisch." In der kargen Einsamkeit sammeln sich die Kräfte. Was für die anderen ein Horror wäre und der sichere Tod, ist für den, der von Gott kommt, die Rettung, denn für ihn oder sie kommt hier Nahrung von Gott, das Manna. Die Israeliten konnten so überleben, ebenso der Prophet Elias, und auch Johannes der Täufer und Jesus sammelten hier ihre Kraft.

Und wieder dauert der Aufenthalt hier dreieinhalb Jahre lang, dreieinhalb, die Hälfte eines vollständigen Zyklus. Für die Auserwählten ist die Zeit des Leidens also abgekürzt. (6)

 

 

 

 

 

 

28... 12, 7-12: Der Sturz des Drachen

 

(7) Und ein Krieg entstand im Himmel. Der "Wer ist wie Gott" ("Michael") und seine Engel führen Krieg mit dem Drachen. Und der Drache führte Krieg und seine Engel, (8) doch er schaffte es nicht. Und ihr Platz war im Himmel nicht mehr zu finden.

(9) Und der große Drache wurde geworfen. Die alte Schlange, die Teufel heißt, und der Satan, der den ganzen Erdkreis irreführt, er wurde auf die Erde geworfen. Und seine Engel wurden mit ihm geworfen.

(10) Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel, die sagte: Jetzt ist es da, das Heil und die Kraft und das Königtum unseres Gottes und die Macht seines Gesalbten, weil der Ankläger unserer Brüder gestürzt wurde, der sie vor unserem Gott bei Tag und bei Nacht verklagte.

(11) Und sie besiegten ihn durch das Blut des Lammes und durch das Wort ihres Zeugnisses. Und sie liebten ihr Leben nicht bis zum Tod. (12) Deswegen freut euch, ihr Himmel und die in ihnen zelten!

Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel mit großer Wut zu euch hinabstieg, wissend, dass er wenig Zeit hat.

 

Das Kind und die Frau sind in Sicherheit, sie auf der Erde und das Kind bei Gott. Der Kampf aber findet zunächst im Himmel statt. Da kämpft der Drache gegen den Erzengel Michael, den Wächter des Paradieses. (7a)

Der Drache befindet sich im Himmel, er ist ein himmlisches Wesen. Er will sich Gott gegenüberstellen, ihm gleich sein. Deshalb fordert er den "Wer ist wie Gott?" heraus. Der Drache kann diesen Kampf nicht gewinnen. Er ist doch nur eine geschaffen Kraft, eine isolierte Tendenz aus dem Wunsch Gottes, sich ein Gegenüber zu schaffen, nämlich die Kraft, die das Gegenüber möglich macht durch die Entfernung von Gott. (7f.)

Indem er sich Gott aber gegenüber stellt - wie es seiner Natur entspricht - verliert der Drache seinen Platz im Himmel, sein Ort ist da nicht mehr auffindbar. Samt seinen Boten findet er sich auf die Erde geworfen. Und jetzt erfahren wir die irdischen Namen des Drachen: "alte Schlange", "Teufel", "Satan". Das ist der Drache für die Menschen.

Typisch an den Schlangen ist ihre wellenförmige Fortbewegungsart. Die Welle ist auch das Symbol der Zeit und der Vergänglichkeit. Typisch ist auch ihre Geräuschlosigkeit. Heimtückisch schleichen sie und unvermutet sind sie plötzlich da. Und genauso schleichen sich bei den Menschen die verführerischen Gedanken ein und schlüpfen durch alle Sicherungen hindurch.

Die alte Schlange wird auch "Teufel" genannt, "Diabolos", d.h. Verleumder, Verwirrer. Sie spielt ein durchtriebenes Spiel. Auch das Wort "Satan" hat die gleiche Bedeutung. Der Satan ist der "Störer", weil er von je her den Weg der Menschen zu Gott stört. Den ganzen Erdkreis führt er in die Irre. Aber im Himmel hat er ausgespielt. Dort wurde er durch Michael hinausgeworfen. (9)

Und von dort kommt jetzt wieder eine Stimme und sie verkündet die vollbrachte Erlösung: Die Kraft des Unheils ist besiegt. Und das Heil und die Kraft und das Königtum Gottes steht im Himmel ungefährdet und konkurrenzlos da. Auch wenn auf der Erde der Kampf erst bevorsteht, im Himmel ist die Erlösung schon vollbracht, denn der, der unsere Brüder vor Gott verklagt hat, ist hinausgeworfen worden. (10)

Die Brüder selbst haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes.

Allein das Lamm konnte das Buch mit den sieben Siegeln öffnen. Absicht kann das Geheimnis des Lebens nicht durchdringen, nur die Unschuld kann es. Absicht liebt das Leben und hält es fest, Unschuld lässt es los, wenn die Wahrheit es verlangt. In Jesus ist die Unschuld des Lammes erschienen und viele sind ihm nachgefolgt. Und damit haben sie die Anklage, die die alte Schlange erhoben hat, entkräftet und den Ankläger selbst als Lügner entlarvt.

So wie Jesus vor Gott angeklagt und in seinem Namen zum Tode verurteilt worden ist, so wurden auch seine Nachfolger vor Gott angeklagt und in seinem Namen verurteilt. Aber dass die Wahrheit ihnen lieber war als ihr Leben, hat den Ankläger besiegt. (11)

Die Himmel und die darin wohnen, freuen sich. Ihre Not ist zuende. Aber wehe der Erde, denn ihren Bewohnern steht der Kampf erst bevor. Und ihr Gegner ist zu allem entschlossen, denn er weiß, dass seine Zeit beschränkt ist.

Die Sphäre der Zeit ist immer beschränkt, unbeschränkt ist nur die Ewigkeit. Die Zeit der Absicht und der Berechnung, die Zeit der Vorstellungen und Identifikationen geht irgendwann zuende. Dann kommt die Stunde der Wahrheit. Deshalb arbeitet der Teufel mit aller Kraft. Er ist wütend, weil sein wie Gott Sein nicht anerkannt wurde und in dieser Wut arbeitet er wie besessen, um sich zu beweisen, obwohl er schon weiß, dass er bereits besiegt ist, dass er bereits aus dem Himmel hinausgeworfen worden ist. - Und genau diese Wut erleben auch wir, wenn wir bemerken, dass unsere gescheiten Pläne nicht ziehen, wenn wir sehen, dass unser Versuch zu beweisen, dass wir wer sind, nicht angenommen wird. (12)

 

 

 

 

 

 

29... 12, 13-18: Der Drache beginnt den Kampf gegen die Frau

 

(13) Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen wurde, verfolgte er die Frau, die den Männlichen geboren hatte. (14) Und der Frau wurden zwei Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in der Wüste zu ihrem Ort fliege, dort wo sie genährt wird eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, geschützt vom Anblick der Schlange.

(15) Und die Schlange warf aus ihrem Maul Wasser hinter der Frau her, wie einen Strom, um sie vom Strom fortschwemmen zu lassen.

(16) Und die Erde half der Frau. Und die Erde öffnete ihren Mund und die trank den Strom auf, den der Drache aus seinem Mund geschleudert hatte.

(17) Und der Drache wurde zornig auf die Frau. Und er ging fort, um mit den übrigen ihrer Nachkommenschaft Krieg zu machen, mit denen, die die Gebote Gottes bewahren und die das Zeugnis von Jesus haben.

(18) Und er stellte sich auf den Sand des Meeres.

 

Der Drache und die Frau sind die beiden Erzfeinde von Anfang an, die Frau eben als das schöpferische Prinzip, das unter Schmerzen gebärt, und der Drache als die Kraft des für sich Seins, der Absonderung, der Entfernung vom Ursprung. Diese Kraft hat den Menschen das Paradies genommen und diese Kraft wird immer hinter dem Schöpferischen und den Geschöpfen her sein, genau so wie es in der Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies beschrieben wird:

"Und Feindschaft will ich setzen zwischen dich und das Weib und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zermalmen und du wirst ihn in die Ferse stechen." (Gen 3, 15).

 

Der Drache und die Frau, beide sind jetzt auf der Erde. Im Himmel ist ihre Auseinandersetzung bereits gelöst. Doch die Irdischen werden damit erst konfrontiert. Im Himmel hat der Drache den Kampf bereits verloren, so versucht er jetzt hier auf Erden sein Glück und er verfolgt die Frau, die den Männlichen geboren hat. (13)

Das Männliche, das aus dem schöpferischen Prinzip hervorgeht, strebt himmelwärts. Es wird die Wegbewegung, die von der Schlange kommt, schließlich umkehren. Das weiß die Schlange - und wie die Könige Nimrod, Pharao und Herodes, versucht sie, das Kind zu töten, doch das Kind wird entrückt und die Mutter wird in die Wüste versetzt. Als der Drache seinen Stand im Himmel verliert und sich auf die Erde geworfen sieht, jagt er der Frau nach, doch der Frau werden Flügel des Adlers gegeben, damit sie in der Wüste zu ihrem Ort fliegen kann. (13f.)

Wenn sich das schöpferische Prinzip von der Kraft der Entfremdung bedroht sieht, wachsen ihm Flügel. Die schöpferische Kraft der Künstler in Not ist bekannt. Sie ist ein Beispiel für das Wachsen solcher Flügel. Auch den Israeliten wuchsen auf ihrer Flucht aus Ägypten gewissermaßen Flügel, durch die sie der Verfolgung durch den Pharao entkommen konnten. Auch als die Israeliten in der Babylonischen Gefangenschaft von der völligen Auslöschung bedroht waren, wuchsen ihnen Flügel und sie konnten in ihre Heimat zurückkehren und wurden sogar voll rehabilitiert.

Auch die Sprünge in der Evolution sind wie das Wachsen solcher Flügel. Ein Beispiel: Es gibt eine Wasserschildkrötenart, die im Fluss lebt und die sich von ihren Artgenossen im Meer nur durch ein winziges Detail unterscheidet, einen seltsamen Auswuchs auf der Zunge. Die Wissenschaftler nehmen als sicher an, dass diese Schildkrötenart von der anderen im Meer abstammt und dass sich ein evolutionärer Sprung ereignet hat. Nur, bei der nahezu unendlichen Zahl möglicher zufälliger Mutationen ist gerade diese sehr unwahrscheinlich. Verständlich wird die Veränderung aber, wenn wir uns in die Lebenssituation der Tiere hineinversetzen:

Jeder, der das Meer und die Fülle der Lebewesen darin kennt, weiß, dass es hier nicht schwer ist, Beute zu finden. Schon mit relativ wenig Anstrengung kann eine Schildkröte da einen Fisch erjagen. Im Fluss jedoch ist die Lage anders. Im Fluss sind die Fische viel scheuer und viel wendiger. Eine Schildkröte hat es da nicht leicht, ihren behäbigen Körper so zu steuern, dass sie einen Fisch zu fassen kriegt. Und so könnte es gut sein, dass so manche dieser in den Fluss abgewanderten Schildkröten an Hunger starb. Umso größer aber die Not wurde, umso genauer beobachteten die Überlebenden die Gewohnheiten ihrer Beutetiere. Und da war es gewiss ein zu seinem vollen Bewusstsein gekommenes Tier, in dem das Beobachtete zu einer biologischen

Mutation führte. Diese Schildkröte sah immer wieder ein Bild: Aus dem Boden des Flusses windet sich ein Wurm und das sieht ein Fisch und schon ist er da, um ihn zu fressen. "Ein solcher Wurm müsste sich in meinem Maul winden! Dann bräuchte ich nur mit offenem Maul in einer Ecke stehen und warten. Und jedesmal, wenn ein Fisch vorbeischwimmt, ringelt sich der Wurm aus meiner Zunge heraus und erregt die Aufmerksamkeit des Fisches. Der, gierig nach der fetten Beute, will den Wurm fassen, und da klappe ich mein Maul zu und der Fisch gehört mir. Das wäre die Lösung!" Und in diesem Bewusstsein und in der Todesnot, in der sich dieses Tier befand, entwickelte sich ein Ei und wurde befruchtet. Und dieses Ei hatte etwas Neues. Als das Tier später seine eigene Nahrung finden musste, hatte es das geeignete Instrument: den Wurm aus der Zunge. Und es wusste auch schon, ihn einzusetzen!

Immer wieder kommt die Rettung in höchster Todesnot. So kommt das Manna zu den Israeliten in der Wüste. Und so kommt der Heilige Geist zu den Aposteln. Sie alle, die sich der schöpferischen Kraft ganz zur Verfügung stellen, werden an einen sicheren Ort geführt. Und dort werden sie genährt, eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit, also wieder dreieinhalb, die Hälfte eines vollständigen Zyklus von sieben, lange genug, damit sich das, was sich ihnen entrungen hat, entwickeln kann und lange genug, um sich zu erholen und vorzubereiten auf den bevorstehenden Kampf. (14)

Die Schlange aber gibt noch nicht auf. Sie speit einen Strom von Wasser hinter der Frau her, um sie in den Fluten zu ertränken. Doch die Erde öffnet ihren Schlund und trinkt den Strom auf. Der Pharao schickt seine Truppen hinter den Israeliten her, doch sie werden vom Roten Meer verschlungen. Die Juden schicken ihre Häscher hintern den Anhängern Jesu her, doch letzten Endes setzen diese sich durch.

Der Strom, den der Drache ausspeit, ist auch etwas Geistiges. Die Gefahr, die vom Drachen ausgeht, erscheint ja auch im Bewusstsein der Frau. Sie hat Angst und damit ist der Strom des Drachen schon in ihr. Doch auch in ihr tut die Erde ihren Mund auf und verschlingt den Strom. Die Frau hat Vertrauen und in dem Vertrauen versiegt ihre Angst. (15f.)

Dass er der Frau nichts anhaben kann, macht den Drachen zornig. Und er versucht sich an ihr zu rächen, indem er ihre Nachkommenschaft bedroht, diejenigen, die dem Männlichen folgen, die bereits auf dem Weg sind zurück ins Paradies. Sie müssen sich nun in dem Kampf bewähren. Ihre Entschlossenheit muss sich zeigen. Durch süße Verführung und durch brutale Bedrohung wird er versuchen, sie vom Weg abzubringen. (17)

    Und in dieser Absicht stellt er sich an den Strand des Meeres. (18)

 

 

 

 

 

 

 

Die spektakulären, aber illusionären Phänomene des Ego

verführen die meisten

 

 

32: Die sich nicht verführen lassen

 

 

 

 

 

30... 13, 1-10: Das Tier aus dem Meer
 

(1) Und aus dem Meer sah ich ein Tier heraufsteigen. Es hatte zehn Hörner und sieben Köpfe und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung.

(2) Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther, und seine Tatzen wie die eines Bären und sein Maul wie das eines Löwen.

Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht.

(3) Und ich sah einen von seinem Köpfen wie zu Tode geschlachtet, und der Schlag seines Todes wurde geheilt. Und die ganze Erde staunte hinter dem Tier her, (4) und sie huldigten dem Drachen, weil er dem Tier Macht gab und sie huldigten dem Tier und sagten: Wer ist dem Tier ebenbürtig und wer kann Krieg mit ihm führen?

(5) Und ein Mund wurde ihm gegeben, großes zu sprechen und Lästerungen. Und es wurde ihm die Macht gegeben, zweiundvierzig Monate lang zu wirken. (6) Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und sein Zelt und die, die im Himmel zelten.

(7) Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu machen mit den Heiligen und sie zu besiegen. Und Macht wurde ihm gegeben über jeden Stamm und Volk und Zunge und Völkerschaft.

(8) Und alle Bewohner der Erde werden ihm huldigen, jeder, dessen Name nicht seit Grundlegung der Welt geschrieben steht im Buch des Lebens des geschlachteten Lammes.

(9) Wenn einer ein Ohr hat, so höre er! (10) Wenn einer in Gefangenschaft soll, geht er fort in Gefangenschaft; wenn einer mit dem Schwert getötet werden soll, wird er mit dem Schwert getötet. Hier ist die Ausdauer und der Glaube der Heiligen.
 

Der Drache stellt sich auf den Sand des Meeres und da taucht aus dem Meer ein Tier auf, das dem Drachen fast völlig gleicht. Nur hat das Tier die Diademe auf den Hörnern und nicht, wie der Drache, auf den Köpfen. Vom Funkeln der Waffen kommt die Faszination, die er auf die Bewohner der Erde ausübt.

Wer denkt da nicht an Hitler und die Nazis? Aber wir sollten es dabei nicht bewenden lassen, denn es sind nicht nur diese und überhaupt nicht nur andere, die sich von der Faszination der Macht blenden lassen, auch wir selbst sind immer wieder in Gefahr, dieser Faszination zu erliegen.

Und auf seinen Köpfen trägt es Namen, die eine Lästerung sind. So wie sich die Nazis damals den Titel "Herrenmenschen" gaben, und wie sie damit den in allen Menschen anwesenden Gott lästerten, so sind auch wir manchmal geneigt, uns für etwas Besseres zu halten und auf die anderen herunterzuschauen und das Ebenbild Gottes in ihnen und damit gleichzeitig auch in uns selbst zu verleugnen. Was für Rechtfertigungen wir uns dafür auch immer zurechtgelegt haben, es sind die Namen der Lästerung auf dem Kopf dieses Tieres, das in diesem Moment wir selber sind! (1)

Und dieses Tier ist wie ein Panther, so elegant und schnell und so stark wie ein Bär, und so mutig wie ein Löwe, und so majestätisch. Es ist eindrucksvoll. Es fasziniert, es erregt den Wunsch, auch so zu sein.

Und der Drache, die alte Schlange, die das Tier aus dem Meer hevorgeholt hat, gibt ihm seinen Thron und große Macht. (2)

Der Drache holt dieses Tier immer wieder aus dem Meer hervor. Und zwar nicht irgendwo an der Adria oder im Pazifik, sondern genau da, wo du jetzt bist. Denn das Meer ist nicht ein Meer von Wasser, sondern ein Meer von Menschen und ein Meer unbewußter Kräfte. Daraus ruft der Drache das Tier hervor. Und du selbst wirst vielleicht zu dem Tier oder zu einem seiner Opfer. Also wach auf und sieh dich vor! (1)

Viele haben schon geglaubt, die könnten das Tier töten, genauso wie viele glauben, sie könnten die Monster in ihren Träumen töten. Doch kaum haben sie einen Kopf abgeschlagen und sie glauben sich schon als Sieger, da müssen sie mit Entsetzen sehen, daß das Monster zu neuem und noch fürchterlicherem Leben erwacht. (3)

Es ist nicht möglich, das Monster zu töten - vielmehr "wird der, der das Schwert ergreift, duch das Schwert umkommen" (Mt 26, 52). Es gibt nur eine Art, dem Tier zu begegnen, nämlich ihm furchtlos gegenüberzutreten im Vertrauen auf die Verheißung der Auferstehung. So ist Jesus ihm gegenübergetreten und so hat er über das Tier gesiegt, nicht indem er es bekämpft hat, sondern indem er seinen Weg trotz der tödlichen Bedrohung unbeirrt weitergegangen ist.

"Die ganze Erde" aber geht einen anderen Weg. Die gefallenen Menschen bestaunen das Tier. Sie huldigen dem Drachen und sie huldigen dem Tier, denn sie gieren nach Macht, und sie sehen die Macht, die das Tier hat. Und indem sie sich mit dem Tier identifizieren, glauben sie selbst Macht zu bekommen. Sie begreifen nicht, daß sie damit nur Sklaven werden und daß sie ihre eigene Gottebenbildlichkeit verspielen. (3f.)

Und das Tier spricht groß auf. Zweiundvierzig Monate lang kann es seine Macht zeigen. Und zweiundvierzig Monate sind wieder dreieinhalb Jahre, wieder die Hälfte des vollständigen Zyklus. Die Zeit der Macht des Tieres ist beschränkt. Und so endet auch die Macht der meisten Diktatoren abrupt vor der geplanten Zeit, wie das "Tausendjährige Reich" der Nazis, das nur zwölf Jahre überdauerte. Den Treuen wird versichert, daß ihre Zeit der Bedrängnis vorübergeht, daß sie absehbar ist, daß sie es schaffen können, durchzuhalten. (5)

Und das Tier lästert Gott und den Himmel und alle, die zu ihm unterwegs sind: Wie schwach sie doch sind, die nicht auf ihre eigene Stärke bauen! (6)

Und das Tier führt Krieg gegen die Heiligen und die Heiligen unterliegen! Und das Tier unterwirft sich jeden Stamm und jedes Volk und alle Menschen aller Sprachen und Nationen - es unterwirft sich alle, deren Namen nicht seit Grundlegung der Welt eingetragen sind im Buch des Lebens. (7f.)

Wer ist eingetragen im Buch des Lebens? Alle, die dem Lamm folgen, das nicht gegen den Drachen gekämpft hat, sondern das sich schlachten ließ. Und so wird es auch den Heiligen in dem Krieg gehen, den das Tier gegen sie führt. Sie werden besiegt werden. Einige werden gefangen genommen, andere getötet werden. Und in dieser Bedrängnis wird sich zeigen, wer standhaft bleibt, wessen Glaube groß genug ist. Ihr Name ist von Anbeginn der Welt eingetragen im Buch des Lebens.

Ihr Name ist nicht "Heinrich Müller" oder "Gretchen Huber", sondern ihr Name ist "Kind Gottes" oder "Ebenbild Gottes" und ihre Kraft ist nicht die, die sie sich aufgebaut haben, sondern es ist JAHWE, die kosmische Kraft.
 

Doch noch ein zweites Tier erscheint:
 
 
 
 
 
 

31... 13, 11-18: Das Tier aus der Erde
 

(11) Und ich sah ein anderes Tier heraufsteigen aus der Erde. Und es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, und es redete wie ein Drache.

(12) Und die ganze Macht des ersten Tieres wirkt es vor ihm. Und es bewirkt, daß die Erde und die auf ihr wohnen dem ersten Tier huldigen, an dem der Schlag seines Todes geheilt wurde. (13) Und es wirkt große Zeichen. Es bewirkt, daß sogar Feuer aus dem Himmel auf die Erde herabsteigt vor den Menschen. (14) Und es führt die Bewohner der Erde durch die Zeichen irre, die es vor dem Tier wirken konnte. Und es sagt den Bewohner der Erde, sie sollen ein Bild machen für das Tier, das den Schlag des Schwertes abbekommen hat und überlebte.

(15) Und es war ihm auch gegeben, dem Bild des Tieres Geist zu geben, damit das Bild des Tieres auch rede und bewirke, daß alle, die dem Bild des Tieres nicht huldigen, getötet würden. (16) Und es bewirkt, daß alle, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Sklaven, sich ein Prägezeichen auf ihre rechte Hand machen oder auf ihre Stirn, (17) und daß niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Prägezeichen hat: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.

(18) Hier ist die Weisheit. Der Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn sie ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.
 

Das zweite Tier kommt aus der Erde und es ist dem ersten ganz zu Diensten. Eigentlich hätte es ein Lamm werden sollen, doch es ist dem Monster verfallen. (11, siehe auch Kommentar zu 18)

Wir kennen dieses Tier. Es begegnet uns in all den Befehlsempfängern, die aus ihrer Not eine Tugend machen und die aus ihrer Angst heraus die monströsen Befehle ihrer monströsen Herrn nicht nur peinlichst ausführen, sondern auch noch mit jener Prise eigenen Sadismus' würzen, mit dem sie sich für den Schmerz ihrer eigenen Unterwerfung an ihren Opfern rächen. Aber wir kennen dieses Tier nicht nur aus der Geschichte und aus unserer Umgebung, wir kennen es auch von uns selbst, denn auch wir rächen uns ja fast zwanghaft an den Schwächeren (oder an unserem eigenen Organismus!) für jede Unterwerfung, gegen die wir uns nicht zu wehren wagen.

Diese kleinen Befehlsempfänger (wir!) sind es, die die Herrschaft des ersten Tiers in die entlegensten Winkel dieses Planeten tragen. Durch uns also wird der Kult des tierisch Brutalen, dessen Lebenskraft sich immer wieder erneuert, auch wenn es schon tödlich getroffen scheint, bei allen Bewohnern der Erde durchgesetzt. (11f.)

Diese kleinen Befehlsempfänger sind es, die zusammen große Zeichen tun; sie holen sogar das Feuer vom Himmel herab, meistens in Form von Bomben und Granaten. Durch ihre Macht führen sie alle in die Irre. Und diese kleinen Befehlsempfänger befehlen den Leuten, daß sie ein Bild machen sollen für das gotteslästerliche Monster, das schon tödlich verwundet war und das dennoch überlebte. (14)

Diese kleinen Befehlsempfänger vermögen es sogar, dem Bild von dem Monster Geist zu verleihen, so daß es sprechen und die Tötung aller anordnen kann, die dem Bild nicht huldigen. Auch das kennen wir: Die Maschinerie totalitärer Staaten und Organisationen, die schnell von selber läuft und alle zermalmt, die ihr nicht gehorchen. Aber nocheinmal: Schau, wo du selbst zum kleinen Rädchen so einer Maschinerie wirst. Schau, was dich dazu bringt, wo die Haken und Ösen bei dir sind, in die das Tier einhakt. Solange wir nicht wirklich wiedergeboren sind aus dem Geist spielen wir alle in diesem Spiel mit, ob wir wollen oder nicht. (15f.)

Schließlich - und auch das kennen wir von uns selbst - prägen sich die Menschen freiwillig das Prägezeichen des Tieres auf. Nur nicht auffallen, dazugehören um jeden Preis, gebietet ihre Angst. Das ganze geht so weit, daß am Ende aufgrund der allgemeinen unausgesprochenen Übereinstimmung in dieser Angst alle aus dem Güteraustausch/Stoffwechsel ausgeschlossen werden, die das Prägezeichen des Tieres nicht tragen. (17)

Und der Name des Tieres oder die Zahl seines Namens, ist die Zahl eines Menschen - denn der Mensch ist dieses Tier, das aus der Erde heraufsteigt. Genauer, es ist seine irdische - im Gegensatz zur himmlischen Seite. Die Zahl ergibt sich aus der Addition der Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben für das griechische Wort Therion (Tier), bestehend aus TAU, RESCH, JOD, WAU, NUN = 400 + 200 + 10 + 6 + 50 = 666. (18)
 
 
 
 
 
 

32... 14, 1-5: Das Lamm und sein Gefolge
 

(1) Und ich blickte auf und sieh: Das Lamm steht auf dem Berg Sion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters auf ihren Stirnen geschrieben haben.

(2) Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel wie eine Stimme vieler Wasser und wie eine Stimme eines großen Donners. Und die Stimme, die ich hörte, war wie von Musikern, die auf ihren Kitharas spielen. (3) Und sie singen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Lebewesen und den Ältesten. Und keiner konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die von der Erde losgekauft sind.

(4) Es sind die, die sich nicht mit Frauen befleckten, denn sie sind jungfräulich. Es sind die, die dem Lamm nachfolgen, wohin immer es geht. Diese wurden von den Menschen losgekauft als Erstlingsgabe für Gott und für das Lamm, (5) und eine Lüge wurde in ihrem Mund nicht gefunden (Zef 3, 13; Jes 53, 9). Fehlerlos sind sie.
 

Der Berg Zion ist der Gipfel des Gelobten Landes. Das Lamm hat das Ziel des Lebens erreicht und mit ihm die Menge derer aus allen Völkern und allen Zeiten, die die Kontrolle über ihr Leben an ihren göttlichen Ursprung zurückgegeben haben. Sie stehen an der Spitze des Möglichen. (1)

Und wieder erschallt die Stimme aus dem Himmel, die alles in sich enthält vom Feinsten bis zum Gewaltigsten. Und die Stimme verwandelt sich in den Klang von Lautenspiel und Gesang. Und Johannes hört, wie vor dem Thron ein neues Lied ertönt. Schon in den Psalmen (33,3; 40,4; 96,1; 98,1; 149,1) geht es immer wieder darum, daß Gott ein neues Lied gesungen werden soll und nicht das alte. Den Unerlösten fällt kein neues Lied ein; sie wiederholen nur die abgedroschenen Phrasen. Ihre Vorstellungswelt läßt nichts Neues zu. Daß ein neues Lied kommt, ist daher schon ein Zeichen der Erlösung. Das neue Lied kommt ja vom Geist und nur die Erlösten sind offen für ihn. (2f.)

Die hundertvierundvierzigtausend haben den Namen des Lammes und den seines Vaters auf ihre Stirnen geschrieben. Sie sind deren Eigentum. Sie sind losgekauft von der Erde. Ihr Bindungen sind gelöst, sie sind frei für die Wahrheit. Sie haben "sich nicht befleckt mit Frauen". Das bedeutet nicht, daß sie keinen Geschlechtsverkehr haben, sondern daß ihr Bewußtsein nicht erfüllt ist von der Gier nach den schönen Dingen des Lebens. Die "Frau" steht in der Bibel nämlich nicht für weibliche Individuen, sondern für das Irdische, das Äußerliche, für die Erscheinung, im Gegensatz zum Himmlischen, zum Wesenskern, das durch den "Mann" symbolisiert wird. Die Erlösten sind jungfräulich. Sie stehen allem, dem sie begegnen unvoreingenommen gegenüber. Jede Situation ist für sie neu. Sie werden nicht durch Urteile gelenkt, die in der Vergangenheit gebildet wurden. Sie stellen der Realität nicht eigene Vorstellungen entgegen. Wie ein Lamm lassen sie sich führen von dem, was in diesem Moment da ist, was immer das sein mag. Sie wurden losgekauft von den Menschen und der Kaufpreis war das Leben des archetypischen Lammes, das Leben Jesu. Und sie behalten ihr Leben nicht für sich, sondern sie widmen es Gott und dem Lamm. Und deshalb sind sie ohne Lüge und Fehler. (4f.)

 

 

 

 

 

Die Wahrheit zeigt sich

 

36: Sieben biologische Reaktionen auf die Blockade der Energie

37-40: Das Ende der Ersatzbefriedigung

41: Der eigentliche Herr des Lebens zeigt sich

42: Das Ego wird vernichtet

 

 

 

33... 14, 6-13: Die Ankündigung des Gerichts

 

(6) Und ich sah einen anderen Engel in der Himmelsmitte fliegen, der ein ewiges Evangelium zu verkünden hatte an die Besitzer der Erde und an jede Völkerschaft und jeden Stamm und jede Sprache und jedes Volk. (7) Er sagte mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre, denn die Stunde des Gerichts ist gekommen. Und huldigt dem, der den Himmel machte und die Erde und das Meer und die Quellen der Wasser!

(8) Und ein anderer, ein zweiter Engel folgte und sagte: 'Es fiel, es fiel Babylon, die Große, die alle Völker aus dem Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei getränkt hat.

(9) Und ein anderer, ein dritter Engel folgte ihnen und sagte mit lauter Stimme: Wenn einer dem Tier huldigt und seinem Bild und ein Prägezeichen empfängt auf seine Stirn oder auf seine Hand, (10) wird er auch den Wein der Leidenschaft Gottes trinken, der unvermischt eingeschenkt ist im Becher seines Zorns. Und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor heiligen Engeln und vor dem Lamm. (11) Und der Rauch ihrer Qual steigt auf in Äonen Äonen. Und keine Ruhe haben Tag und Nacht, die dem Tier und seinem Bild huldigen und wenn einer das Prägezeichen seines Namens empfängt.

(12) Hier ist die Ausdauer der Heiligen nötig, die die Gebote Gottes bewahren und den Glauben an Jesus.

(13) Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die im Herrn sterben ab jetzt. Ja, sagt der Geist, damit sie ausruhen von ihren Mühen, denn ihre Werke folgen ihnen nach.

 

Nach der Vision des Himmels, in dem die Geretteten bereits da sind, verkündet nun ein Engel von der Mitte des Himmels her die ewige frohe Botschaft von der Möglichkeit, daran teilzuhaben. Und er verkündet die Bedingung, indem er alle Menschen auf der Erde mahnt, allein Gott zu fürchten und ihm die Ehre zu geben, weil das Gericht bereits begonnen hat. (6f.)

Und ein anderer Engel ergänzt das Bild mit seiner Kehrseite, mit dem im Himmel bereits erfolgten Sturz Babylons, des Archetyps der verführenden Kraft. Ihr Rauschtrank der Verführung durch das Irdische, das Äußerliche, den bloßen Schein hat allen Völkern das Bewusstsein beraubt und sie glauben gemacht, sie könnten sich das Glück erkaufen, während sie doch nur billigen Ersatz bekamen für das Echte, das allein im Himmel zu finden ist. (8)

Und ein dritter Engel erscheint und er warnt die Menschen ganz ausdrücklich vor den Folgen dieser Verführung, die ja unsichtbar sind, solange der Rauschzustand anhält: Wer sich berauschen und prägen lässt von den Werten, die das Tier verkörpert, wird auch vom Rauschtrank der Leidenschaft Gottes trinken müssen. Immer noch nicht zum Bewusstsein gekommen, wird er den Zorn Gottes zu spüren bekommen und er wird gequält werden "in Feuer und Schwefel". (9f.)

Wie aber könnte Gott, der Schöpfer des Universums "zornig" werden? Was das bedeutet, können wir erst verstehen, wenn wir die frohe Botschaft verstanden haben: Du bist ein Ebenbild Gottes, der gleiche göttliche Kern, der in Jesus so klar erschienen ist, ist auch dein eigenes Wesen. Und dieses Wesen möchte auch in dir erscheinen und wenn du ihm erlaubst, zu erscheinen, wirst du selbst so einer wie Jesus. Wenn du es ihm aber nicht erlaubst, weil du deine Vorstellungen pflegst, dann wird dein eigenes Wesen, das du unterdrückst, dich keine Ruhe finden lassen. Es wird dich brennen, wie Schwefel brennt auf der Haut; wie Napalm wird es sich in deinen Köper hineinfressen und dich am Ende sogar umbringen, wenn du sein Wirken bis zuletzt ignorierst.

  Diese Peinigung ist also nicht eine Ausgeburt blutrünstiger Phantasie, sondern sie ist eine Realität. Die Menschen erfahren sie tatsächlich real in ihrem Leben. Wenn sie ihr eigenes Wesen unterdrücken, wird ihr Leben zunächst schal und um die Spannung aufrechtzuerhalten müssen sie es füllen mit allen möglichen Ersatzbefriedigungen, die aber dem Organismus nicht gut tun, und deren Ungleichgewicht sich letzten Endes in ihn einbrennt wie brennender Schwefel.

Und diese Peinigung geschieht "vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm".

Das Lamm ist ja unser Wesenskern. Und die Engel sind die Boten, die ständig versuchen, die Botschaften dieses Wesenskerns an unser Bewusstsein zu leiten. Wenn wir unser Bewusstsein aber "Babylon" verschrieben haben, können ihre Botschaften nicht durchdringen und sie und das Lamm müssen unsere Qual mitansehen. (10)

 Von einem Zeitalter zum nächsten brennt das Feuer ihrer Qual. Und die das Tier anbeten und die nach seinem Bild leben und die geprägt sind von seinem Geist, haben keine Ruhe Tag und Nacht. (11)

Auch die Heiligen sind dieser Prägung ausgesetzt. Auch sie müssen in dieses Feuer, um darin gereinigt zu werden. Und sie werden Rückfälle erleben und neue Qual. Deshalb brauchen sie Ausdauer im Bewahren der Gebote Gottes und im Glauben an Jesus, der ihnen diesen Weg vorangegangen ist. (12)

Der Weg ist mühsam, so mühsam, dass nun eine Stimme aus dem Himmel schon die Toten selig preist, die im Geist Jesu sterben, denn sie können nun ausruhen von ihren Mühen, weil ihre Werke nicht verloren gehen. (13)

 

 

 

 

 

34... 14, 14-20: Die Stunde der Ernte

 

(14) Und ich sah, und sieh: Eine weiße Wolke, und auf der Wolke sitzt einer gleich dem Sohn eines Menschen. Auf dem Kopf hat er einen goldenen Kranz und in seiner Hand eine scharfe Sichel.

(15) Und ein anderer Engel kam heraus aus der Gotteswohnung und schrie mit lauter Stimme dem, der auf der Wolke saß, zu: Schicke deine Sichel und ernte! Denn die Stunde zu ernten ist gekommen, weil die Ernte der Erde ausgetrocknet ist.

(16) Und der auf der Wolke saß, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet.

(17) Und ein anderer Engel kam heraus aus der Gotteswohnung im Himmel. Auch er hatte eine scharfe Sichel. (18) Und ein anderer Engel kam aus dem Altar. Er hatte Vollmacht über das Feuer, und er schrie mit lauter Stimme dem, der die scharfe Sichel hatte, zu: Schicke deine scharfe Sichel und ernte die Trauben des Weinstocks der Erde ab, denn seine Beeren sind reif. (19) Und der Engel warf seine Sichel auf die Erde und er erntete den Weinstock der Erde ab. Und er warf die Trauben in die Kelter der großen Leidenschaft Gottes. (20) Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten. Und aus der Kelter heraus kam Blut bis zum Zaumzeug der Pferde, an die tausendsechshundert Stadien.

 

Jetzt ist der Zeitpunkt des endgültigen Gerichts gekommen. Der Menschensohn erscheint auf einer Wolke, dem Symbol des Nichtwissens, der Unklarheit und der Fruchtbarkeit. Er handelt nicht aus seinem Wissen heraus, sondern er lässt sich aus seinem Vertrauen auf den Vater heraus lenken. Dadurch ist er der bekränzte Sieger von Anfang an. Und auch jetzt, wo er die Ernte einbringt, bestimmt nicht er den Zeitpunkt, sondern ein Engel gibt ihm das Zeichen. (14f.)

Ein Engel ist ein "Bote Gottes". Von woher kommt seine Botschaft? Sie kommt direkt von der anderen Seite, von dem betroffenen Partner. Der Menschensohn existiert ja nicht für sich, er ist unmittelbar verbunden mit allem. Und daher empfängt er jede Botschaft genau im richtigen Moment. Das zu Erntende selbst also sagt "ihm", dass es reif ist.

Diejenigen, die ihrem Tod sehr nahe waren und zurückkamen, berichten, sie wären zurückgekommen, weil sie noch etwas zu erledigen hatten. In Todesnähe haben sie ihr Leben aus der Perspektive des Menschensohnes gesehen und da haben sie auch gesehen, dass sie noch nicht reif waren zur Ernte und so sind sie ins Leben zurückgekehrt. Der Menschensohn hatte seine Sichel noch nicht geworfen. Aber in jedem von uns hält er sie zu jeder Zeit bereit. (15f.)

 

Und da ist noch ein anderer Bote Gottes mit einer Sichel. Er kommt aus dem Tempel im Himmel. Und ein weiterer Engel, der aus dem Altar des Tempels kommt und der die Vollmacht über das Feuer hat, befiehlt ihm, die Trauben vom Weinstock der Erde abzuernten. Wie schon das Wachstum geschieht auch die Ernte zur Ehre Gottes, damit "er" darin offenbar wird. Und so kommt der Befehl zur Ernte von dem kosmischen Feuer, aus der göttlichen Urkraft, auf die jede Wandlung und damit auch jedes Sein zurückgeht. (17f.)

Und der Engel wirft seine Ernte jetzt - und immer schon - "in die Kelter der großen Leidenschaft Gottes". Und heraus kommt ein Meer von Blut. Es ist der Gegenpol zu jenem Meer von Blut, das täglich auf dieser Welt angerichtet wird, weil die Menschen den Menschensohn nicht erscheinen lassen wollen, weil sie ihre Vorstellungen an seine Stelle gesetzt haben. (19f.)

Und jetzt werden sie "gerichtet": Wenn in einem Menschen das ursprünglich Menschliche (der Menschensohn) nicht erscheinen kann, dann verlangt "die Leidenschaft Gottes", die natürliche Tendenz, die ja aus dem innersten Wesen stammt, eine Korrektur. Und wenn dieser Mensch hartnäckig an seinen Vorstellungen festhält, dann ist jener Berichtigungsprozess grauenhaft für ihn. Dann wird er in der Kelter getreten bis seine Lebenskraft austritt. Und es sind so viele, denen die Wirklichkeit nur durch dieses Grauen zum Bewusstsein kommt, dass ihr "Blut", einer Überschwemmung gleich, ansteigt "bis an die Zügel der Pferde, sechzehnhundert Stadien" weit.

 

 

 

 

 

 

 

35... 15, 1-8: Sieben Engel mit sieben Plagen

 

(1) Und ich sah ein anderes Zeichen am Himmel, groß und wunderbar: Sieben Engel hielten sieben Plagen, die letzten, weil in ihnen die Leidenschaft Gottes vollendet wurde.

(2) Und ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, gemischt mit Feuer. Und die über das Tier siegten und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen am gläsernen Meer und hielten die Lauten Gottes.

(3) Und sie singen das Lied des Mose und des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allherrscher; gerecht und wahr deine Wege, König der Völker. (4) Wer, Herr, wird deinen Namen nicht fürchten und verherrlichen? Er allein ist heilig. Und alle Völker werden kommen und in deiner Gegenwart anbeten, denn deine Rechtsgründe sind offenbar geworden.

(5) Und danach sah ich wie die Gotteswohnung im Zelt des Zeugnisses im Himmel geöffnet wurde. (6) Und die sieben Engel, die die sieben Plagen hielten, kamen aus der Gotteswohnung heraus, bekleidet mit reinem, strahlenden Leinen, und um die Brust umgürtet mit goldenen Gürteln.

(7) Und eines der vier Lebewesen gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen gefüllt mit der Leidenschaft Gottes, der lebt in die Äonen der Äonen.

(8) Und die Gotteswohnung wurde erfüllt mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft. Und keiner konnte in die Gotteswohnung hineingehen, bevor die sieben Plagen der sieben Engel vollendet sein würden.

 

Und nun erscheinen im Himmel die sieben Boten Gottes mit den sieben letzten Plagen, durch die "die Leidenschaft Gottes vollendet" wurde. Die Leidenschaft Gottes beschreibt den ganzen Bogen von seiner Selbstentäußerung bis zur Rückkehr des Entäußerten in die Einheit.

Hindus erzählen in dem Zusammenhang die Geschichte von einer Unterhaltung der Götter über die Frage, warum sich die Menschen nur so schwer an ihren göttlichen Ursprung erinnern. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wollten sie ein Experiment durchführen. Einer von ihnen sollte sich in ein Schwein verwandeln und er selbst und die anderen sollten beobachten, was unter diesen Bedingungen aus seinem göttlichen Selbstbewusstsein wurde. Das Experiment verlief katastrophal. Indra, der sich freiwillig zur Verfügung gestellt hatte, vergaß seine Identität völlig und nur durch eine Notschlachtung kam er wieder zu sich. Und in unserer Geschichte muss Gott sieben Boten zu den Menschen schicken, um sie durch sieben letzte Schläge (Plagen) an ihren Ursprung zu erinnern, damit sich der Lauf der Schöpfung vollenden kann. (1)

Und Johannes sieht eine Art "gläsernes Meer, gemischt mit Feuer". Das Meer, so haben wir gesehen, ist ein Symbol für die chaotische Vielfalt des All-Einen. Und das "gläserne Meer" ist das unter der Aufmerksamkeit der Heiligen kristallisierte Chaos. Es ist aber nicht erstarrt, sondern ein Feuer ist darin, das Feuer der Leidenschaft Gottes, die auch in den Heiligen wirkt. Sie haben ja gekämpft und "gesiegt über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens", also über die Vielfalt seiner Erscheinungsformen. Und weil sie nicht mehr verwickelt sind in den Kampf, haben sie die Ruhe zum Lob Gottes. (2)

Und sie singen das Lied des Mose und das Lied des Lammes. Mose hatte bereits gesiegt über das Tier, wie das Lamm. In ihm war Gott bereits wieder zum Bewusstsein seiner selbst gelangt. Und das Lamm ist das Symbol für diese Rückkehr.

Ewig lobt es die Wunder der göttlichen Kraft, die letzten Endes niemand verborgen bleiben werden. (3f.)

Und dann sieht Johannes die "Wohnung Gottes" im Himmel und wie dort aus dem "Zelt des Zeugnisses" die sieben Engel treten, die den bis jetzt schlafenden Menschen sieben letzte Schläge geben sollen, damit sie endlich zum Bewusstsein ihres Ursprungs erwachen. Es ist keinerlei böse Absicht oder Missgunst in ihnen oder in ihren Schlägen. Sie sind eine durch und durch reine und herrliche Erscheinung. (5f.)

Und eines der vier Lebewesen am Thron Gottes gibt den sieben Engeln sieben Schalen, die angefüllt sind mit der "Leidenschaft Gottes". Aus dem Wunsch Gottes nach Selbsterkenntnis kommt die Schöpfung und dieser leidenschaftliche Wunsch treibt sie voran bis schließlich in den Menschen zum erstenmal die Möglichkeit der bewussten Selbsterkenntnis Gottes auftaucht. Und nun muss dieser Wunsch die Menschen antreiben, die Möglichkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Dieser Antrieb kommt aber nicht von außen. Er ist in den Menschen bereits da. Er gehört zu ihrer Natur. Von Natur aus wollen die Menschen zur Anschauung Gottes gelangen, da sie in ihr ihren Ursprung wiederfinden können, nach dem die ganze Schöpfung seit ihrem Bestehen mit solcher Leidenschaft sucht, dass sie sich selbst zur Komplexität des Menschen hochgeformt hat, damit es geschehen kann. (7)

In dieser Leidenschaft liegt das Lebendige, das die Welt erfüllt durch alle Zeitalter hindurch. So ein Feuer liegt in dieser Leidenschaft, dass Johannes die ganze Wohnung Gottes, also die ganze Schöpfung, erfüllt sieht von seinem "Rauch".

Und die Spannung der Leidenschaft Gottes ist so gewaltig, dass niemand die äußere Hülle der Wohnung Gottes durchdringen und zu Gott hineingehen kann, bevor seine sieben Boten ihre sieben Schläge ausgeführt haben.

 

 

 

 

 

 

36... 16, 1-21: Die sieben Schalen der Leidenschaft Gottes

 

(1) Und ich hörte eine laute Stimme aus der Gotteswohnung zu den sieben Engeln sagen: Geht fort und gießt die sieben Schalen der Leidenschaft Gottes aus auf die Erde!

(2) Und der erste ging weg und er goss seine Schale aus auf die Erde. Und es entstand eine hässliche und böse Wunde an den Menschen, die das Prägezeichen des Tieres hatten und die sein Bild vergötterten.

(3) Und der zweite goss seine Schale aus auf das Meer. Und Blut entstand, wie das eines Toten. Und jedes Lebewesen im Meer starb.

(4) Und der dritte goss seine Schale aus auf die Flüsse und die Wasserquellen. Und Blut entstand. (5) Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der ist und der war, der Heilige, dass du das gewählt hast. (6) Denn Blut von Heiligen und Propheten haben sie vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben. Sie haben es verdient. (7) Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, Gott, der Allherrscher. Wahr und gerecht sind seine Gerichte.

(8) Und der vierte goss seine Schale aus auf die Sonne. Und nun konnte sie die Menschen im Feuer verbrennen. (9) Und mit großer Glut wurden die Menschen verbrannt. Aber sie lästerten den Namen Gottes, der die Macht über diese Plagen hatte, und sie kehrten ihren Sinn nicht um, um ihm die Ehre zu geben.

(10) Und der fünfte goss seine Schale aus auf den Thron des Tieres. Und sein Königtum wurde verfinstert. Und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerz, (11) und sie lästerten den Gott des Himmels wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Wunden, aber sie wandten sich nicht ab von ihren Werken.

(12) Und der sechste goss seine Schale aus auf den großen Fluss, den Euphrat. Und sein Wasser vertrocknete, damit der Weg der Könige, die vom Aufgang der Sonne kommen, bereitet werde.

(13) Und ich sah aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des Lügenpropheten drei unreine Geister kommen wie Frösche; (14) denn sie sind Geister von Dämonen, die Zeichen wirken und die zu den Königen des ganzen Erdkreises herausgehen, um sie zum Krieg des großen Tages Gottes zu versammeln, des Allherrschers. (15) Sieh, ich komme wie ein Dieb. Selig, der wacht und der seine Gewänder bewahrt, damit er nicht nackt umhergehen muss und sie seine Scham sehen können. (16) Und sie versammelten sich an dem Ort, der auf hebräisch 'Harmagedon' heißt.

(17) Und der siebte goss seine Schale aus auf die Luft. Und eine laute Stimme kam vom Thron her aus der Gotteswohnung und sagte: Es ist geschehen. (18) Und Blitze entstanden und Stimmen und Donner. Und ein großes Erdbeben entstand, wie noch keines entstanden war, seit ein Mensch auf der Erde entstand, ein solches Erdbeben, so groß. (19) Und die große Stadt zerfiel in drei Teile, und die Städte der Völker fielen. Und Babylon, die Große, ihrer vor Gott wurde gedacht, um ihr den Becher mit dem Wein der Leidenschaft seines Zornes zu geben. (20) Und jede Insel floh, und Berge konnte man nicht mehr finden. (21) Und ein großer Hagel wie von Zentnerschwere fällt aus dem Himmel herab auf die Menschen. Und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn sein Schlag ist sehr groß.

 

  Aus der Anwesenheit Gottes heraus kommt der Befehl, die "Leidenschaft", also die Lebenskraft Gottes auf die Erde zu bringen. (1)

 

Und wie der erste Bote seine Botschaft übermittelt, entsteht eine böse Wunde an den Menschen, die vom Tier geprägt sind. Und Johannes spricht da nicht von irgendwelchen anderen, die vom Tier geprägt sind, er meint uns. Solange wir nicht erleuchtet sind, solange wir nicht im Bewusstsein der Heiligkeit leben, sind auch wir vom Tier geprägt. Und in diesem Maß widmen wir unser Leben dem Erreichen "irdischer" Ziele, Lust, Macht, Reichtum etc.. Lange scheint alles gut zu gehen unter der Herrschaft dieser äußerlichen Werte. Die allgemeine Übereinstimmung unter den Menschen suggeriert, dass alles in Ordnung ist. Obwohl die Spaltung längst da ist, merken wir den Einschnitt, den sie macht, erst viel später, nämlich wenn wir die Funktionsstörungen, die unsere Spaltung im biologischen, sozialen und ökologischen Organismus erzeugt, nicht mehr kompensieren können. Dann erscheint an oder in unserem Körper plötzlich eine böse Wunde. (2)

Wie der zweite Bote die göttliche Lebenskraft auf das Meer ausgießt, erscheint darin totes Blut. Konfrontiert mit der göttlichen Lebenskraft zeigt sich der Träger des Lebens, das Blut, bei den vom Tier Geprägten als bereits abgestorben. Während die Aufmerksamkeit der Heiligen die chaotische Fülle (das Meer), zu glasklarem Kristall macht (Offb 4, 6), verwandelt sie sich unter der Unaufmerksamkeit der Unheiligen in totes Wirrwarr. (3)

Wie der dritte Bote die göttliche Leidenschaft auf die Flüsse und

Wasserquellen überträgt, verwandeln sie sich in Blut. Alles, was das Leben in Fluss hält, ist mit Blut verbunden. Und diejenigen, die dem Tier folgen, sind wie Vampire. Sie leben von der Lebenskraft, vom Blut der anderen. Vom Blut der Armen nähren sie ihre Macht und ihren Reichtum. Und auch ihre Lust gewinnen sie, indem sie ihren Lustobjekten die Lebenskraft aussaugen. Sobald die göttliche Lebenskraft die irdischen Lebensquellen berührt, wird diese Wahrheit für alle sichtbar.

"Gerecht bist du", sagt deshalb der Geist der lebensspendenden Wasser. Und "der Altar", der unmittelbare Zeuge aller Opfer, bestätigt, dass den Anhängern des Tieres recht geschieht, wenn sie nun statt reinem Wasser Blut trinken müssen. (4-7)

Wie der vierte Bote die göttliche Leidenschaft in die Sonne gießt, fängt sie an, die Menschen zu verbrennen. Die Sonne ist das Licht, das den Menschen die Orientierung ermöglicht. Wenn nun die göttliche Leidenschaft dieses Licht berührt, das jene äußerlichen Werte beleuchtet, denen die Menschen folgen, die das Tier anbeten, dann verbrennen diese Menschen im Kampf um diese Ziele. Doch anstatt ihren Fehler zu sehen und umzukehren, ärgern sie sich darüber, dass die Wirklichkeit nicht ihren Vorstellungen entspricht und sie meinen, die Natur sei fehlerhaft geschaffen. (8f.)

Die fünfte Botschaft geht an den Thron des Tieres, also direkt an das Zentrum der Macht. Und auch diese Botschaft ist nicht für andere, sondern sie geht an uns und sie trifft uns im Zentrum unserer Persönlichkeit, in unserem eigenwilligen "Ich". Da wird es dunkel und das tut höllisch weh. Doch anstatt unseren Schmerz hinauszuschreien, beißen wir uns selbst auf die Zunge, um unsere Dunkelheit und unser Leiden auch weiterhin zu verbergen. Und wir weigern uns, uns von unseren Machenschaften abzuwenden. (10f.)

Die sechste Botschaft geht an den großen Fluss, den unsere Erde mit dem Paradies noch gemeinsam hat: den Euphrat. Und da trocknet sein Wasser aus. Die himmlischen Quellen, die uns bisher immer noch gespeist haben, versiegen. Und damit ist auch die letzte Barriere gefallen und unser Leben ist "den Königen des Ostens" schutzlos ausgeliefert.

Das Paradies liegt in der Bibel im Westen. Als die Menschen das Paradies verloren hatten, standen sie im Osten. Im Osten beginnt die Zeit. Der Weg zur Erlösung ist der Weg in die Ewigkeit und dieser Weg führt, wie der Weg der zeitlosen Sonne, nach Westen. Wenn nun die Könige des Ostens kommen, so vertreiben sie den letzten Kontakt mit der Ewigkeit und sie bringen die totale Herrschaft der Zeit. Und wir Menschen unserer Kultur wissen, was das heißt. (12)

Und Johannes sieht drei "unreine Geister" austreten aus dem Mund des Drachen, des Tieres und des Lügenpropheten. "Der Drache", das wissen wir bereits, ist das Symbol der von Gott wegströmenden Kraft, die Tendenz des Geschaffenen, sich zu verselbständigen. "Das Tier" ist das Symbol für die auf diesem Weg erreichbare Macht. Und "der Lügenprophet" ist der Archetyp des Menschen, der sich in den Dienst des Tiers gestellt hat und der seine Macht auf diese Weise erreichen will. Die Geister, die aus dem Mund der drei hervorkommen, sind unrein, weil sie den wahren Geist verschleiern, doch sie haben die Macht, Wunder zu vollbringen. Die Menschen glauben an sie und sie erreichen tatsächlich, was sie sich wünschen. Und so gehen diese dämonischen Geister zu den Königen der Erde, die ihnen längst verfallen sind, und sie führen sie in den großen Endkampf.

Diese Könige sind nicht irgendwo draußen, und auch der große Endkampf findet nicht zu irgendeinem historischen Zeitpunkt an einem geographischen Ort zwischen Königen und Völkern statt, sondern in uns sammeln sich die Könige dieser Welt zum Krieg am großen Tag Gottes. Und auch die unreinen Geister wirken nirgendwoanders als in uns selbst. Den Endkampf als historisches Datum in der äußeren Welt zu suchen bedeutet, von sich selbst abzulenken.

Doch genauso gefährlich wäre es, unsere "irdischen Wünsche" als die Könige dieser Welt in uns zu sehen und das Heil in der Askese zu suchen. Es geht nicht um irgendwelche Inhalte. Es geht nicht darum, Reichtum, Ansehen, Lust zu vermeiden. Es geht um den Geist, aus dem heraus wir unser Leben führen. Ob wir von unseren Vorstellungen über gut und schlecht beherrscht werden oder ob wir offen sind für die Wahrheit des Augenblicks. Und doch sind "die Könige dieser Welt" die Werte, denen die Menschen ihr Leben widmen, nicht weil es "schlechte" Werte wären, sondern weil die Menschen diese Werte über die Wahrheit stellen, die die Situation, in der sie sich befinden, ihnen mitteilt. Genau aus diesem Grund reagieren die Menschen - wir - nicht auf die Plagen, die ihre Wahrheit ihnen schickt, um sie schließlich doch noch wachzurütteln. (13f.)

Doch der Tag der entscheidenden Auseinandersetzung kommt wie ein Dieb. Keiner kennt seine Zeit. Wir müssen daher zu jeder Zeit achtsam sein und uns in der Wahrheit üben, damit wir dann nicht schutzlos dastehen, wenn die Wahrheit nicht mehr verborgen werden kann. (15)

Und die Könige dieser Welt versammeln sich mit ihrem Gefolge an dem Ort "Harmagedon" (wörtlich: "an dem Berg in der Ebene von Megiddo", einer sprichwörtlichen Szene entscheidender Schlachten), also dort, wo die sich entscheidende Auseinandersetzung abspielt - was von Mensch zu Mensch verschieden ist: Bei manchen liegt das Schlachtfeld im Beruf, bei anderen in ihrer Partnerschaft, bei anderen in ihrem Umgang mit ihrem Körper usw.. (16)

 

Und sowie der siebte Bote mit seiner Botschaft die Luft berührt, verkündet eine Stimme aus der Wohnung Gottes den Abschluss des Gerichts. (17)

Als Reaktion auf diesen letzten Schlag entsteht das größte Erdbeben, das die Welt je gesehen hat. Die große Stadt Babylon zerbricht in drei Teile und die übrigen Städte fallen. (18f.)

Das Gericht über Babylon aber steht noch aus. Vor Gott im Himmel wird erst daran gedacht, ihr den Becher des Weines seiner Leidenschaft und seines Zorns zu geben. Und dieser Gedanke genügt, um die Erde vollends ins Chaos zu stürzen: Inseln und Berge verschwinden und zentnerschwerer Hagel fällt. Und die Menschen - wir - lästern Gott, weil diese Plage so schwer ist.

Der letzte Schlag ist noch nicht das Ende, denn jetzt sammeln Babylon und das Tier und die Könige der Erde ihre Kräfte, um sich zur endgültigen Entscheidung zu rüsten. Von dem letzten Schlag mögen wir zwar erschüttert sein, aber unser "Ich" gibt sich noch nicht geschlagen. Es versammelt nun alle Hilfen, die es kriegen kann: Ärzte, Rechtsanwälte, Gleichgesinnte, die alle die alte Vorstellungswelt bestätigen, nach der der Sinn des Lebens darin besteht, möglichst viel zu genießen und möglichst wenig zu leiden. Und so rüsten wir uns nun mit diesen Bundesgenossen zum Endkampf gegen die göttliche Leidenschaft, die unsere Welt in Frage stellt. (19-21)

 

 

 

 

 

37... 17, 1-18: Die Vision von der Hure Babylon

 

(1) Und einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, kam und redete mit mir. Er sagte: "Komm her, ich werde dir das Gericht der großen Hure zeigen, die an vielen Wassern sitzt. (2) Mit ihr haben die Könige der Erde gehurt und die Bewohner der Erde haben sich berauscht an dem Wein ihrer Hurerei."

(3) Und im Geist trug er mich fort in eine Wüste. Und ich sah eine Frau, die auf einem scharlachroten Tier saß, gefüllt mit Ausdrücken der Schmähung, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern. (4) Und die Frau war umworfen mit Purpur und Scharlach und vergoldet mit Gold, wertvollem Stein und Perlen. In ihrer Hand hielt sie einen goldenen Becher voll mit Abscheulichkeiten und den Unreinheiten ihrer Hurerei. (5) Und auf ihrer Stirn stand ein Name geschrieben, ein Geheimnis: BABYLON, DIE GROSSE, DIE MUTTER DER HUREN UND DER ABSCHEULICHKEITEN DER ERDE. (6) Und ich sah die Frau betrunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen für Jesus. Und ich staunte, als ich sie sah, ein großes Erstaunen. (7) Und der Engel sagte zu mir: Warum staunst du? Ich werde dir das Geheimnis der Frau mitteilen und des Tieres, das sie trägt und das sieben Köpfe und zehn Hörner hat. (8) Das Tier, das du sahst, war und ist nicht, und es ist gerade dabei, aus dem Abgrund heraufzusteigen, und es geht ins Verderben: Und staunen werden die Bewohner der Erde, deren Name nicht seit Grundlegung der Welt im Buch des Lebens geschrieben steht, wenn sie das Tier sehen, dass es war und nicht ist und da sein wird. (9) Hier braucht es Verstand, der Weisheit hat. Die sieben Köpfe sind sieben Berge, wo die Frau auf ihnen sitzt, und es sind sieben Könige: (10) Die fünf fielen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen, und wenn er kommt, kann er nur kurz bleiben. (11) Und das Tier, das war und nicht ist, ist auch selbst der achte und doch von den sieben. Und er geht ins Verderben.

(12) Und die zehn Hörner, die du sahst, sind zehn Könige, die ein Königtum noch nicht empfangen haben, aber mit dem Tier empfangen sie für eine Stunde Macht wie Könige. (13) Sie haben nur eine Absicht und die Kraft und ihre Macht geben sie dem Tier. (14) Sie werden Krieg führen mit dem Lamm, und das Lamm wird sie besiegen, weil es Herr der Herren ist und König der Könige; und die mit ihm sind Gerufene und Auserwählte und Treue.

(15) Und er sagt mir: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Völker und Volksmengen und Völkerschaften und Sprachen.

(16) Und die zehn Hörner, die du sahst, und das Tier, sie werden die Hure hassen und wüst werden sie sie machen und nackt, und ihr Fleisch werden sie essen und verbrennen werden sie sie in Feuer. (17) Denn Gott gab in ihre Herzen ein, seine Absicht auszuführen und nur eine Absicht zu verfolgen und ihr Königtum dem Tier zu geben, bis die Worte Gottes erfüllt sein werden. (18) Und die Frau, die du sahst, ist die große Stadt, die über die Könige der Erde herrscht.

 

Einer der sieben Engel mit den Schalen voll der Leidenschaft Gottes kommt und redet mit Johannes. Und auch jedem von uns begegnen die Boten mit der Leidenschaft Gottes. Und auch uns verraten sie ihre Geheimnisse, wenn wir empfänglich sind für ihre Botschaft. Auch über die Hure Babylon können wir alles erfahren. Wir brauchen nur auf uns selbst zu schauen. Da sitzt sie ja auch und labt sich an unseren Wassern. Nicht nur die anderen Bewohner der Erde huren mit ihr samt ihren Königen, auch wir berauschen uns an dem Wein ihrer Hurerei. Voll Gier nach dem, was wir für gut halten, verschwenden wir unsere Lebenskraft nur allzuoft für bloßen Schein. Immer wieder macht uns ihr Rauschtrank der Verführung glauben, wir könnten das Glück erkaufen, während wir doch nur billigen Ersatz bekommen und

gleichzeitig unsere Gesundheit gefährden. (1f.)

Johannes taucht nun ein in seine Vision der Hure Babylon: Er sieht sie auf einem scharlachroten Tier sitzen, das voll ist mit Ausdrücken der Schmähung. Wir kennen das Tier bereits und seine sieben Köpfe und zehn Hörner und seine allseits bewunderte tierische Kraft und seine Illusion, selbst Urheber dieser Kraft zu sein, die seine Anhänger so sehr betört. Auch die Frau hat sich von dieser Kraft verführen lassen. Auch sie ist dem Scharlachrot des Tieres verfallen, der grell aufreizenden Signalfarbe der Prostitution. Doch diese Frau ist keine billige Nutte, sie ist eine Königin. Deshalb ihr königliches Purpur und das Gold und die wertvollen Steine und Perlen und auch der goldene Becher. Eine prachtvolle Erscheinung - doch eine grausige Pracht für den, der sieht, um welchen Preis sie erkauft ist: Ihr Becher ist

voll mit den Abscheulichkeiten und Unreinheiten ihrer Hurerei. (3f.)

Alle Perversionen kommen ja daher, dass das Unechte für das Echte genommen wird. Die Versuchung dazu ist da seit sich die Menschen unter dem Baum der Erkenntnis im Paradies den Kategorien "gut" und "schlecht" verschrieben haben. Dadurch haben sie ihr Gespür für das Wesentliche, und damit auch füreinander, vertauscht mit berechnender Gier. Die innerste Sehnsucht nach Einheit und Wahrheit bleibt seither unerfüllt und an ihre Stelle tritt ein Rausch, der in einen mörderischen Konkurrenzkampf mündet, in dem einige alles "Gute" für sich erobern, während andere darin zugrunde gehen. (6)

Das glänzende und mächtige Babylon ist seit alters her das Symbol für diese Art das Leben zu führen. Johannes sieht seinen geheimen Name auf die Stirn der "Frau" geschrieben: "Babylon, die Große, die Mutter der Huren und der Abscheulichkeiten der Erde". Er sieht Babylon als Frau, weil die "Frau" in der Bibel die Hinwendung zum Äußerlichen repräsentiert. Und er sieht die Frau betrunken vom Blut der Heiligen, weil das Ersatzleben, das Babylon führt, jede Erinnerung an die Wahrheit und an die eigene innere Sehnsucht nach dem Einssein auslöschen muss. (5f.)

Und Johannes ist außerordentlich verwundert über diese Erscheinung. Er kann den ungeheuren Aufwand nicht verstehen, mit dem Menschen sich abschirmen vor der Wahrheit, die sie doch erlösen würde. Da spricht der Bote Gottes wieder zu ihm und erklärt ihm die einzelnen Elemente seiner Vision: (6f.)

Das Tier, von dem die Frau sich tragen lässt, "war und ist nicht". Es gehört der Vergangenheit an und es hat keine eigenständige Existenz. Und doch ist es "gerade dabei aus dem Abgrund heraufzusteigen". Zu jeder Zeit steigt es aus dem Abgrund herauf und doch existiert es nicht. Es ist nur ein Bluff - im Gegensatz zu dem, "der ist und der war und der kommt" (12,4). Für den, der die Wirklichkeit durch die Schleier seiner Vorstellungen hindurch erkannt hat, entpuppt es sich als bloße Illusion. Und auch für uns, die wir den Weg des Lammes bereits als den unseren erkannt haben, gehört die Macht des Tieres der Vergangenheit an - auch wenn es immer wieder versucht, uns durch Drohungen und Verlockungen in seinen Bann zu schlagen. So groß seine Macht auch zu sein scheint, das Tier ist dem Untergang geweiht. Es führt sich selbst und alle seine Anhänger ins Verderben. Und sie, "deren Name nicht schon seit Grundlegung der Welt eingetragen ist ins Buch des Lebens", werden am Ende erstaunt sein über den illusionären Charakter ihres Idols. (7f.)

 

"Maya" nennen die Hindus dieses Phänomen, nämlich dass die Menschen sich selbst und jede Einzelheit des Lebens als isoliert und als für sich existierend betrachten. Sie nehmen ihre Welt so wahr, weil ihre Verbindung mit dem Einen gestört ist, seit sie vom Baum der Erkenntnis aßen. Und weil sie sich mit ihrem isolierten "Ich" identifizieren, ist die Offenbarung der Wahrheit, nämlich dass dieses "Ich" gar nicht für sich existieren kann, der Untergang, das Verderben, die Hölle. (8)

Es braucht schon eine gewisse Weisheit, um das zu verstehen. (9)

 

Und nun folgen Deutungen der Symbole durch weitere Symbole, eine Vision innerhalb der Vision: "Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt". Es wäre nun möglich die sieben Berge als reale Berge der damaligen Zeit zu sehen, z.B. den Olymp, das Kapitol, den Libanon oder als Berge, die in der heutigen Zeit als von der Hure Babylon besetzt betrachtet werden könnten. Doch das wäre eine Sicht, die den vollen Umfang der Symbolik nicht ausschöpft. Wenn wir selbst betroffen werden sollen von der Vision des Johannes, müssen wir die sieben Berge einfach als eine Mehrzahl strategischer Punkte sehen, von denen aus der Geist des Tieres, den die Hure repräsentiert, seine Herrschaft über uns Menschen ausübt. Und dann sind die sieben Berge auch sieben Könige. (9)

Fünf der sieben Könige sind bereits gefallen. Sie sind untergegangen durch die sieben Schläge der sieben Boten der Leidenschaft Gottes. Wieder sind wir angesprochen. Einiges, von dem, was uns beherrscht hat, haben wir zwar schon überwunden, doch wir sind noch nicht ganz frei von der Herrschaft des Tieres. Bis zur vollständigen Erlösung haben wir noch ein Stück Weg vor uns. (10a)

Einer der beiden verbleibenden Könige dieser Welt ist jetzt schon da und wenn wir uns selbst genau betrachten, können wir seinen Herrschaftsbereich in uns erkennen. Und wenn wir noch genauer schauen, können wir erkennen, dass seine Herrschaft nicht real ist, dass wir irgendwo jetzt schon frei sind davon und dass wir diese andere Wirklichkeit unserer selbst erscheinen lassen können. (10b)

Dann bleibt nur noch der siebente, der noch nicht gekommen ist, und der, "wenn er kommt, nur kurz bleiben kann". Der siebente König kommt zu dem angekündigten Endkampf, dessen Ausgang schon feststeht - wenn auch noch nicht für den siebten König und für das Tier, "das der achte ist und doch einer von den sieben". (10c.11)

Der achte König ist eigentlich der Messias. Nach den sieben Tagen der Schöpfung, an deren Ende sich der Sündenfall ereignet, beginnt am achten Tag die neue Welt, die Welt der Erlösung. Auch das Tier hält sich für den Messias, doch es ist ein falscher Messias, und seine Stunden sind gezählt. Deshalb ist das Tier der eingebildete achte König, den es gar nicht gibt, und der deshalb doch einer von den sieben ist und der ins Verderben geht. (11)

Und nun kommen "zehn Könige, die ein Königtum noch nicht empfangen haben". Für den Endkampf werden Kräfte mobilisiert, die bisher noch nicht aufgetreten sind, zehn zusätzliche Bereiche der Kontrolle. Sie erscheinen dann in ihrer ganzen Macht und Brillanz. Und sie haben nur eine Absicht, nämlich dem Tier zum Sieg zu verhelfen. Doch sie stehen dem Tier nur kurz zur Verfügung. Nur eine Stunde lang vermögen sie ihre Kraft gegen das Lamm zu richten, dann wird das Lamm sie besiegen, denn, so unscheinbar es scheint, das Lamm ist der "König der Könige" und der "Herr der Herren". Die Macht des Tieres dagegen, so gewaltig sie auch erschien, war nur ein Hirngespinst. Sie wird von der Natur nicht unterstützt. Im Innersten eines jeden Wesens und eines jeden Menschen herrscht das Lamm von Anfang an. (12-14)

Zu jeder Zeit ertönt der Ruf des Lammes. Jeder ist gerufen. Aber nur wenige vermögen, diesem Ruf treu zu bleiben und selbst die Schläge des Gerichts bringen nicht alle zur Einsicht. Umso glücklicher dürfen sich die schätzen, die das Lamm beizeiten als ihren Herrn erkennen. (14)

 

Die Wasser, an denen die Hure sitzt, sind die Völker, bei denen ihr Einfluss wirksam ist. In dem Maß, in dem sie sie gewähren lassen, tränken sie sie mit ihrer eigenen Lebenskraft. (15)

"Und die zehn Hörner und das Tier werden die Hure hassen." Das Tier und seine zehn Hörner sind Kräfte göttlichen Ursprungs. Von Natur aus folgt auch die tierische Kraft lieber dem Lamm. Und so werden sich letzten Endes sogar die Kräfte, von denen die Hure gelebt hat, gegen sie wenden. Sie werden den Geist, den sie darstellt, bloßstellen. "Wüst und nackt werden sie sie machen." Und diese Kräfte

werden die Hure schließlich vernichten und das Endurteil über sie und ihre Anhänger vollstrecken. Denn letzten Endes führen auch die letzten zehn Könige nur die Absicht Gottes aus und in dieser Absicht geben sie ihre Kraft dem Tier bis der Wille Gottes erfüllt ist. (16f.)

Und die Frau ist die große Stadt, die große Zivilisation, in der das Künstliche blüht, das Ausgedachte, das Unauthentische. Und dieser Geist der Künstlichkeit, der Machbarkeit, beherrscht die Könige der Erde. (18)

 

 

 

 

 

 

38... 18, 1-8: Der Sturz Babylons

 

(1) Danach sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herabsteigen, der große Macht hatte, und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet. (2) Und er schrie mit lauter Stimme: Gefallen, gefallen ist Babylon, die große. Zu einer Wohnstätte von Dämonen ist sie geworden, zum Verbannungsort eines jeden unreinen Geistes, zum Verbannungsort eines jeden unreinen und abscheulichen Vogels, (3) weil alle Völker vom Wein der Leidenschaft ihrer Hurerei getrunken haben, weil die Könige der Erde mit ihr gehurt haben und weil die Kaufleute der Erde reich geworden sind von der Macht ihrer Gier.

(4) Und eine andere Stimme hörte ich aus dem Himmel sagen: Kommt heraus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht mit an ihren Sünden teilhabt, und damit ihr nicht von ihren Plagen abbekommt, (5) denn ihre Sünden haben sich bis zum Himmel aufgetürmt, und Gott hat an ihre Ungerechtigkeit gedacht. (6) Vergeltet ihr, wie auch sie vergolten hat, und verdoppelt ihr das Doppelte gemäß ihren Werken. In den Becher, den sie gemischt hat, mischt ihr doppelt. (7) So sehr sie sich selbst verherrlichte und so gierig sie war, so viel gebt ihr an Qual und Leid. Denn in ihrem Herzen sagt sie: Ich throne als Königin und ich bin keine Witwe, und Leid muss ich sicher nicht sehen. (8) Deswegen werden ihre Plagen an einem einzigen Tag kommen, Tod und Leid und Hungersnot, und in Feuer wird sie verbrannt werden, denn ein starker Herr ist Gott, der sie richtet.

 

Ein strahlender Bote aus dem Himmel verkündet den Sturz der Hure Babylon. Im Himmel ist er bereits geschehen, auch wenn die Menschen noch nichts davon bemerken. Doch auch das irdische "Babylon" ist bereits jetzt zu einer "Wohnstätte von Dämonen geworden und zum Verbannungsort aller unreinen Geister". "Wo das Aas ist, versammeln sich die Geier" (Mt 24, 28). Jeder, der eine unlautere Absicht hat, sieht da seine Chance. (1f.)

Eine andere Stimme kommt daher aus dem Himmel und fordert "sein Volk" auf, "Babylon" zu verlassen, damit sie nicht hineingezogen werden in jene Art zu denken und zu handeln. Obwohl es sich hier um eine Stimme in der Vision eines einzigen Menschen handelt, ertönt diese Stimme doch immer und überall, wo "Babylon" gegenwärtig ist. Es ist die Stimme des Menschensohnes, die da spricht und sie kommt nicht von außen, sondern von dort, wo der Menschensohn in jedem von uns anwesend ist. Und jedes Mitglied "seines Volkes", also jeder, der bereits auf ihn aufmerksam geworden ist, kann diese Stimme hören. "Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme" (Joh 18, 37). (4)

"Babylons" "Sünden haben sich bis zum Himmel aufgetürmt". Es ist nicht möglich, unendlich lange als ein vom eigenen Wesen Isolierter zu handeln. Irgendwann ist die Grenze dessen erreicht, was der eigene Organismus verkraften kann. Dann berührt die Disharmonie das Wesen selbst - das ja dem Himmel angehört - und dann kommt von dort her eine Reaktion. (5)

Die Hindus haben eine paradoxe Antwort auf die Frage, wer schneller zur Erleuchtung gelangt, ein braver Mensch, der nicht "nein" sagen kann oder ein schlimmer Übeltäter, der zu allem "nein" sagt. Sie sagen der Übeltäter, weil er stets an der Grenze rüttelt, während sich der Brave nichteinmal nähert.

"Babylon" allerdings ist so fixiert an seine Vorstellungen, dass die vielen Schläge, die es schon erhalten hat, noch keine Wirkung zeigen. Doch wie damals in Ägypten, als der Pharao die Israeliten nicht ziehen lassen wollte, ergeht auch jetzt (und zu jeder Zeit) der Aufruf an alle Lebensgeister dieser Welt, "Babylon" "den Becher, den sie gemischt hat, doppelt zu mischen". Wenn das Maß voll ist, geht von diesem Menschen, von dieser Kultur, eine Anziehungskraft aus, die auf alle potentiell zerstörerischen Kräfte wirkt und sie herbeiruft. So sind damals die Heuschrecken, die Frösche, die Krankheiten usw. von Ägypten angezogen worden. Und im umgekehrten Fall gilt das gleiche: Wenn ein Mensch oder eine ganze Kultur eins wird mit seinem eigenen Wesen, dann geht eine Anziehung von ihm aus, die auf alle aufbauenden Kräfte wirkt und sie zur Unterstützung herbeiholt, wie der Widder gekommen ist, um Isaak zu retten oder wie in der Sage Lohengrin gekommen ist, um Else von Brabant zu retten. (6)

Ein innerer Widerspruch kann nicht ohne Folgen bleiben. Und Babylon lebt in einem innern Widerspruch. Sie bildet sich ein, eine Königin zu sein, weit entfernt von allem Leid, doch ohne es zu wissen, hat sie die Grenze bereits überschritten. So fest hat sie ihre Mauern gebaut, dass sie alle Warnzeichen abwehren konnte. Und so hat sich eine so gewaltige Welle von Kraft gegen sie aufgestaut, dass ihr schließlich alle diese Befestigungen und Schutzwälle in einem einzigen Augenblick zum Opfer fallen müssen. "Das Balkenstarke stirbt keinen guten Tod", sagt Lao-tse (Kap 42). Niemand kann sich der Wahrheit auf Dauer verschließen. Sie ist immer mächtiger als alle Berechnung und Vorsicht. (7f.)

Es wäre verhängnisvoll, das alles irgendwohin zu projizieren, in die Vergangenheit, in die Mythologie, in die Archetypen, denn "Babylon" ist nicht irgendwoanders. Es ist jetzt hier und wir selbst sind infiziert von ihrem Virus. Wir tun daher gut daran, auf uns selbst zu schauen, damit wir nicht selbst überrascht werden von dem Gericht, in dem wir uns längst befinden und das wir durchlaufen müssen, damit der Menschensohn auch in uns erscheinen kann.

 

 

 

 

 

 

 

39... 18, 9-24: Die Klage über den Untergang Babylons

 

(9) Und die Könige der Erde, die mit ihr gehurt haben und die gierig waren, werden über sie weinen und klagen, wenn sie den Rauch ihres Feuer sehen, (10) während sie aus Angst vor ihrer Qual weitab stehen: Wehe, wehe, du große Stadt, Babylon, du starke Stadt, denn in einer einzigen Stunde kam dein Gericht.

(11) Und die Kaufleute der Erde weinen und klagen über sie, weil keiner mehr ihre Ware kauft. (12) Ware aus Gold und Silber, wertvollem Stein und Perlen, Leinen und Purpur, Seide und Scharlach, und jedes Holz vom Zitronenbaum und jedes elfenbeinerne Gebilde und jeder Gegenstand aus wertvollstem Holz, Erz, Eisen und Marmor, (13) sowie Zimt und Amomonbalsam, Rauchwerk und Myrrhe und Weihrauch, Wein und Öl, feinstes Mehl und Weizen, Großvieh und Schafe, sowie Pferde und Wagen und Leiber und Seelen von Menschen. (14) Und die Früchte des Verlangens deiner Seele gingen fort von dir, und all das Fette und Strahlende ging zugrunde an dir und man wird sie nie mehr finden.

(15) Die Kaufleute dieser Dinge, die an ihr reich geworden sind, werden aus Angst vor ihrer Qual weitab stehen und weinen und klagen: (16) Wehe, wehe, du große Stadt, gekleidet in Leinen und Purpur und Scharlach und vergoldet mit Gold und wertvollem Stein und Perlen, (17) denn in einer einzigen Stunde ist dieser gewaltige Reichtum verwüstet worden. Und jeder Schiffskapitän und jeder, der an einen Ort segelt und jeder Matrose und alle, die auf dem Meer arbeiten, sie standen weitab (18) und schrieen, als sie den Rauch ihres Feuers sahen und sie sagten: Wer gleicht der großen Stadt? (19) Und sie warfen Staub auf ihre Köpfe und weinend und klagend schrieen sie: Wehe, wehe, du große Stadt, in der alle reich wurden, die Schiffe auf dem Meer hatten, wegen ihrer Schätze, denn in einer einzigen Stunde ist sie verwüstet worden.

(20) Freue dich über sie, Himmel und ihr Heiligen und ihr Apostel und ihr Propheten, denn Gott hat euer Urteil an ihr vollstreckt.

(21) Und ein starker Engel hob einen Stein, wie einen Mühlstein und er warf ihn ins Meer und sagte: So wird Babylon, die große Stadt, mit Gewalt niedergeworfen werden. Und sie wird nicht mehr gefunden. (22) Und die Stimme von Kitharaspielern und Musikern, Flötenspielern und Trompetern soll in dir nicht mehr gehört werden und Künstler oder Kunst sollen in dir nicht mehr gefunden werden, und das Geräusch eines Mühlsteins soll in dir nicht mehr zu hören sein, (23) und das Licht einer Leuchte soll in dir nicht mehr scheinen, und die Stimme eines Bräutigams soll in dir nicht mehr gehört werden, denn deine Kaufleute waren die Großen der Erde, weil alle Völker durch Zauberei verführt worden sind, (24) und Blut von Propheten und Heiligen ist in dir gefunden worden und von allen, die auf der Erde geschlachtet worden sind.

 

Die Könige der Erde werden dem Untergang Babylons aus sicherer

Entfernung zusehen. Zwar haben sie mit ihr gehurt und gegiert, aber jetzt haben sie kein Mitgefühl, sondern nur Angst vor ihrem Schmerz. Und sie klagen darüber, wie diese machtvolle Stadt in einer einzigen Stunde ihr Gericht erfahren muss. (9f.)

Auch die Kaufleute jammern nur in sicherer Entfernung, weil keiner mehr ihre Ware kauft. Und sie beklagen die Vernichtung dieses gewaltigen Reichtums und des strahlenden Glanzes. (11-17)

Und auch die Seefahrer, die Geschäfte mit ihr gemacht haben, bleiben in sicherer Entfernung. Sie sind erschüttert und sie erinnern sich an ihre eigene Vergänglichkeit. (17-19)

Nur im Himmel herrscht Freude, weil Gott das Urteil der Heiligen und Propheten über die Stadt endlich vollstreckt hat. (20)

So groß die Kulturleistungen auch waren, die Babylon hervorgebracht hat und so rührend die menschlichen Schicksale in ihr, von all dem blühenden Leben in ihr wird keine Spur mehr zu finden sein. Wie ein Mühlstein im Meer versinkt, so muss die Stadt untergehen, die die Völker durch Zauberei verführt hat und an deren Händen das Blut all derer klebt, die je auf Erden umgebracht worden sind. (21-24)

 

 

 

 

 

 

40... 19, 1-10: Der Jubel im Himmel

 

(1) Danach hörte ich so etwas wie die laute Stimme einer großen Menschenmenge im Himmel sagen: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft gehören unserem Gott, (2) denn seine Gerichte sind wahr und gerecht, denn er hat die große Hure gerichtet, die die Erde mit ihrer Hurerei verdorben hat. Und er hat das Blut seiner Knechte an ihrer Hand gerächt. (3) Und zum zweiten Mal haben sie gesagt: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf in die Äonen der Äonen.

(4) Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Lebewesen fielen nieder und sie verehrten Gott, der auf dem Thron sitzt: Amen, halleluja! (5) Und vom Thron ging eine Stimme aus und sagte: Lobt unseren Gott, alle seine Knechte und die ihn fürchten, die Kleinen und die Großen. (6) Und ich hörte so etwas wie eine Stimme einer großen Menschenmenge und wie die Stimme vieler Wasser und wie die Stimme starker Donner, und sie sagte: Halleluja, denn König wurde der Herr, Gott, der Allherrscher. (7) Wir wollen uns freuen und jubeln, und wir werden ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Frau hat sich bereit gemacht. (8) Und strahlendes, reines Leinen wurde ihr gegeben, sich darin zu kleiden, denn das Leinen ist das rechte Tun der Heiligen.

(9) Und er sagt mir: Schreibe: Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes gerufen sind. Und er sagt mir: Diese sind die wahren Worte Gottes. (10) Und ich fiel vor seinen Füßen nieder, um ihn anzubeten. Und er sagt mir: Schau, nicht! Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, die das Zeugnis von Jesus haben: Gott bete an! Denn das Zeugnis von Jesus ist der Geist der Weissagung.

 

Nach der Aussage des Engels über den Untergang Babylons hört Johannes nun eine große Menschenmenge im Himmel jubeln über die Gerechtigkeit des göttlichen Gerichts. Während Babylon sein Heil im Genuß gesucht hat und die Herrlichkeit im Prunk und die Kraft in der Kunst der Verführung, wissen die Erlösten, dass alles Heil und alle Herrlichkeit und alle Kraft allein von Gott kommen. Und dass sie nur erlöst werden können, wenn sie diese Tatsache anerkennen. (1)

Und deshalb muss die gleiche Kraft, die sie erlöst hat, die richten, die das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft sich selbst zuschreiben. Es entspricht nicht der Wahrheit. Sie befinden sich im Widerspruch mit der Wirklichkeit, und in diesem Widerspruch, in den sie sich selbst gebracht haben, "brennen" sie. Und der Rauch dieses "Feuers" steigt seit dem Sündenfall für alle sichtbar auf und so wird es sein durch alle Zeitalter hindurch. (2)

Und die vierundzwanzig Ältesten im Himmel und die vier Lebewesen bestätigen die Feststellung der Menge der Erlösten. Und sie erweisen Gott die Ehre. Und auch vom Thron selbst geht eine Stimme aus und erinnert alle, die Gott fürchten, die Kleinen wie die Großen, Gott zu loben. (3-5)

Am Ende braucht es keine Ermahnung mehr, denn sobald ein Mensch das Bewusstsein vom Ursprung der Kraft wiedererlangt hat, kommt das Lob Gottes von selbst. Und es ist eine sehr große Menge von Menschen, die dieses Bewusstsein wiedererlangt hat. Und ihre Stimme ist so vielfältig wie das Rauschen vieler Wasser und so gewaltig wie starker Donner und sie jubelt ohne Ende "Halleluja!" Denn für sie ist Gott König geworden. Zuvor waren auch sie von fremden Göttern beherrscht, wie Babylon, doch das Gericht hat ihnen wieder zum Bewusstsein gebracht, wer ihr Herr ist. Und dieses Bewusstsein lässt sie immer nur jubeln. (6)

Für sie ist "die Hochzeit des Lammes" gekommen und sie selbst stehen als seine Frau bereit. Und ihr Brautkleid ist das rechte Tun der Heiligen. Es wurde ihnen geschenkt. Sie wissen, es ist nicht ihr Verdienst. Sie haben es nicht gemacht. Es ist eigentlich kein Tun, sondern ein Nicht-Tun, ein Ge-Horchen und sich bewegen lassen. Und das Lamm ist das, was sie selbst in ihrem tiefsten Wesen sind. Dieses Wesen, das direkt aus Gott kommt, erfüllt nun auch ihr Ich-Bewusstsein: Sie sind wieder eins und ganz geworden.

Auch für die Buddhisten ist genau dieses Einswerden die Erlösung. Sie nennen es "Nirvana", nämlich den Bewusstseinszustand, in dem ein Mensch sich nicht mehr separiert und daher auch nicht mehr als getrennt erfährt, weder von Gott noch von den anderen Wesen. Das ist die Hochzeit des Lammes. Und das Hochzeitsmahl ist das Leben in dieser Einheit, das Leben im Nirvana, das Leben (nach der Wiedergeburt) aus dem Geist. (7f.)

Und wie Johannes sieht, dass alles menschliche Leben darauf zusteuert, als er sieht, dass in dieser Weise da zu sein das Wort Gottes Wirklichkeit geworden ist, fällt er nieder vor dem, der ihm das begreiflich gemacht hat. Doch der warnt ihn: Sein Niederfallen vor jemand schafft eine Zweiheit. Und in ihr ist die Erlösung verloren. Es gibt nur einen, der anzubeten ist, und das ist der Herr des Lebens, und es gibt nur eine Art der Anbetung, die Anbetung "im Geist und in der Wahrheit" (Joh 4, 23). Nur so tritt der Beter nicht heraus aus dem Fluss des Lebens, nur so ist er nicht separat, sondern eins mit dem Geist, der ohne Ausnahme immer und überall alles lenkt, indem er der Wahrheit dieses Augenblicks Ausdruck verleiht. Diesem Geist folgt der Erlöste und daher verschwinden für ihn schon zu seinen Lebzeiten Zeit und Raum und es bleibt nur noch die Gegenwart, jetzt und in alle Ewigkeit. (10)

Der Johannes dieses Verständnis vermittelt hat, hat das Zeugnis von Jesus. Und Jesus bezeugt den Geist, der schon die Propheten beseelt hat, und er bezeugt, dass dieser Geist allen zur Verfügung stehen kann - auch dir. Und wenn du in der Gegenwart ganz da bist, siehst du diesen Geist in jedem Geschehen am Werk. Du siehst, woher es kommt und wohin es führt, was der Vollendung im Wege steht und wie eine Umkehr zu erreichen ist.

Jesus selbst ist es, der hier Johannes und uns davor warnt, uns noch in diesem Stadium unserer Transformation von der Einheit zu separieren, indem wir eine Gabe bewundern, die sich aus dem Einssein ergibt. (10)

 

 

 

 

 

 

 

41... 19, 11-16: Der Richter erscheint auf einem weißen Pferd

 

(11) Und ich sah den Himmel geöffnet, und sieh: Ein weißes Pferd und der auf ihm sitzt heißt "treu und wahr", und in Gerechtigkeit richtet er und führt er Krieg. (12) Seine Augen aber eine Flamme von Feuer, und auf seinem Kopf viele Diademe, auf die ein Name geschrieben ist, den keiner kennt, außer er selbst. (13) Und umworfen ist er mit einem Gewand, getaucht in Blut, und sein Name wird gerufen "das Wort Gottes".

(14) Und die Heere im Himmel folgten ihm auf weißen Pferden, bekleidet mit weißem reinem Leinen. (15) Und aus seinem Mund kommt ein scharfes Schwert hervor, damit er die Völker mit ihm schlage. Und er selbst wird sie weiden mit eisernem Stab (Ps 2, 9), und er selbst tritt die Kelter des Weines der Leidenschaft Gottes, des Allherrschers. (16) Und auf dem Gewand und auf seinem Schenkel hat er einen Namen geschrieben: "König der Könige und Herr der Herren".

 

    Die Schlachtreihen der Könige der Erde, die mit der Hure Babylon gehurt haben, sind aufgestellt zur letzten Schlacht. Und nun tritt nun der Gegenspieler auf und wir kennen ihn längst: Ein weißes Pferd erscheint und auf ihm sitzt einer, der als "treu und wahr" bekannt ist, der in Gerechtigkeit richtet und Krieg führt. Wir sind ihm begegnet, als das Lamm das erste Siegel des Buches mit den sieben Siegeln geöffnet hat: "ein weißes Pferd und der auf ihm sitzt, hat einen Bogen und ein Kranz wurde ihm gegeben, und siegend kam er heraus, und um zu siegen" (6, 2).

Seit je her kennen wir den Reiter des weißen Pferdes, den Reiter der Unschuld. Er ist das erste Geheimnis des Lebens, denn das erste, was erscheint, wenn ein Mensch geboren wird, ist dieser Sieger. Siegend kommt das Kind heraus aus dem Mutterschoß und es kommt, um zu siegen. Und es siegt, solange wir unsere Unschuld bewahren. Nach dem Sündenfall, herrscht nicht mehr "treu und wahr", sondern da herrschen Vorstellungen, die die Wahrheit gar nicht so gerne sehen. Und dann führt uns der "treu und wahr" durch das Gericht, an dessen Ende er in uns wieder siegt, wie schon von Anfang an.

Von ihm ist das Gericht installiert. Es ist notwendig, weil wir der Illusion der Separatheit verfallen sind, weil wir nicht mehr klar sehen können. Und nun schafft uns jener innere Sieger genau die Situationen, die uns wachrütteln. Das ist der gerechte Krieg, den er von Anfang an führt. (11)

Wie das geht, zeigt uns die Bibel an vielen Stellen. Als die Ägypter die Israeliten nicht ziehen lassen wollten, z.B., fielen plötzlich Heuschrecken über das Land her und fraßen alles kahl. Wie kamen die Heuschrecken auf die Idee in Ägypten einzufallen? Wie schafft der innere Sieger in uns das Gericht?

Wer normale Hausfliegen beim Fliegen beobachtet, kann feststellen, dass sie absolut unvorhersehbare Kurven fliegen. Wovon werden sie gelenkt? Die Japaner würden sagen, sie folgen dem "Ki". Ohne es zu wissen, folgen sie der Linie, die sich aus den Kräften und Strukturen ergibt, die von innen und von außen auf sie wirken. Beide Kräftekonstellationen sind ständig im Fluss. Etwas in den Fliegen nimmt diese Kräftekonstellationen wahr und veranlasst sie, den Kraftlinien zu folgen, die sich aus ihnen ergeben. Sie wahrzunehmen und auf sie zu reagieren, ist lebensnotwendig, nicht nur für Fliegen, sondern für alles, was ist, natürlich auch für Heuschrecken. Und zu den Kräften, die wirken, gehören auch die Wünsche und Gefühle der Lebewesen in ihrem Einflussbereich.

Als damals also ein Heuschreckenschwarm seine Bahnen zog, wurde er plötzlich mächtig angezogen von einem Land, das innerlich gespalten war, weil ein Teil der Bewohner von einem anderen Teil unterdrückt wurde. Die Unterdrückten sandten einen verzweifelten Hilfeschrei aus in alle Welt und die Unterdrücker waren selbst geschwächt, weil ihr eigener menschlicher Kern doch Mitgefühl mit diesen Menschen hatte. Und so ist ein Sog in den emotionalen Kraftströmen entstanden, der die Heuschrecken in dieses Land hineingezogen hat.

Auf ähnliche Weise wurde der Wind angezogen, als die Israeliten einen freien Durchgang durch das Schilfmeer brauchten. Und auf ähnliche Weise kam der Widder herbei, der sich im Gebüsch verfing, als Abraham gerade seinen Sohn Isaak opfern wollte. Alles in der Natur folgt diesen Kraftlinien und findet auf diese Weise genau das Richtige zur rechten Zeit. Und so kommt auch das Gericht von jenem Reiter des weißen Pferdes genau zur rechten Zeit. (11)

 

Die Augen des Reiters des weißen Pferdes sind Feuerflammen. In ihm, der ja uns eigenes Wesen ist, brodelt die schöpferische Kraft und ihr Feuer leuchtet durch seine Augen.

"Und auf seinem Kopf viele Diademe." Schon bisher sahen wir Diademe, aber bis jetzt nur auf den Köpfen des Drachen und des Tiers. Und da waren sie, um Eindruck zu machen. Ihr Funkeln sollte die Menschen hypnotisieren und verführen. Es war künstlich, eine Falle. Doch mit den Diademen auf dem Kopf des Reiters des weißen Pferdes verhält es sich anders: Sie werden erst jetzt sichtbar. Als er zu Beginn der Vision des Johannes zum ersten Mal erschien, ist davon nicht die Rede. Sie blieben unbemerkt. Erst jetzt, wo der Großteil des Gerichts bereits erfolgt ist, können wir die Diademe sehen. Ganz so wie wir den Glanz der schöpferischen Kraft in der Schöpfung auch nur so sehen können, wenn wir von unseren Vorstellungen gelöst sind. Dann aber können wir das Wunder überall sehen. Und dann sehen wir auch die Diademe, die das Haupt dessen krönen, der kam, um zu siegen.

Ein Name steht auf diesen Diademen geschrieben, "den keiner kennt, außer er selbst". Das Strahlen eines Menschen entfaltet sich erst, wenn er in sich eins ist, wenn er also nicht mehr Vorstellungen folgt, sondern seiner Originalität. Sein Name ist also seine Einzigartigkeit. In ihr erscheint schließlich die Herrlichkeit Gottes selbst. (12)

Und er trägt ein Gewand, das in Blut getränkt ist. Und dieses Blut ist sein eigenes. Viele der gefallenen Menschen fühlen sich bedroht von denen, die den Weg zurück ins Paradies eingeschlagen haben. Ihr "Ich" ist in Gefahr, und so reagieren sie aggressiv. Und daher werden auf dem Weg zur Erlösung viele auch körperlich verletzt. Ob einem aber nun tatsächlich sein Leben genommen wird oder ob er einfach ein Leben der Hingabe lebt, Leiden zu ertragen, ist in jedem Fall eine notwendige Voraussetzung der Erlösung. (13a)

Und sein Name ist "Wort Gottes". Jedes Wort, das aus dem Mund eines Erlösten kommt, ist Wort Gottes, denn er ist ja eins mit ihm. Deshalb ist die Bibel Wort Gottes, wie die heiligen Bücher anderer Kulturen auch. (13b)

"Und die Heere des Himmels folgen ihm." Alle im Himmel gehen den gleichen Weg. Sie folgen dem Sieger, und indem sie ihm folgen, sind sie eins mit ihm. Wie er sitzen auch sie auf weißen Pferden. Und wie die Braut des Lammes sind sie gekleidet in weißes Leinen. Ihre Taten entspringen keiner Absicht, sie sind wieder unschuldig geworden. (14)

"Und aus seinem Mund kommt ein scharfes Schwert". Aus seinem Mund kommt das immer neue Wort Gottes und das Wort Gottes scheidet die Geister. Es trifft genau den Punkt und letzten Endes kann ihm keiner widerstehen. (15a)

Mit seinem Urteil trifft er alle diejenigen, die sich mit der Hure Babylon eingelassen haben. Dadurch weidet er sie "mit eisernem Stab".

Und er selbst tritt auch "die Kelter des Weines der Leidenschaft Gottes." Wir kennen sie bereits. Unser Eigensinn muss ausgekeltert werden. Und wenn wir lieber zugrunde gehen, als ihn loszulassen, lässt uns die Leidenschaft des Siegers in uns doch nicht los bis er frei ist von unserer Tyrannei. (15)

Und der Name auf seinem Gewand und auf seinem Schenkel heißt "König der Könige und Herr der Herren". Nur Gott kommt dieser Name zu und doch scheint der Reiter ein Geschöpf zu sein wie wir. Er ist unser innerstes Wesen und das ist eins mit Gott und wenn wir uns von ihm nicht mehr separieren, gibt es keinen anderen Herrn mehr über uns. (16)

 

 

 

 

 

 

42... 19, 17-21: Der Sieg über das Tier und seinen Propheten

 

(17) Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er schrie mit lauter Stimme allen Vögeln, die in der Himmelsmitte fliegen, zu: Auf, versammelt euch zum großen Mahl Gottes, (18) dass ihr Fleisch von Königen esst und Fleisch von Heerführern und Fleisch von Helden und Fleisch von Pferden und von denen, die auf ihnen sitzen, und Fleisch von allen Freien und von Sklaven und von Kleinen und von Großen.

(19) Und ich sah das Tier und die Könige der Erde versammelt, um mit dem Krieg zu führen, der auf dem Pferd sitzt, und mit seinem Heer. (20) Und das Tier wurde gefangen und mit ihm der Lügenprophet, der vor ihm die Zeichen gewirkt hatte, mit denen er die irreführte, die das Prägezeichen des Tieres empfingen und die seinem Bild huldigten. Lebend wurden die beiden in den Feuersee geworfen, der in Schwefel brennt. (21) Und die übrigen wurden mit dem Schwert getötet, das aus dem Mund dessen kommt, der auf dem Pferd sitzt. Und alle Vögel wurden von ihrem Fleisch gesättigt.

 

Die Vögel orientieren sich an der Sonne. Sie ist der Bote Gottes für sie. Und von der Sonne, die auch ein Symbol für den Schöpfer ist, kommt die Einladung an sie zu dem himmlischen Hochzeitsmahl ihrer Art: An Fleisch der allerbesten Sorte sollen sie sich sattfressen, am Fleisch von Königen, Heerführern und Helden. Ob ihr Fleisch besonders lecker schmeckt? Wo ist der Unterschied? Kleine und Große, Gemeine und Könige, alle, die nicht eins sind mit ihrem Schöpfer, sind zuletzt, auch ihrem eigenen Bewusstsein nach, einfach nur Fleisch. (17f.)

Aber noch sind sie am Leben. Johannes sieht sie versammelt mit dem Tier. Sie sind angetreten zur letzten Schlacht mit dem, der auf dem weißen Pferd sitzt, mit dem erscheinenden Gott. In ihrer Verblendung glauben sie, sie könnten gewinnen. Sie wissen nicht, was sie tun, denn natürlich haben sie keine Chance. (19)

Das Tier und sein Lügenprophet, der so stark war, dass er den Großteil der Menschheit verführen konnte, beide werden gefangen und lebend in den See von brennendem Schwefel geworfen.

Das Tier ist der Teil von uns, der unbewusst ist und nichts wahrnimmt außer unseren eigenen Wünschen und Ideen. Das Tier in uns geht über Leichen, wenn es etwas will. Und sein Prophet führt vor, was alles möglich ist. Zusammen gaukeln sie uns eine illusionäre Welt der Machbarkeit vor. Und indem wir uns ihren Zielen unterwerfen, entfernen wir uns immer weiter von dem, was wir in Wahrheit wollen und wir steigern uns hinein in einen Kampf um Macht und Erfolg, den wir niemals gewinnen können, weil der wesentliche Teil von uns es gar nicht will und weil der Tod uns schließlich doch alles nimmt, womit wir uns identifizieren.

Letzten Endes fangen sich das Tier und sein Lügenprophet selbst, spätestens wenn wir sterben. Unseren Tod können sie nicht überleben. Spätestens da stellt sich die Wahrheit heraus. Und da helfen die besten Zaubertricks nicht mehr. Spätestens da werden das Tier und sein Lügenprophet erkannt. Und dieses Erkanntwerden ist ein Brennen, ein lebend Verbrennen. Und so wie flüssiger Schwefel auf der Haut unauslöschlich brennt, so gibt es auch für das Tier und seinen Lügenpropheten kein Erlöschen des Feuers, denn ihr Wesen ist ihre behauptete Selbständigkeit und damit der Widerspruch zum Schöpfer. Davon können sie nicht lassen. In der Begegnung mit der Wahrheit müssen sie daher brennen, und sie können dieser Begegnung unter

keinen Umständen standhalten. (20)

 

"Die Übrigen" werden mit dem Schwert der Unterscheidung getötet, das aus dem Mund dessen kommt, der auf dem weißen Pferd sitzt. Der eins ist mit seinem Ursprung, kann nicht getötet werden, sondern nur der, der sich separiert. Der Reiter des weißen Pferdes tötet alles Separate, indem er es von seiner Quelle abschneidet. Und wenn ein Mensch seine Identifikation mit der Illusion des Abgetrenntseins nicht loslässt, wird ihn dieses Schwert in bloßes Fleisch verwandeln. Seine eigene Unterscheidung wird ihn töten. Seine Lebenskraft wird ihn verlassen und er wird nicht mit ihr gehen, sondern in dem Fleisch bleiben, mit dem er sich ja identifiziert, das nun aber von den Vögeln des Himmels gefressen wird. (21)

 

 

 

 

 

 

 

Eine Zeit der Harmonie,

die Wiederkehr des Ego

und seine erneute Zerstörung

 

 

 

43... 20, 1-6: Das Tausendjährige Reich

 

(1) Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabsteigen, der den Schlüssel des Abgrunds in seiner Hand hielt und eine große Kette.

(2) Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, der der Teufel und der Satan ist, und er band ihn für tausend Jahre, (3) und er warf ihn in den Abgrund, und er schloss zu, und er versiegelte den Deckel über ihm, damit er die Völker nicht mehr irreführe, bis die tausend Jahre vollendet wären. Danach muss er für eine kurze Zeit gelöst werden.

(4) Und ich sah Throne, und sie setzten sich auf sie, und das Gericht wurde ihnen gegeben, und die Seelen derer, die wegen des Zeugnisses Jesu und wegen des Wortes Gottes enthauptet worden sind, und die das Tier nicht verehrten, noch sein Bild, und die das Prägezeichen auf die Stirn und auf ihre Hand nicht empfingen. Und sie lebten und sie herrschten mit dem Christus tausend Jahre lang. (5) Die übrigen Toten lebten nicht bis die tausend Jahre vollendet waren. Das ist die erste Auferstehung.

(6) Selig und heilig, der an der ersten Auferstehung teilhat. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein, und sie werden mit ihm herrschen tausend Jahre lang.

 

Das Tier und sein Prophet sind nicht mehr; nur noch der Drache ist übrig. Und den ergreift nun ein anderer Engel, der aus dem Himmel herabsteigt.

Der Engel hat den Schlüssel zum Abgrund. Und dieser Abgrund ist in uns und er ist überall. Es ist die die äußerste Entfernung von Gott, die völlige Getrenntheit, die es natürlich nicht geben kann, die wir aber doch erleben können. In dem Maß, in dem wir unser Bewusstsein aus seiner Verbundenheit mit Gott lösen, schließen wir uns dem Drachen an. Der Drache respäsentiert die Kraft, die wir aus uns selbst zu haben meinen. Solange wir diese Kraft erfolgreich einsetzen können, spüren wir nichts von der Trennung. Aber in dem Augenblick, in dem diese Kraft versagt, trifft uns ihr Schmerz mit voller Wucht. Das ist das Gericht. Und die Kraft des Gerichts lässt uns den Drachen nun dort sehen, wo er immer schon ist, in der Entfernung von Gott, "im Abgrund". Der Engel, der den Drachen fängt und im Abgrund ankettet, ist also der Schmerz über unsere Getrenntheit von Gott. Dieser Schmerz öffnet uns die Augen für die Wirklichkeit und dadurch verliert der Drache seine Kraft, uns zu verführen - "tausend Jahre" lang. (1f.)

Nach dieser langen Zeit muss die Wahrheit nocheinmal ausgetestet werden und dazu wird dem Drachen seine Verführungskraft für kurze Zeit zurückgegeben, damit sich schließlich endgültig herausstellen kann, dass die Unabhängigkeit eine Illusion ist. (3)

Und jetzt erscheinen wieder die himmlischen Throne. Und die diesen Verwandlungsprozess durchgemacht haben, setzen sich auf sie und ihnen wird das Gericht übergeben - so wie es Jesus seinen Schülern angekündigt hatte: "Ihr aber seid die, die mit mir durchgehalten haben in meinen Versuchungen. Und so wie der Vater es mir übergab, übergebe ich euch ein Königtum, damit ihr in meinem Königtum an meinem Tisch esst und trinkt. Und ihr werdet auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten." (Lk 22, 28-30). (4)

Die diesen Verwandlungsprozess durchgemacht haben, verstehen jetzt das menschliche Leben. Sie sind auch imstande, andere zu führen und sie neu auszurichten auf den richtigen Weg. Daher sind sie die Richter. Und diejenigen, die getötet wurden, weil sie dem Zeugnis Jesu treu bleiben wollten, sind mit dabei und alle die das Prägezeichen des Tieres nicht empfingen. Sie alle leben und herrschen "mit dem Christus", mit dem Erlöser, "tausend Jahre", also bis die Zeit vollendet ist. Sie leben, obwohl sie gestorben sind, weil sie schon zu ihren Lebzeiten eingetreten sind in die ewige Gegenwart. Indem sie eins geworden sind mit dem "Menschensohn" in ihnen, haben sie "die erste Auferstehung" erfahren, die Auferstehung zu Lebzeiten. (4f.)

Die übrigen der Toten leben während der Zeit, in der der Drache gefangen liegt, nicht. Sie waren schon tot, bevor sie gestorben sind. Und weil sie von einer Verbindung zur Quelle des Lebens nichts wissen wollten, hat die erste Auferstehung sie nicht berührt. (5)

Glücklich und heilig aber sind die, die an der ersten Auferstehung teilhaben, denn sie haben bewusst Anteil am ewigen Leben. Alles, was sie tun, ist eine heilige Handlung, denn es kommt nicht aus ihrem Eigenwillen, sondern aus dem Willen Gottes und aus dem Willen ihres eigenen Wesens, und das ist der "Christus". Weil sie mit ihm übereinstimmen, sind sie "Priester Gottes und des Erlösers". Und weil sie schon im Ewigen sind, brauchen sie "den zweiten Tod" nicht fürchten, vielmehr werden sie mit dem Erlöser herrschen "tausend Jahre", also bis die Zeit vollendet ist.

Der zweite Tod ist der Tod im Ewigen. Er wartet auf die, die sich zeitlebens gegen die Verbindung mit dem Ewigen gesperrt haben, die ihr eigenes Wesen verleugnet haben und die sich dem Tier verschrieben haben in seinem Kampf gegen das Lamm. (6)

 

 

 

 

 

 

 

44... 20, 7-10: Der endgültige Sieg über den Satan

 

(7) Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis gelöst werden, (8) und er wird ausgehen, um die Völker in den vier Ecken der Erde irrezuführen, den Gog und den Magog, und sie zum Krieg zusammenzuführen, die so zahlreich sind wie des Sand des Meeres.

(9) Und auf der ganzen Breite der Erde stiegen sie herauf und sie umringten das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt. Doch Feuer fiel aus dem Himmel herab und es fraß sie auf (2 Kön 1, 10.12).

(10) Und der Teufel, der sie irreführte, wurde in den See des Feuers und Schwefels geworfen, wo auch das Tier und der Lügenprophet sind, und sie werden gequält Tag und Nacht in die Äonen der Äonen.

 

Wenn die Zeit vollendet ist, wird der Satan losgebunden und er kann die Menschen erneut verführen. Während vorhin das Tier die Könige der Erde zum Kampf gegen den Reiter des weißen Pferdes versammelte, führt nun die alte Schlange die Völker zusammen zum Krieg. Und, so zahlreich wie der Sand am Meer, umringen sie das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt. Doch genauso wie vorhin haben sie keine Chance. (7-9)

Es klingt als handle es sich um zwei Ereignisse, aber es sind nicht zwei Ereignisse, es ist beidemale die stets gegenwärtige Versuchung zur Abspaltung, die nur zeitweilig ausgesetzt bleiben kann, die irgendwann aber sicher wiederkehrt, um von neuem mit dem Kampf gegen das Eine und die, die eins mit ihm sind (die Heiligen) zu beginnen. So ist im Alten Testament Gideon nach langem Einssein vom Weg abgewichen und ebenso Salomo. Und zuvor waren die Israeliten in Ägypten abgewichen und Sklaven geworden und im Gelobten Land sind sie erneut abgewichen und in die Babylonische Gefangenschaft geraten. Und schon am Anfang ist Eva abgewichen und aus dem Paradies verstoßen worden und dann hat sich Kain abgesondert usw. usw..

Indianer erzählen, es habe Zeiten gegeben, wo ein ganzer Stamm eins war, wo keiner separat und für sich lebte, sondern wo alle nur füreinander da waren. In diesen Zeiten hätte es keinerlei Krankheiten gegeben. Selbst wenn einige wenige aus der Gemeinschaft ausgeschert wären, hätte die Gemeinschaft doch ihre Kraft erhalten können. Wenn jedoch die Zahl derer, die für sich sein wollten, eine gewisse immer noch kleine Zahl überschritt, war der ganze Stamm in Gefahr. Dann begann der Prozess des Abbröckelns der Einheit, der Zersplitterung und der Verwundbarkeit. Und unsere Geschichte beschreibt genau das gleiche: Die "tausendjährige" Fesselung des Satans geht irgendwann zuende, immer wieder. (7)

Immer wieder sind daher die Anhänger des Satans heraufgestiegen, um das Lager der Heiligen zu erstürmen. Immer wieder aber ist der Geist, der sie führte, genau in dem Moment, in dem sie zum vernichtenden Schlag ausholten, gefangen oder, was seine Macht über die Heiligen betrifft, sogar vernichtet worden. Und auch jetzt wird er in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo er mit dem Tier und seinem Propheten gequält wird von einem Zeitalter zum nächsten. (9f.)

Immer schon schmort der Satan in der Hölle, auch während er heraufsteigt aus dem Abgrund und seine Verführungskünste walten lässt, auch während er "das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt" belagert. Und immer schon fällt Feuer aus dem Himmel und immer schon frisst es ihn auf, wie es damals Sodom und Gomorrha aufgefressen hat. Das Feuer ist immer da; es ist ja der Widerspruch, in dem der Satan und seine Anhänger seit je her stehen. Tag und Nacht werden sie gequält, immer schon. Auch wenn ihnen ihr Schmerz gar nicht zum Bewusstsein kommt, auch wenn sie gerade in irgendeiner Lust schwelgen. Und der stets gegenwärtige Schmerz macht sie immer gieriger nach Lust und der Widerspruch zur Wahrheit vertieft sich und das macht immer mehr Schmerz, bis der Schmerz sich nicht mehr verleugnen lässt und bis daher die Entscheidung fällt entweder zur Umkehr oder zum ewigen Trotz. (9f.)

Im Fall der Umkehr ist es nur der Satan, der brennt, also nur die Spreu, die von jetzt ihnen abfällt. Wenn sie aber die Spreu nicht loslassen, sondern sich mit ihr identifizieren, so sind in ihrem eigenen Verständnis "sie selbst" es, die brennen und nichts kann die Flammen löschen. (10)

 

 

 

 

 

 

 

Angesichts des Todes zeigt sich die Wirklichkeit

 

 

 

 

45... 20, 11-15: Das Gericht über die Toten

 

(11) Und ich sah einen großen weißen Thron und einen, der auf ihm saß, vor dessen Angesicht die Erde und der Himmel flohen, sodass kein Platz mehr für sie zu finden war.

(12) Und ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die großen und die kleinen. Und Bücher wurden geöffnet, und ein anderes Buch wurde geöffnet, das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet gemäß ihren Werken, wie es in den Büchern geschrieben stand.

(13) Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren. Und der Tod und der Hades gaben die Toten heraus, die in ihm waren. Und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken.

(14) Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dieser Tod ist der zweite, der Feuersee. (15) Und wenn einer nicht im Buch des Lebens eingetragen gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen.

 

Und nun sieht Johannes den Thron des Richters, des ganz Unschuldigen, des ganz Reinen. Es ist das Lamm und das Lamm ist der Menschensohn. Sein Anblick ist so stark, dass Erde und Himmel vor ihm nicht bestehen können. Erde und Himmel sind vergänglich, doch der Menschensohn / das Lamm sind unvergänglich. Erde und Himmel sind im Zeitlichen, der Menschensohn ist im Ewigen. Erde und Himmel sind separat, der Menschensohn und das Lamm ist eins mit dem Ganzen. Deshalb sind Erde und Himmel so unbedeutend vor ihm, so unwürdig, vor seinem Angesicht zu erscheinen, dass sie vor ihm fliehen; und es gibt keinen Ort, an dem sie vor ihm bestehen könnten. (11)

Aus dem gleichen Blickwinkel heraus betonen Hindus und Buddhisten, die Vergänglichkeit des Himmels. Der Himmel, so sagen sie, ist der dauernd glückselige und schmerzfreie Zustand, der durch Verdienste entsteht. Er vergeht, wenn die Verdienste aufgebraucht sind. Er ist nicht ewig. Das ewige Leben dagegen besteht nicht in einem dauernd glückseligen und schmerzfreien Zustand, sondern im bewussten Dasein im Hier und Jetzt. Das Charakteristische am Himmel ist das Fortbestehen der separaten Existenz, das Charakteristische am ewigen Leben ist die Rückkehr in die Einheit. Vor dem Richter aber gibt es kein Fortbestehen der separaten Existenz. Er beurteilt jeden ja "nach seinen Taten", also nach dem Grad seiner Hingabe, nach dem Grad seines Einsseins, nach dem Grad seines Verzichts auf Separatheit, auf sein eigenes "Ich"-Sein. Und Jesus ist "der" Menschensohn, weil er nicht seinen Willen tut, sondern den Willen des Vaters, also den Willen des Ganzen, des Einen.

Das Separate kann vor dem auf dem Thron nicht bestehen Und da gibt es tatsächlich Menschen, die glauben, sie könnten vor Gott hintreten und einfach so weiterleben! Das Bild hier sagt uns eindeutig, dass das nicht geht. Niemand kann Gott sehen und vor ihm bestehen. Aus diesem Grund "hat Gott niemand je gesehen", wie der Evangelist Johannes sagt (Joh 1, 18).

Aber nicht vor ihm bestehen können, heißt nicht, sich auflösen. Was nicht bestehen kann, ist nicht die Existenz an sich, sondern die Separatheit. Nur wenn wir das verstehen, verstehen wir das Gericht der Toten. Erde und Himmel sind bereits gerichtet. Sie konnten ihre Separatheit nicht behaupten. Sie sind geflohen und nun stehen die Toten vor dem Thron - irgendwann auch wir. Und auch sie werden konfrontiert mit der Notwendigkeit, eins zu werden. Um festzustellen, wie weit sie dazu fähig sind, wird der Speicher ihres Gedächtnisses geöffnet und "das Buch des Lebens" wird geöffnet und die Daten werden miteinander verglichen. Das Buch des Lebens liegt in der menschlichen Natur, die den Auftrag hat, Ebenbild Gottes zu sein, das Ursprüngliche zu leben, das Echte, das Wahre, das Ewige. Und alles, was abweicht von der Wahrheit, wird nun sichtbar und es schmerzt, weil es im Innersten eines jeden Menschen doch nur den einen Wunsch gibt, nämlich eins zu sein mit allem und mit dem "Vater", der der Vater aller ist. (11f.)

Vor dem Thron lässt sich nichts mehr verheimlichen, da wird alles öffentlich bekannt und diejenigen, die während ihres Lebens keinen Respekt vor ihren Geschwistern kannten, werden sehen, dass sie keinen Respekt vor ihren Ursprung kannten und keinen Respekt vor sich selbst. Sie waren nicht bereit zum Einswerden. Und jetzt wird das Bewusstsein ihrer Getrenntheit, ihr Tod, in den Feuersee geworfen und sie werden darin brennen, solange sie sich mit diesem Bewusstsein identifizieren.

(12-14)

Diejenigen aber, die sich ihrer Verbindung zum Ursprung bewusst sind, können heimkehren zu ihm und nichts kann sie mehr trennen. Für sie, die aus der Einheit heraus gelebt haben, gibt es daher den Tod nicht mehr. Sie sehen den Tod und die Unterwelt selbst im Feuersee verschwinden. Weil sie eins sind mit der schöpferischen Kraft, haben sie nicht "Teil" an ihr, sondern sie selbst sind diese Kraft. Ihr altes "Ich", das von Fritz Maier oder Lieschen Müller ist längst gestorben, vielleicht schon bevor sie gestorben sind, und ihr jetziges Ich ist das eine Ich, JAHWE, so wie es bei Jesus war. Und alle, deren altes "Ich" noch nicht gestorben ist, sind auch noch abgesondert vom Fluss des ewigen Lebens. Und alles Abgesonderte wird im Feuersee eingeschmolzen und es brennt, so lange es sich separiert. Ihre menschliche Natur jedoch, das Kind Gottes in ihnen, wird nicht brennen, es wird zurückkehren zu seinem Ursprung, von dem es nie getrennt war.

 

 

 

 

Das Leben nach der Vernichtung des Ego

 

 

 

 

 

46... 21, 1-8: Der neue Himmel und die neue Erde

 

(1) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

(2) Und die heilige Stadt, ein neues Jerusalem, sah ich aus dem Himmel herabsteigen von Gott, bereitet wie eine Braut, die geschmückt ist für ihren Mann.

(3) Und vom Thron hörte ich eine laute Stimme, die sagt: Sieh das Zelt Gottes unter den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein. (4) Und jede Träne wird er abwischen aus ihren Augen (Jes 25, 8). Und der Tod wird nicht mehr sein, auch nicht Trauer, auch nicht Geschrei, und auch Mühe wird nicht mehr sein, weil das Erste vergangen ist.

(5) Und der auf dem Thron sitzt, sprach: Sieh, ich mache alles neu! Und er sagt: Schreib es auf, denn diese Worte sind treu und wahr! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Umsonst werde ich dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben. (7) Der siegt, wird das erben. Und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein (2 Sam 7, 14; Ex 11, 20). (8) Den Feigen aber und den Ungläubigen und den Verabscheuungswürdigen, den Mördern und den Hurern, den Zauberern und den Götzendienern und allen Lügnern: Ihr Anteil ist in dem brennenden See aus Feuer und Schwefel. Das ist der zweite Tod.

 

Johannes sieht nun einen neuen Himmel und eine neue Erde, weil der erste Himmel und die erste Erde vergangen sind. Das bedeutet nicht, dass Erde und Himmel durch eine kosmische Katastrophe ausgelöscht worden sind. Sie sind vergangen, weil sie vor dem Anblick dessen auf dem Thron nicht bestehen bleiben konnten. Nichts, was der alten Welt angehört, der Welt des Sündenfalls, der Welt der Unterscheidung, der Welt der Dualität, kann vor Gott bestehen. Und für alle Menschen, die durch den Prozess des Gerichts gegangen sind, hat sich die alte Welt aufgelöst und eine neue Welt ist erschienen. Äußerlich hat sich nichts verändert und doch hat sich alles verändert. (1f.)

Um das zu verstehen, müssen wir uns an Paradies und Sündenfall erinnern: Jedes Lebewesen, ja schon jedes Elektron, Photon oder Quark, spürt in sich den Einfluss aller wirkenden Kräfte und es reagiert entsprechend seiner Natur. Die Menschen jedoch haben erstmalig in der Schöpfung zusätzlich zu ihrem Spüren noch die Möglichkeit, das Ganze zu zerteilen, Begriffe zu bilden und "Objekte" zu schaffen. Und mit ihren Objekten werden sie auch selber zum Objekt und herausgelöst aus der Einheit mit allem. Und jetzt braucht es ein "Gericht", um das Ganze als solches wiederherzustellen, etwas, das die Menschen veranlasst, sich abzuwenden von dieser Art, ihr Leben zu lenken und zurückzukehren zur Einheit. Und da ist dann auch die Welt wieder eine andere, nicht mehr eine Welt von Gegenständen, die durch Begriffe definiert werden und die die Menschen nur vermittelt durch diese Begriffe auch wahrnehmen, denn jetzt ist nichts mehr dazwischengeschaltet. Jetzt können die Menschen wieder unmittelbar wahrnehmen.

Solange ihre Wahrnehmung durch ihre Begriffe gefiltert war, war alles alt und schematisch, nämlich so alt und schematisch wie ihre Begriffe. Doch jetzt ist alles wieder neu für sie. (1)

Und jetzt kommt aus dem Himmel auch eine neue heilige Stadt, ein neues Jerusalem. Das neue hat nichts zu tun mit dem alten Jerusalem und obwohl es "heilige Stadt" genannt wird, ist es gar keine Stadt und es kommt auch nicht in dem Sinn "vom Himmel herab", dass es vorher nicht existiert hätte. Äußerlich verändert sich nämlich gar nichts. Nur die Menschen, die das Gericht erfahren haben, haben sich verändert und dadurch hat sich für sie die ganze Welt verändert.

Während das alte Jerusalem nur für ein bestimmtes Volk das Leben aus dem Geist symbolisierte, ist das neue Jerusalem die Welt aller Erlösten aller Völker.

Und die Welt in der sie nun leben ist nicht irgendwo hinter den Wolken, sondern sie ist nach wie vor konkret und hier auf der Erde. Es ist ein funktionierendes soziales Ganzes - deshalb sieht es Johannes als eine "Stadt" - mit Arbeit, Geschäften und Erholung, mit Anstrengung und Entspannung, mit Angenehmem und mit Unangenehmem.

Für diejenigen, die das Gericht noch nicht erfahren haben, ist es die gleiche alte Welt, die Welt, in der wir jetzt leben. Es ändert sich absolut nichts an ihr und doch ist sie gänzlich verwandelt für die, die wiedergeboren worden sind aus dem Geist. Und wenn wir aus dem Geist geboren worden sind, ist sie für uns wie eine Braut, die sich für uns geschmückt hat.

Einerseits sind wir zwar selbst die Braut, die geschmückt ist für den Bräutigam, der uns in dieser neuen Welt begegnet. Andererseits sind wir aber gleichzeitig auch der Bräutigam, da nun doch Gott in uns erscheint, wie er damals in Jesus erschienen ist.

Jeder/jede Erleuchtete erlebt, wie die Welt für ihn/sie bereit ist, wie sie wartet und wie sie ihm/ihr einen Empfang von der Art bereitet, wie die Menschen in Jerusalem es "am Palmsonntag" für Jesus getan haben, wie sie es für die indischen Gurus tun oder für die Sufi-Scheichs oder für die Zen-Meister. (2)

Und nun wird das durch eine Stimme, die vom Thron her kommt, erklärt: Das liegt daran, dass Gott unter den Menschen wohnt. Er wohnt auch bei denen, die davon nichts wissen, sogar bei denen, die sich gegen so eine Behauptung verwahren würden. Alle Menschen, die guten und die schlechten, die Erlösten und die Verdammten, werden doch berührt von so einer Begegnung. Sie gehören schon zum Volk Gottes und Gott selbst ist schon bei ihnen. Und doch wird das in Zukunft noch mehr so sein und nocheinmal ganz anders.

Alle Menschen sind ja göttlichen Ursprungs und alle haben in sich die Sehnsucht, zu diesem Ursprung zurückzufinden. Und in allen arbeitet etwas in diese Richtung - und mögen sie im Augenblick auch noch so weit entfernt erscheinen. Irgendwann wird es so weit sein. Da wird Gott auch in ihnen sichtbar werden. Daran glauben die Hindus und die Buddhisten, die ja sagen, dass ein Mensch so lange immer wieder auf dieser Erde geboren werden muss, bis sein Gericht vollendet ist, also bis er seine Natur erkannt hat, die letzten Endes Gott ist (3).

Und was sie im unerlösten Zustand auch alles erdulden müssen, das Schlimmste sind die Schmerzen des Gerichts. Doch durch die darauffolgende Begegnung mit ihrem Ursprung wird das alles mehr wie aufgewogen. Dann wird es keine Trauer mehr geben und kein Geschrei und keine Plage. Der aus dem Geist neu Geborene wird zwar weiterhin Schmerzen ertragen müssen und er wird sich auch weiterhin anstrengen, doch er wird keinen Grund mehr sehen, sich darüber zu beklagen, denn er ist ja nicht mehr isoliert und verlassen, wie vor der Erlösung, in der Zeit des Exils, denn die Erlöstensondern sind verbunden mit der Quelle des Lebens.

Und daher wird auch der Tod mehr sein. Das physische Ende eines

Erleuchteten ist nicht vergleichbar mit dem schrecklichen Hinweggerissenwerden eines Unerleuchteten. Es ist eher ein freiwilliges Sich-Lösen aus einer abgeschlossenen Phase des Lebens, um von da in die nächste Phase einzutreten (4).

Und der auf dem Thron sitzt, sagt, dass er es ist, von dem das ständig Neue ausgeht. Und er befiehlt Johannes, es aufzuschreiben, weil es wahr ist.

Und er sagt: "Es ist geschehen!" Die Neuschöpfung der Welt ist bereits geschehen, sie ist immer schon geschehen. Es ist nicht so, dass damals, vor soundsoviel Jahren eine Welt geschaffen worden ist, die in soundsoviel Jahren zerstört werden wird und dass dann eine neue Welt geschaffen wird, sondern die eine Welt wird ständig geschaffen und zerstört und deshalb ist sie schon immer neu. Aus dem auf dem Thron geht sie hervor. Er ist der ständig wirkende Anfang und das ständig wirkende Ende. "Der auf dem Thron" ist, hinduistisch gesprochen, Vishnu und Shiva in einem.

Und er gibt dem, der dürstet, Wasser aus der Quelle des Lebens. Umsonst gibt er jedem, der dürstet. Das ist die einzige Bedingung. Es braucht keine Verdienste. Es braucht keine Gegenleistung. Es braucht nur Durst. Doch wer dürstet schon nach dem Wasser des Lebens? Die meisten Menschen dürsten nach Luxus und Wohlstand oder nach Anerkennung und auf die Begegnung mit ihrem Ursprung hoffen sie nicht, ja sie fürchten den Augenblick, an dem das geschieht, denn das ist der Tod für sie, auch wenn es nur der Tod ihrer Illusionen ist. (6).

Der, der siegt, wird das neue Leben erben. Diejenigen, die in ihrer Suche durchhalten, die sich nicht ablenken und billig abspeisen lassen, werden sich selbst als Kinder des Allerhöchsten erfahren. Und sie werden sich fortan als solche verhalten, indem sie sich lenken lassen, wie Jesus sich lenken ließ, von dem Gespür für die Wahrheit, das sie von Anfang an haben (7).

Anders aber wird es den Feigen ergehen, denen, die sich fürchten vor der Meinung der anderen, die es nicht wagen, sie selbst zu sein. Sie werden die Einheit nicht erfahren, sie werden gespalten bleiben und in diesem Zweispalt schließlich verbrennen. Genauso die "Ungläubigen", die Verabscheuungswürdigen, die Mörder, die Hurer, die Götzendiener und alle Lügner, also die Misstrauischen, die sich ewig zurückhalten, die Windbeutel, die keinen Respekt haben vor dem Leben, die sich das Leben erkaufen wollen, die Abhängigen und alle, die nicht nach der Wahrheit streben. Ihr Los ist der Feuersee. Die innere Spaltung tut weh. Sie brennt. Und wenn der letzte Augenblick ihres Lebens gekommen ist, werden diese Menschen sehen, dass sie ihre Chance "auf ewig" vertan haben.

Das ist der zweite Tod. Der erste Tod war der physische Tod. Das war nicht der eigentliche Tod. Der eigentliche Tod ist dieses Verbrennen am Ende der Zeit (8).

 

 

 

 

 

 

 

47... 21, 9-21: Das neue Jerusalem

 

(9) Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, voll mit den letzten sieben Schlägen. Und er redete mit mir und sagte: Hierher! Ich werde dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. (10) Und er trug mich im Geist fort auf einen großen und hohen Berg, und er zeigte mir die Stadt, die heilige, Jerusalem. Aus dem Himmel herabsteigend von Gott (11) hat sie die Ausstrahlung Gottes: Ihr Leuchter ist wie ein sehr wertvoller Stein, wie ein kristallener Jaspisstein.

(12) Sie hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und auf den Toren zwölf Engel und Namen angeschrieben, die die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels sind: (13) im Osten drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. (14) Und die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel und des Lammes.

(15) Und der mit mir redete, hatte ein Maß, ein goldenes Rohr, um damit die Stadt und ihre Tore und ihre Mauer zu messen. (16) Und die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr auf zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe von ihr sind gleich. (17) Und er maß ihre Mauer mit hundertvierundvierzig Ellen nach Maß eines Menschen, das ist eines Engels.

(18) Und das Baumaterial ihrer Mauer ist Jaspis, und die Stadt reines Gold gleich reinem Glas. (19) Die Grundsteine der Mauer der Stadt geschmückt mit jedem kostbarem Stein: Der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, (20) der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Karneol, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopas, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst.

(21) Und die zwölf Tore zwölf Perlen, ein jedes der Tore war aus je einer Perle. Und die Straße der Stadt reines Gold wie durchsichtiges Glas.

 

Der gleiche Engel, der das Gericht gebracht hat, bringt auch die neue Welt. Durch den Prozess des Gerichts erst kann ja die neue Welt erscheinen, denn durch das Gericht erscheint das Lamm oder, besser, das Gericht führt den betroffenen Menschen auf eine andere Ebene seiner Existenz, auf die Ebene, auf der das Lamm immer schon da ist.

Dieser Engel, dieser Bote Gottes also zeigt Johannes jetzt, welche Folgen das hat. Er zeigt ihm "die Braut des Lammes". Wenn ein Mensch durch das Gericht auf die Ebene des Lammes gehoben wurde, dann ist er wieder unschuldig geworden, dann bestimmt er nicht mehr selber, was geschehen soll, dann lässt er sich führen, wohin ihn sein Herr Gott, JAHWE, auch führt. Er ist geworden wie Jesus, der sagt: "Ich tue nicht meinen Willen, sondern den Willen meines Vaters." (9)

Von wo her kennt er den Willen des Vaters? Durch seine Sensitivität, durch seine feine Aufmerksamkeit, durch sein Gespür für das Wahre. Aber was nimmt er wahr? Natürlich nicht eine seltsame Botschaft aus dem Jenseits, sondern einfach das, was da ist. Dadurch, dass er seiner Wahrnehmung keine Vorstellungen entgegenstellt oder überstülpt, ist er frei für die Wahrheit, also frei für den Willen des Vaters, der ihm/ihr ja in Form dessen, was da ist, gegenübertritt. Und der dafür frei ist, ist, wie Jesus, selbst das Lamm.

Und nun kommt "die Braut, die Frau des Lammes", die Weggefährtin des Lammes: Es ist "die Stadt, die heilige", die in diesem wie in jedem anderen Augenblick gerade eben "aus dem Himmel herabsteigt von Gott". "Die Braut des Lammes" ist seine Welt. Und diese Welt "hat die Ausstrahlung Gottes".

Ist das neue Jerusalem, das Johannes hier sieht, also eine Welt, die

erschaffen wird, nachdem die alte Welt in einem materiellen Sinn zerstört wurde? Wir brauchen uns nur selbst an die verschiedenen Welten erinnern, die wir schon durchlebt haben, an all die Höllen und Himmel, durch die wir gegangen sind, dann erinnern wir uns auch, dass sich da nicht die Welt draußen geändert hat, sondern nur unsere Perspektive. Aus der Perspektive des Lammes ist die Welt ein Wunder und sie ist in jedem Augenblick ganz neu und in jedem Augenblick kommt sich direkt von Gott aus dem Himmel herab. Es ist nicht irgendeine andere Welt, die es jetzt noch nicht gibt, sondern genau die Welt, die uns auch jetzt umgibt, ist dann eine völlig andere, eine absolut wunderbare Welt für uns, auch wenn sie für andere immer noch eine schreckliche Hölle ist. Diese wunderbare Welt also ist die Braut des Lammes. (9f.)

Für den Menschen, der durch das Gericht zum Lamm geworden ist, kommt sie zu jeder Zeit als seine neue "Stadt" aus dem Himmel herab. "Und einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bevor das geschieht" (Mt 16, 28), das hat Jesus seinen Zeitgenossen gesagt. Das neue Jerusalem ist also bereits aus dem Himmel herabgekommen, es ist also bereits da und wir brauchen nur noch zum Lamm werden, damit auch wir es wahrnehmen können. Wiedergeboren aus dem Geist können wir die heilige Stadt sehen samt ihrer göttlichen Ausstrahlung. Überall nimmt ein Wiedergeborener sie wahr, denn wohin er auch blickt, wasimmer er tut, überall begegnet er nur dem Wunder.

Und im Folgenden beschreibt Johannes das Wunder: Alles ist für ihn wie aus wertvollstem Edelstein. (10f.)

 

Die Stadt "hat eine große und hohe Mauer". Sie ist nicht unbegrenzt. Niemand kommt hinein, außer durch ein Tor. Obwohl die, die drin sind, sich frei bewegen können, ist sie doch von außen her geschützt - und auch die Zahl derer, die darin Aufnahme finden, ist begrenzt.

Die Mauer hat zwölf Tore und auf den Toren Engel und die Namen der zwölf Stämme Israels. Seit je her wird der Eingang ins Paradies von einem Engel bewacht. Es ist der Erzengel Michael mit seinem feurigen Schwert und seiner Frage "wer ist wie Gott?". Er wehrt jeden ab, der nicht bereit ist, jeden, der noch selbst wer sein will, jeden, der sich noch nicht vom göttlichen Willen führen lässt.

Das Paradies hat nicht nur einen Eingang, sondern zwölf Eingänge. So wie die zwölf Stämme Israels alle Typen von Menschen repräsentieren, ähnlich den zwölf Tierkreiszeichen in der Astrologie, so gibt es für jeden Charaktertyp ein anderes Tor. Und über jedem Tor steht der Name dieses besonderen Menschenschlags, damit jeder den seinen auch finden kann. Jede der vier Himmelsrichtungen hat drei Tore. In jeder Kultur gibt es die Symbolik der vier Himmelsrichtungen und es gibt eine erstaunliche Übereinstimmung in der Bedeutung, wenn etwa der Westen der Introspektion und Intuition zugeordnet wird, der Süden der Unschuld, der Norden dem Intellekt und der Osten der Aufmerksamkeit nach außen. Aus jeder dieser Richtungen können Menschen in die heilige Stadt gelangen. (12f.)

Und die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine, die die Namen der zwölf Apostel und des Lammes tragen. Jeder, der die Stadt sehen kann, ist nicht durch eigene Anstrengung in sie hineingekommen, sondern durch die Arbeit der "Apostel", der Abgesandten des Lammes. In jeder Kultur gibt es die Abgesandten des Lammes. Die Apostel sind nicht etwas spezifisch Christliches. Ihre Aufgabe ist es, jenen Bereich des menschlichen Seins zum Aufleuchten zu bringen, einen Menschen also auf jene Ebene seiner selbst zu bringen, auf der er die Welt so sehen kann, wie sie ist: als göttliche Emanation. Bei den Hindus tun das die Sadgurus, bei den Naturvölkern die Medizinmänner, bei den Moslems die (Sufi-)Scheichs, bei den Buddhisten die Rinpoches und andere Meister. Sie alle sind letzten Endes Abgesandte des Lammes. (14)

Und der Engel, der Johannes all das zeigt, hat einen Maßstab, ein goldenes Rohr, und mit ihm vermisst er die Stadt. In der heiligen Stadt ist alles in Proportion. Alles ist genau da, wo es sein sollte. Alles entspricht dem goldenen Maßstab, auch das Leben darin. (15)

Und die Stadt ist viereckig, die Länge gleich wie die Breite. Viereckig heißt geordnet. Und dass Länge und Breite und Höhe gleich sind bedeutet: Sie ist nicht kompliziert, sondern höchst einfach. (16a)

Und die Stadt erstreckt sich auf 12 x 1000 Stadien in jede Richtung. Es ist also genügend Platz darin für jeden der zwölf Menschentypen. Alle werden ihr Gebiet haben. Zwölftausend Stadien ist im heutigen Maß außerdem etwa 12000x200 Meter, also 2400000 Meter in eine Richtung, und das ist eine überschaubare Größe, die große Komplexität zulässt.

Und die Mauer ist hundertvierundvierzig Ellen hoch, "nach Menschenmaß, das das Maß eines Engels ist". 144 ist wieder 12 x 12. Sie ist unerstürmbar und für jeden der verschiedenen menschlichen Charaktere hält sie ihre Abwehr bereit. Die Mauer symbolisiert die Abwehrkraft des Menschen, der wiedergeboren ist aus dem Geist. Der Maßstab, mit dem gemessen wird, ist ein menschlicher, aber nicht ein ausgedachter, sondern der natürliche Maßstab, der direkt von Gott kommt. (17)

 

Und nocheinmal: Für den, der ins Paradies zurückgekehrt ist, gibt es kein Schema mehr und nichts Gewöhnliches. Wohin er auch blickt, er sieht nur das in jedem Augenblick neue, göttliche Leben. Überall sieht er das Wunder. Und so ist alles kostbar und rein und klar. Und aus dieser Perspektive besteht die Mauer der heiligen Stadt aus Edelstein, aus kostbarem Jaspis. Und die Stadt selbst besteht aus Gold so klar wie reines Glas.

Für den zum Lamm Gewordenen ist alles durchsichtig. Nichts ist verborgen, alles ist klar. So ist Jesus den Menschen begegnet. Das Lamm in ihm konnte allen bis auf den Grund ihrer Seele schauen. Nichts blieb verborgen. Deshalb konnte er in jedem Menschen genau jenen Punkt berühren, durch den die Veränderung eintreten kann. Und so wird es nach dem Prozess des Gerichts bei allen sein, in denen der Menschensohn wiedergekehrt ist. Nach außen hin wird die Welt die gleiche sein, wie vor Ihrer Transformation, aber für sie wird alles verändert sein, kostbar und durchsichtig in jedem Detail. (18)

Und die zwölf Grundsteine der Stadt funkeln in kristallenem Glanz. Es sind ja die Abgesandten des Lammes, auf denen das neue Jerusalem beruht. Jeder von ihnen ist ein einziger Kristall. In jedem von ihnen ist aus dem vorangegangenen Chaos kristallklare Ordnung geworden. Jeder von ihnen ist in seiner spezifischen Originalität auskristallisiert. Und jeder, der bewusst in dieser Stadt lebt, ist selbst zu einem Edelstein geworden. Und er sieht die Kostbarkeit der Eingänge in diese Stadt. Es gibt nichts Kostbareres. Im Gleichnis Jesu verkauft ein Kaufmann seinen ganzen Besitz für eine einzige Perle und hier finden wir jene einzigartige Perle als das Tor zum Paradies. Der Eingang ins Paradies ist das Kostbarste überhaupt. Es gibt doch nichts Wichtigeres im Leben eines jeden Menschen als hier einzutreten. Und so ist eine jedes der zwölf Tore eine einzige Perle. Und die Straße der Stadt, der Weg, den die Erleuchteten gehen, ist der edelste Weg, ein Weg aus Gold, und so klar wie durchsichtiges Glas. (19-21)

 

 

 

 

 

 

48... 21, 22 - 22, 5: Das Leben in der heiligen Stadt

 

(22) Aber einen Tempel sah ich nicht in ihr, denn der Herr, Gott, der Allherrscher, ist ihr Tempel, und das Lamm. (23) Und die Stadt hat die Sonne nicht nötig noch den Mond, damit sie ihr scheinen, denn die Ansicht Gottes erleuchtete sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. (24) Und aufgrund ihres Lichts werden die Völker wandeln. Und die Könige der Erde bringen ihre Ehre in sie ein. (25) Und ihre Tore werden tags nicht geschlossen werden, und Nacht wird dort nicht sein. (26) Und sie werden den Ruhm und die Ehre der Völker in sie hineinbringen. (27) Und nicht hineingehen in sie wird jegliches Gemeine, noch Übeltäter oder Lügner, sondern nur die im Buch des Lebens des Lammes verzeichnet sind.

 

(1) Und er zeigte mir den Fluss des Wassers des Lebens, strahlend wie Kristall. Der geht vom Thron Gottes und des Lammes aus. (2) Mitten in ihrer Straße und diesseits und jenseits des Flusses der Baum des Lebens, der zwölf Früchte bringt im Jahr. Und ein jeder gibt jeden Monat seine Frucht ab, und die Blätter des Baumes zur Heilung der Völker.

(3) Und nicht mehr sein wird jeglicher Fluch. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen. (4) Und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name auf ihren Stirnen. (5) Und Nacht wird nicht mehr sein, und das Licht eines Leuchters haben sie nicht nötig, noch das Licht der Sonne, weil der Herr, Gott, über ihnen leuchten wird. Und sie werden herrschen in die Äonen der Äonen.

 

Einen Tempel gibt es nicht in der heiligen Stadt. Es braucht keinen Tempel mehr. Denn "die Stunde", von der Jesus zu der Samariterin am Jakobsbrunnen spricht, ist hier immer da. Die Menschen brauchen Gott hier weder im Tempel noch auf dem Berg anbeten, denn sie beten ihn ohnehin in jedem Augenblick "im Geist und in der Wahrheit" an (Joh 4, 21). Sie sind stets unmittelbar mit Gott verbunden. Sie selbst sind das Lamm, das sich von ihm führen lässt. Und ihr eigener Körper ist der Tempel, in dem der Heilige Geist immer anwesend ist. (22)

Und daher brauchen die Menschen in dieser Stadt auch keine äußere Orientierung mehr. In jedem Moment empfangen sie ja die Signale der göttlichen Führung. Sie brauchen die Daten, die sie über ihre Sinne empfangen, nicht mehr mithilfe ihrer Vorstellungen bearbeiten, bevor sie handeln können. Sie empfangen viel mehr, als über die Sinne kommt, und alles ist im Augenblick der Wahrnehmung bereits verarbeitet, denn sie sehen alles aus dem Blickwinkel des Ganzen. Und der Blickwinkel des Ganzen ist der Blickwinkel Gottes, und ihn empfängt das Lamm. Und durch ihn sieht es, wohin es auch blickt, die ganze Tiefe des Seins. Von überall her strahlt ihm daher "der Ruhm" oder "die Herrlichkeit" (= "doxa") Gottes entgegen (23)

Und in dem Licht, das durch das Lamm hindurchscheint, können ganze Völker durchs Leben gehen. Und weil sie ihr eigenes Leben in diesem Licht sehen, bringen die Könige der Erde ihre Ehre ein in die heilige Stadt. Sie beanspruchen diese Ehre nicht mehr für sich selbst, sondern sie begreifen sie als Teil des Wunders der ewigen Schöpfung. (25)

Und die Tore der heiligen Stadt stehen offen den ganzen Tag und Nacht gibt es nicht. Das Paradies steht immer allen offen. Es ist immer da als ein ständiges Angebot an alle. Und auch der Weg ist immer sichtbar, wenigstens der nächste Schritt und dieser nächste Schritt ist das Tor und das ist den ganzen Tag geöffnet und Nacht gibt es nicht. Und der ganze Ruhm und die ganze Ehre der Völker geht in sie ein, denn aller Ruhm und alle Ehre beruhen letzten Endes darauf, die Menschen in der heiligen Stadt der überall wirkenden schöpferischen Intelligenz keinen Eigenwillen entgegensetzen. Und der Geist der Bewohner der heiligen Stadt ist der Geist "des Lammes", "des Nirvana", "der Leere", und so kann das, was die Japaner "Ki" nennen, auf seine natürlich-wunderbare Weise wirken. (26)

Das Gewöhnliche jedoch oder Übeltäter oder Lügner können das Tor nicht passieren, sondern nur die, die im Buch des Lebens des Lammes verzeichnet sind. Die im Buch des Lebens des Lammes verzeichnet sind, haben ihr Leben zurückgelegt in die Hand des Vaters. Sie leben, wie Jesus, direkt aus der Quelle. Sie sind die bewussten Bewohner des neuen Jerusalem. Die anderen, die Lügner, leben genauso da, aber sie wissen es nicht. Sie haben sich Bilder gemacht und sie erleben nur die langweilige, ständige Wiederholung dieser Bilder. Und irgendwo wissen sie das auch, aber sie machen sich etwas vor, um ihre Illusion von eigenständiger Größe aufrechtzuerhalten, um sich eben nicht der Führung durch das Ganze überlassen zu müssen, um nicht zum Lamm zu werden. (27)

 

Aber für die, die es wahrnehmen können, ist der Fluss des Wassers des Lebens jetzt da, strahlend wie Kristall. Und dieser Strom geht aus vom Thron Gottes und des Lammes. Die sich vom Ganzen führen lassen, wissen sich selbst als Teil dieses Stroms des ewigen Lebens. Durch die Abwesenheit ihres Eigensinns wissen sie sich eins mit Gott und mit dem Lamm. (1)

Mitten in ihrer Straße, und diesseits und jenseits des Flusses, also überall steht für sie der Baum des Lebens. Die Straße des neuen Jerusalem ist der Weg derer, die sich führen lassen wie das Lamm. Und auf diesem Weg steht der Baum des Lebens - so wie vor ihrer Verwandlung der Baum der Erkenntnis auf ihrem Weg gestanden hatte. Und so wie sie zuvor dessen Früchte genossen hatten, so genießen sie jetzt die Früchte vom Baum des Lebens. Und der Baum des Lebens bringt jeden Monat seine Frucht. So wie jeden Monat im Eierstock der Frau ein Ei reift, in so natürlichem Rhythmus reift alles, was die Bewohner des neuen Jerusalem "tun". Und sie behalten ihre Frucht nicht für sich, so wie unerlösten Menschen die Früchte vom Baum der Erkenntnis für sich behalten haben, sondern sie geben jede Frucht ab, sobald sie reif ist. Und ihre Linke weiß dabei nicht, was ihre Rechte tut (Mt 6,3).

Und der Baum des Lebens trägt nicht nur Früchte, sondern auch Blätter. Die eins sind mit dem ewigen Leben, bringen nicht nur wertvolle Ergebnisse hervor, schon ihr bloßes Dasein wirkt lindernd und heilend auf die Leiden der Menschen. (2)

Und alle Arten von Verhängnis sind aufgehoben, weil die Erlösten ja das Wesen sehen und nicht mehr an der Oberfläche haften bleiben. Und Gott, also das eine Ganze wird im neuen Jerusalem herrschen durch den Geist des Lammes. Und seine Bewohner, die erlösten Menschen, werden nicht für sich selbst da sein wollen, sondern sie werden dem Ganzen dienen, Knechte des Ganzen sein. (3)

Und deshalb werden sie (überall) dieses Eine sehen, JAHWE. Und alle, die sie sehen, werden Ihn in ihnen sehen. (4)

Und Dunkelheit wird es für sie nicht mehr geben. Die Gefahr eines Rückfalls ist gebannt. Wenn ein Mensch auf seinem Weg ins Paradies eine bestimmte Schwelle überschritten hat, nämlich wenn er wirklich zum Lamm geworden ist, dann hat er die ganze Wahrheit gesehen und von da an ist der bloße Schein keine Versuchung mehr. Und sie brauchen auch keinen mehr, der ihnen den Weg weist, denn sie sehen ihn von nun an selbst, weil sie sich ja nicht mehr selbst lenken, sondern weil das Eine sie lenkt, weil sie und das Eine eins geworden sind. Und deshalb herrschen nun auch sie mit dem Einen durch alle Zeiten hindurch. (5)

 

 

 

 

 

 

 

Das eben Beschriebene wird in Kürze

uns selbst geschehen

 

 

 

 

49... 22, 6-21: Sieh, ich komme schnell

 

(6) Und er sprach zu mir: Diese Worte sind treu und wahr, und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, schickte seinen Engel, um seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen muss. (7) Und sieh, ich komme schnell. Selig, die die Worte der Prophezeiung dieses Buches bewahren.

(8) Und ich, Johannes, bin es, der dieses hört und sieht. Und als ich es hörte und sah, fiel ich vor den Füßen des Engels, der es mir zeigte, nieder, um ihn zu verehren. (9) Und er sagt mir: Schau, nicht! Ich bin nur dein Mitknecht und der deiner Brüder, der Propheten und derer, die die Worte dieses Buches bewahren. Gott verehre!

(10) Und er sagt mir: Versiegle die Worte der Prophezeiung dieses Buches nicht! Denn die Zeit ist nahe. (11) Der Unrecht tut, tue weiter Unrecht, und der Schmutzige beschmutze sich weiter, und der Gerechte tue weiter Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich weiter!

(12) Sieh, ich komme schnell, und mein Lohn mit mir, um einem jedem so zu vergelten, wie es seinem Werk entspricht. (13) Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.

(14) Selig, die ihre Gewänder waschen, denn sie werden die Vollmacht haben über den Baum des Lebens und sie werden eingehen durch die Tore in die Stadt. (15) Draußen die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.

(16) Ich, Jesus, schicke meinen Engel, um euch dieses für die Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der strahlende Morgenstern.

(17) Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und der hört, soll sprechen: Komm! Und der dürstet, soll kommen, der will, soll das Wasser des Lebens umsonst empfangen.

(18) Ich bezeuge einem jeden, der hört, die Worte der Prophezeiung dieses Buches: Wenn einer etwas darüberhinaus hinzufügt, wird Gott auf ihn die Schläge hinzufügen, die in diesem Buch beschrieben sind, (19) und wenn einer von den Worten dieser Prophezeiung, die in diesem Buch beschrieben ist, etwas wegnimmt, wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen.

(20) Der dieses bezeugt, sagt: Ja, ich komme schnell. Amen, komm, Herr Jesus!

(21) Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen.

 

Die Bewohner der heiligen Stadt werden kein äußerliches Licht mehr brauchen, weil Gott selbst sie erleuchtet. Und sie werden herrschen in die Äonen der Äonen. Das ist treu und wahr. Und Gott hat seinen Engel geschickt, um seinen Dienern jenen Prozess vor Augen zu führen, durch den sich diese Prophezeiung erfüllt. (6)

Und der Menschensohn, von dem sowohl die Vision des Johannes, als auch jener Prozess selbst ausgeht, sagt: "Sieh, ich komme schnell!" Es bleibt keine Zeit, herumzutrödeln. Und die Worte der Prophezeiung dieses Buches sollen eine ständige Mahnung sein. Selig, wer sich durch sie daran erinnern lässt, dass nur das Lamm siegen kann. (7)

Johannes ist der Zeuge, der die Botschaft hört. Und diese Botschaft ist so gewaltig, und Johannes ist davon so sehr berührt, und er ist dem Überbringer so dankbar, dass er vor ihm niederfällt, um ihn zu verehren. (8) Doch der Bote Gottes erinnert ihn ein weiteres Mal, wie schon zuvor, dass er, den er sieht, nicht der Schöpfer ist, sondern nur ein Geschöpf, wie Johannes selbst und wie die Brüder, die die Botschaft dieses Buches bewahren. (9)

Und der Engel befiehlt ihm, die Botschaft, die Johannes eben empfangen hat, nicht geheim zu halten, denn sie ist notwendig, damit die Menschen die geringe Zeit, die ihnen für ihren Verwandlungsprozess bleibt, auch nützen. (10) Doch niemand soll diese Botschaft aufgedrängt werden, im Gegenteil, sie ist nur für die bestimmt, "die hören", in denen sie also von selbst etwas auslöst. Daher soll der Ungerechte weiter Ungerechtigkeit üben, denn seine Ungerechtigkeit wird ihm genau das einbringen, wovon in diesem Buch die Rede ist, und da wird er dann selbst sehen, was die Wahrheit ist und ebenso wird es der Heilige sehen. Im Ergebnis der Tat selbst liegt die Botschaft, und der, der die Prophezeiung dieses Buches wirklich gehört hat, wird sie in seinem Leben ohne weiteres wiedererkennen. (11)

Sofort, auf der Stelle, misst der Menschensohn in jedem Menschen jeder Tat ihren Wert zu und zwar nicht nur im Bewusstsein dieses Menschen, sondern auch in den Konsequenzen, die jede Tat hat. (12) In jedem Menschen ist es der menschliche Kern, von dessen Urteil letzten Endes das Glück oder das Unglück dieses Menschen abhängt. Und dieser menschliche Kern lässt sich nicht manipulieren. Er ist das unverrückbare Maß schon vor und auch jenseits aller menschlichen Urteile. Von ihm kommt der Mensch her und an ihm wird er schließlich gemessen. (13)

Selig sind daher die, die ihre Gewänder waschen, die sich also abwenden von den selbstherrlichen Zielen, die dem Menschensohn trotzen und die ihr Handeln wieder an ihm orientieren. Denn dadurch werden sie wieder mit dem Baum des Lebens verbunden und sie werden das neue Leben erfahren und ihre ganze Welt wird eine andere sein, nämlich das Paradies. (14) Nicht hinein kommen werden dagegen die, die ihre eigenen Zwecke verfolgen, die sich von der Wahrheit des Ganzen entfernt haben. (15)

Der Menschensohn, der in Jesus in archetypischer Weise erschienen ist, schickt ständig seinen Boten, um uns das zu zeigen. Und wir stehen stellvertretend für alle, die von ihm bereits berührt worden sind. Der Menschensohn ist die Wurzel, die Basis. Er ist es, von dem die Heilung kommt, wie es vom Geschlecht Davids gesagt wird. Er ist der Stern, der am Morgen aufstrahlt und uns das Ende unserer Finsternis ankündigt und er geleitet uns hinein in das Licht des neuen Lebens. (16)

Und der Geist ruft "komm!". Der Geist ist die Lebenskraft. Sie drängt uns. Von ihr her spüren wir die Sehnsucht nach dem göttlichen Licht, nach dem Menschlichen, nach dem Lamm. Und auch die Braut des Lammes ruft "komm!". Wir in unserem alten unerlösten "Ich" sind doch die Braut des Lammes und wir sehnen uns danach, dass der Menschensohn in uns erscheint. Und alle, die von dieser Botschaft berührt werden, sollen ihre Sehnsucht wachhalten und "komm!" rufen. Und alle, bei denen die Sehnsucht wach ist, also alle, die dürsten, dürfen sich dem Lamm nähern. Und die es wollen, werden das Wasser des Lebens umsonst bekommen. Nicht durch ihre Anstrengung - obwohl Anstrengung der Sehnsucht ganz natürlich ist - doch am Ende werden sie sehen, dass es nicht ihre Anstrengung war, sondern ein unverdientes Geschenk, und dann werden sie ihr ganzes Dasein als solches erkennen. (17)

Und der Menschensohn in jedem Menschen bezeugt die Wahrheit der Prophezeiung dieses Buches und jeder, der ihr etwas hinzufügt oder etwas von ihr wegnimmt wird sich selber untreu und deshalb muss er die in dem Buch beschriebenen Konsequenzen erfahren und solange er daran festhält, kann er keinen Anteil haben an der neuen Welt. (18f.)

Der das alles bezeugt, eben der Menschensohn, sagt nocheinmal, dass er schnell erscheinen wird. Und wir bekräftigen das und bitten ihn, zu kommen, denn wir wollen zutiefst, dass der Jesus, der uns bereits tief berührt hat, ganz in uns erscheint. (20)

Und dieses Erscheinen, das nicht unser Verdienst ist, sondern ein Geschenk, das wünschen wir nicht nur uns selbst, sondern allen. (21)